Das Band zerschnitten haben Stefan Wittmann (Rominger Stiftung), Petra Kaiser (BW-Bank) sowie Petra Griesinger und Iris Lippold (Daimler AG, v.l.) Foto: Corinna Pehar

Dank einer großzügigen Spende können die Mädchen und Jungen der Rominger-Kita im Stuttgarter Süden jetzt in einer großen Nestschaukel schaukeln.

S-Süd - Auf dem Hof der Rominger Kita gegenüber dem Marienhospital ist es an diesem Nachmittag noch wuseliger als sonst: Die Kinder rennen lachend umher und schwatzen fröhlich durcheinander. Der Grund für die Aufregung steht zwischen Sandkasten, Kletterturm und eingedeckten Stehtischen: Eine große Schaukel mit Korb, die Platz für mehrere Kinder bietet. Imposant sieht sie aus mit ihren dicken Holzbalken und der hellgrünen Stange. Ein weiß-rotes Absperrband hält die Kinder allerdings noch davon ab sie zu benutzen.

Doch die Erlösung naht, als ein Mann mit einer Schere in der Hand auf die Treppen tritt und hält eine kleine Ansprache hält. Es handelt sich dabei um Stefan Wittmann, als Geschäftsführer der Rominger Stiftung möchte er sich heute für die Spende, die durch die Pro-Cent-Aktion der Daimler AG und durch die BW Bank ermöglicht wurde, bedanken. „Ohne Sie hätten wir uns die Schaukel nicht leisten können“, sagt der stellvertretende Stiftungsvorsitzende zu Petra Kaiser von der BW-Bank sowie zu Petra Griesinger und Iris Lippold von der Daimler AG. Lippold ist die Koordinatorin der Pro-Cent-Aktion, bei der Mitarbeiter freiwillig Cent-Beträge der monatlichen Netto-Entgeltabrechnung spenden. Für jeden gespendeten Cent legt das Unternehmen einen weiteren Cent oben darauf. Der Erlös kommt gemeinnützigen Projekten zu Gute, die ausschließlich von der Belegschaft vorgeschlagen werden.

Auf Spenden und Zuschüsse angewiesen

Als freier Träger der Kita sei die Stiftung immer wieder auf Spenden und Zuschüsse angewiesen. „Unser Job ist es, die Stiftung zum Wohle der Kinder in Heslach zu erhalten“, erklärt Stefan Wittmann. Diese Intention gelte bereits seit 141 Jahren: 1878 wurde die Stiftung von dem Kaufmann Johannes Rominger gegründet.

Laut Tanja Renkl-Evers, die Gesamtleiterin der Kita, sei das damals eine ziemlich spannende Entwicklung gewesen: „Denn er war sich seiner sozialen Verantwortung bewusst und hat quasi die erste Betriebskita der Stadt gegründet“, erklärt. Der 1815 geborene Kaufmann, der ein Haushaltswarengeschäft an der Königstraße betrieb, wollte den „verwahrlosten Buben und Mädchen“ in der Möhringer Straße eine Heimat geben, die ihnen ihre Familien – meist Fabrikarbeiter - nicht bieten konnten. Gegründet wurde der Kindergarten zunächst in den Räumen der Möhringer Straße 39, im September 1884 zogen sie um in das neugebaute Haus in der Böheimstraße 58. Unter dem Namen Krippe und Kinderpflege Zoar – hebräisch für Zuflucht – wurden auch Kinder in Obhut genommen, deren Eltern vorübergehend nicht für sie sorgen konnten.

Die Zeiten haben sich geändert und der Gedanke Romingers, der heute noch über allem schwebt, wird um ein wichtiges gesellschaftliches Thema erweitert: Als freier Träger bekenne man sich zu den christlichen Werten, doch sei egal welche Herkunft, welchen Glaube, welches Geschlecht jemand habe. „Wir möchten den Stadtteil in seiner Vielfalt zu uns hereinholen“, ergänzt Tanja Renkl-Evers. Der Sozialmanagerin sei neben der kulturellen Vielfalt auch wichtig, dass Barrieren abgebaut werden. So habe sich die Kita auch seit knapp 2,5 Jahren das Thema der Inklusion auf die Fahnen geschrieben. Demnach kommen in der Rominger Kita Kinder mit und ohne Behinderung oder Entwicklungsverzögerungen zusammen. Insgesamt gehen 140 Kinder in zehn Gruppen in die Kindergarten - es gibt acht Kita-Gruppen für die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen und zwei Krippengruppen für Kinder von null bis drei Jahren. Ende des Jahres soll eine neunte Kita-Gruppe hinzukommen. „Dies können wir durch interne Umbauarbeiten ermöglichen“, erklärt Wittmann. Ohne Spenden und Zuschüsse wäre auch das nicht möglich.

Schließung abgewendet

Das war schon immer so - zum Beispiel auch nach dem Zweiten Weltkrieg: Nach einem Luftangriff im Juli 1944 war das Gebäude nicht mehr nutzbar. Erst durch das Sammeln von Spenden konnte im Jahr 1954 mit dem Neubau begonnen werden. In den 70er Jahren kam das Nebengebäude dazu. Seitdem wurde die Einrichtung immer wieder saniert – momentan wird ein verrosteter Träger im Eingangsbereich ausgetauscht. Dank einer groß angelegten Grundsanierung inklusive Erweiterung vor fünf Jahren konnte „die Rominger“ eine Schließung abwenden. Damals wurden rund zwei Millionen Euro investiert – es ging vor allem um den Brandschutz.

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