Anna Härle und Robert Samtner sind im Glück: Seit wenigen Wochen sind sie zu dritt. Foto: Leonie Schüler

Die wenige Woche alte Paula ahnt noch nicht, dass ihre Geburt vielleicht eines Tages jemandem das Leben retten kann. Ihre Eltern haben das Nabelschnurblut einlagern lassen. Eine Ärztin der Filderklinik erklärt, was das besondere Blut leisten kann – und was nicht.

Bonlanden/Fasanenhof - Statt Strampelanzügen und Babysöckchen haben sich Anna Härle und Robert Samtner von ihren Eltern etwas anderes zur Geburt ihres Babys gewünscht: einen Zuschuss zur Nabelschnurblutspende. In dem Blut sind Stammzellen enthalten, die Menschen helfen können, bei denen die eigenen Stammzellen nicht richtig funktionieren oder von Krebszellen verdrängt werden, wie es beispielsweise bei Blutkrebs der Fall ist.

Mit einem speziellen Karton mit allen nötigen Utensilien kamen die werdenden Eltern vor wenigen Wochen im Kreißsaal der Filderklinik an. Nachdem der frischgebackene Papa die Nabelschnur durchtrennt hatte, entnahm das Hebammen-Ärzte-Team daraus das Blut und sendete es an die private Stammzellenbank, die die jungen Eltern gewählt hatten. Der Vorgang habe „überhaupt nicht gestört“, sagt Anna Härle. „Das Baby liegt einem auf dem Bauch, da kriegt man alles andere gar nicht mit.“

Nabelschnurblut wird eingelagert

Die jungen Eltern haben sich zu der Spende entschlossen, nachdem sie immer wieder von Aufrufen zu Stammzellspenden gehört hatten. Auch Anna Härle und Robert Samtner sind bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registriert. „Wir sind dann darauf gekommen, dass man über Nabelschnurblut genauso Stammzellen spenden kann“, sagt die junge Mutter. Einziger Unterschied: Während bei Typisierungsaktionen gezielt nach einem passenden Spender gesucht wird, der dann kontaktiert wird, werden die Stammzellen aus der Nabelschnur eingefroren, um vielleicht irgendwann irgendwem zu helfen. Auf die Datenbank wird weltweit zugegriffen.

Da im Umkreis vom Fasanenhof, wo die kleine Familie lebt, keine Klinik mit der DKMS-Nabelschnurblutbank kooperiert, musste die Wahl auf einen privaten Anbieter fallen. Im Unterschied zu öffentlicher Nabelschnurblutspende, die kostenlos ist, müssen Spender dort viel Geld für das Einlagern des Blutes bezahlen: Rund 1000 Euro für den Erstaufwand, dann 120 Euro pro Jahr für die Lagerung. Die kleine Paula könnte, falls nötig, selbst auf ihre Stammzellen zurückgreifen – oder ein passender Empfänger bekommt sie, wenn Paulas Eltern zustimmen. In diesem Fall wird das bezahlte Geld rückerstattet.

Warten auf den wissenschaftlichen Fortschritt

Anna Härle und Robert Samtner kommt es weniger auf die Absicherung ihrer Tochter als auf die Spende an. Denn: „Noch kann man mit Stammzellen nicht ganz so viele Krankheiten heilen, wie es die privaten Anbieter versprechen“, sagt Anna Härle. „Eigentlich ist es eine Wette auf die Zukunft und auf den wissenschaftlichen Fortschritt.“ Und ihr Partner ergänzt: „Wir haben die Hoffnung, dass wir mit der Spende jemand anderem helfen können.“

Die Beauftragte für Nabelschnurblutspende an der Filderklinik, Dr. Sophie Studer, ist dafür zuständig, alle Kollegen regelmäßig zu schulen, damit bei einer Spende alles reibungslos abläuft. Besonders häufig komme es im Haus aber nicht vor: In den vergangenen fünf Jahren sei das Blut circa 50-mal gespendet worden. Restlos überzeugt ist Studer nicht davon. Denn bei einer Spende könne die Nabelschnur nicht auspulsieren. „Wir sind der Meinung, dass das für das Kind wichtig ist. Es ist wie eine Transfusion von der Mutter“, sagt die Assistenzärztin. Allerdings gebe es Fälle, bei denen das Nabelschnurblut kontraproduktiv für das Baby sei, etwa wenn die Mutter an Schwangerschaftsdiabetes leide. In so einem Fall spreche nichts gegen das Punktieren der Nabelschnur. Denn außer Frage stehe: „Es ist ein sehr wertvolles Blut.“

Hilfe für Verwandte

Von der Einlagerung für das Baby selbst hält Studer wenig, denn das Heilen von Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, mit dem private Anbieter werben, sei noch experimentell. Und auch bei Blutkrebs sei der Heilungseffekt oft besser, wenn fremde Stammzellen zugeführt werden. Sinn ergebe das Gewinnen von Nabelschnurblut hingegen, wenn Familienmitglieder erkrankt seien. „Bei Geschwistern hat man eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Stammzellen passen.“

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