Die vier deutschen Champions-League-Teilnehmer spenden 20 Millionen Euro in einen Topf. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Die Konkurrenz in der Bundesliga ist traditionell groß - nicht nur in sportlicher Hinsicht. Doch die Corona-Krise fördert den Gemeinsinn. Vier Topclubs verzichten aus Sorge vor einem finanziellen Kollaps des deutschen Profi-Fußballs auf Millionen.

Frankfurt/Main - Solidarität statt Egoismus, Taten statt Lippenbekenntnisse: Mit einer selbstlosen Spende haben Bundesliga-Krösus Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen in der Coronakrise ein millionenschweres Zeichen gesetzt - und damit Hoffnung auf die von Uli Hoeneß erwartete „neue Fußball-Welt“ geweckt.

„Diese Aktion unterstreicht, dass Solidarität in der Bundesliga und 2. Liga kein Lippenbekenntnis ist“, sagte DFL-Boss Christian Seifert: „Das DFL-Präsidium ist den vier Champions-League-Teilnehmern sehr dankbar im Sinne der Gemeinschaft aller Klubs.“ Das Quartett zahlt zusammen 20 Millionen Euro in einen Topf ein, der in Not geratenen Vereinen helfen soll. Die Bild-Zeitung hatte zuvor davon berichtet.

DFL-Präsidium entscheidet über die Verteilung der Gelder

„In diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass die stärkeren Schultern die schwächeren Schultern stützen“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke meinte: „Wir haben immer gesagt, dass wir uns solidarisch zeigen werden, wenn Klubs unverschuldet durch diese absolute Ausnahmesituation in eine Schieflage geraten.“ Und Leipzigs Chef Oliver Mintzlaff betonte: „Die Bundesliga ist ein großartiger Wettbewerb und besteht aus einer Vielfalt von 36 Vereinen, die in der Krise an einem Strang ziehen müssen.“

12,5 Millionen Euro der gespendeten Summe sind Rücklagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) aus TV-Erlösen, die eigentlich den vier Klubs zustehen würden. Die restliche Summe steuern sie aus eigenen Mitteln bei. Das DFL-Präsidium entscheidet über die Verteilung der Gelder.

Gefahr und Chance zugleich

„Jetzt muss Solidarität gelebt, nicht nur erzählt werden“, forderte Hoeneß im Fachmagazin kicker - bezogen auf die gesamte Gesellschaft, über Grenzen hinweg, nicht nur im Fußball. Aber eben auch. Der langjährige Bayern-Präsident bezeichnete die aktuelle Situation als „eine Gefahr“, sieht in ihr aber auch die Chance, „dass die Koordinaten etwas verändert werden können. Es wird sehr wahrscheinlich eine neue Fußballwelt geben.“

Wie diese (vorerst) in Deutschland aussehen wird, darüber entscheiden die 36 Vereine der Bundesliga sowie 2. Liga am kommenden Dienstag bei der virtuellen DFL-Mitgliederversammlung. Auf dem Programm stehen neben der weiteren Saisonplanung auch die wirtschaftlichen Folgen der Zwangspause, unter Umständen ist die Aktion des Quartetts ja nur der Anfang einer solidarischen Welle. Die DFL, die für die Verteilung aus dem „Hilfstopf“ zuständig sein soll, wird es hoffen.

Wie schnell aus einer sturen Ablehnung eine großzügige Bereitschaft werden kann, beweist das Beispiel des BVB. Watzke hatte sich unlängst nach unglückliche Äußerungen den Vorwurf der fehlenden Solidarität gefallen lassen müssen.

Es soll eine einmalige Solidaraktion sein

Dass diese nun dauerhaft Bestand haben wird, darf jedoch zumindest angezweifelt werden. Der Verzicht der vier Champions-League-Starter, die in der vergangenen Woche über ihren Plan beratschlagt haben, soll wegen der Corona-Pandemie eine einmalige Solidaraktion sein. Skepsis ist bereits vorhanden, unter anderem bei Steffen Baumgart.

„Eines habe ich in den Jahren gelernt“, sagte der Trainer des Bundesliga-Schlusslichts SC Paderborn: „Es wird, auch in Krisen oder nach schlimmen Vorfällen, sehr viel geredet und theoretisiert. Wir dürfen nicht blauäugig sein und glauben, alles wird besser oder vernünftiger.“ Genau das glaubt aber Hoeneß, zumindest vorübergehend erwartet er eine Regulierung.

Irrwitzige Gehälter? Dreistellige Millionenbeträge für Transfers? „Das kann ich mir in der nächsten Zeit nicht vorstellen“, mutmaßte der 68-Jährige: „Die Transfersummen werden fallen, die Beträge werden sich in den kommenden zwei, drei Jahren nicht mehr auf dem bisherigen Niveau bewegen können. Denn es sind ja alle Länder betroffen.“ Und damit tatsächlich die Chancen gegeben, eine neue Fußball-Welt zu erschaffen.

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