Grzegorz Zujko vom Verein „Leben Helfen Leben“ (links) und Markus Raichle von der Feuerwehr helfen beim Ausladen der gespendeten Güter. Foto: Barbara Scherer

Die Freiwillige Feuerwehr in Wäldenbronn hat eine Sammelaktion für die Ukraine organisiert. Transportiert wird dringend Benötigtes wie Babynahrung, Kleidung oder Mobiltelefone.

Großer Andrang am neuen Feuerwehrhaus in Wäldenbronn: Eine junge Frau in gelber Weste winkt Autos mit Spenden auf den Parkplatz vor dem weit geöffneten Feuerwehrmagazin, andere eilen hinzu, helfen beim Ausladen, wuchten Kisten und Tüten auf die vordere Tischreihe im Feuerwehrhaus, wieder andere sortieren die abgegebenen Waren und reichen sie durch zu den hinteren Tischen, wo Helfer und Helferinnen Kleider, Schuhe, Decken, Schlafsäcke, Babynahrung, haltbare Lebensmittel, Hygiene- und medizinische Artikel oder auch Ladegeräte und Mobiltelefone in Kartons packen und sie zum Abtransport bereit stellen.

 

Ein Rollator der verstorbenen Schwiegermutter für Lwiw

Ulrich Berndt hebt neben Winterkleidung auch einen Rollator aus dem Kofferraum. „Meine Schwiegermutter ist kürzlich gestorben“, erklärt der Esslinger. „Und der Rollator ist in einem guten Zustand.“ Daneben laden Stephanie Szeremeta und Volker Hann einen Daunenmantel, diverse Hygieneartikel und einen Verbandskasten aus. Andere kommen, laden aus, fragen, was noch benötigt werde und sind kurze Zeit später mit den genannten Artikeln wieder zur Stelle.

„Das geht so seit 14 Uhr, als wir begonnen haben“, sagt Markus Raichle mit Blick auf den Parkplatz, wo Auto um Auto vorfährt, ablädt und dem nachfolgenden Wagen Platz macht. „Die ersten Spender waren bereits um 13.30 Uhr da.“ Raichle ist stellvertretender Abteilungskommandant der Feuerwehr in Wäldenbronn. Bis zu 40 Männer und Frauen aus seiner Abteilung sowie Familienangehörige der Wehrleute stemmen den Sammeltag. Das Drive-in, die Annahme und Weiterverarbeitung der Güter, die komplette Logistik der Sammelaktion hat die Feuerwehr Wäldenbronn auf die Beine gestellt. „Wir dachten, es ist eine gute Zeit für eine Sammelaktion. Die Leute haben Zeit, das weihnachtliche Gefühl wirkt noch nach und fördert die Hilfsbereitschaft.“ So haben die Menschen nicht nur Waren gebracht, sondern auch Geld gespendet wie beispielsweise die Wäldenbronner Händlervereinigung „Vielfalt“. 2000 Euro kamen bei den Händlern und Dienstleistern zusammen, womit Notwendiges eingekauft wurde. So haben es auch die Feuerwehren Stadtmitte und Baltmannsweiler gemacht.

Bereits nach kurzer Zeit hatten Raichle und seine ehrenamtlichen Leute einen Sattelschlepper voll mit Hilfsgütern gepackt. „30 Paletten und 35 Bigpacks für Kleidung“, erklärt Raichle. „Wir haben unser Ziel erreicht und es sogar überschritten.“ Die Aktion laufe noch weiter: Aus einer Apothekenauflösung seien Medikamente und andere Artikel angekündigt.

Der Durchhaltewille der Ukrainer ist ungebrochen

Dass die Waren an die Bedürftigen in der Ukraine kommen, ist das Verdienst von Grzegorz Zujko. Der aus Polen stammende Esslinger Bauunternehmer vom Verein „Leben Helfen Leben“ ist mit einer Frau mit ukrainischen Wurzeln verheiratet. Er fährt seit Kriegsbeginn im Februar 2022 regelmäßig Hilfstransporte in die Ukraine. Zunächst in die Gegend um Lwiw, dem früheren Lemberg. Dort lebten Flüchtlinge aus der Ostukraine, die aber im Lauf des Jahres weiter in die südliche Ukraine zogen. Die ukrainischen Karpaten – 3700 Kilometer entfernt – sind auch das Ziel seiner nächsten Tour in den kommende Tagen. „Da warten 72 Waisenkinder aus einem Kinderheim in Charkiv auf uns“, berichtet Zujko. Dort hatten er und seine Begleiter bei ihrer jüngsten Fahrt ein Weihnachtsfest mit Geschenken für die Kinder organisiert. Was Zujko über die Verhältnisse in der Ukraine berichtet, klingt düster: „Die Situation hat sich stark verschlechtert, auch in den nicht umkämpften Gebieten“, sagt er. Nur fünf Stunden am Tag gebe es Strom, Heizung oder Wasser. Die Menschen müssten sich immer fragen: Was ist jetzt wichtiger: Kochen, duschen oder versuchen zu telefonieren? Was ihn beeindruckt: „Die Ukrainer sind fest entschlossen. Sie geben nicht auf.“

Im Einsatz für Verfolgte und Vertriebene

Verein
 „Leben Helfen Leben“ wurde im März in Remshalden gegründet. Er engagiert sich für Menschen, die politisch, rassistisch oder religiös verfolgt werden, die auf der Flucht sind oder aus ihrer Heimat vertrieben wurden sowie für Menschen, die unverschuldet in Notlagen geraten sind, zum Beispiel durch Naturkatastrophen. Aber auch der Tierschutz liegt dem Verein am Herzen, denn bei Flucht und Vertreibung bleiben Tiere oft schutzlos zurück.

Aktuell
 „Hilfe für die Ukraine“ heißt das aktuelle Projekt des Vereins. Der Verein organisiert den Transport von Sachspenden für Geflüchtete an eine Sammelstelle in Polen und fährt von dort aus direkt in die Ukraine. Sammlungen erfolgen regelmäßig. Der Verein ist als gemeinnützige Organisation anerkannt. Grzegorz Zujko ist stellvertretender Vorsitzender.

Mehr unter www.lebenhelfenleben.com