Martin Rivoir ist kulturpolitischer Sprecher der SPD im Stuttgarter Landtag Foto: /SPD

Am Dienstag, 5. November, will der Verwaltungsausschuss der Staatstheater Stuttgart Beschlüsse für die Sanierung des Opernhauses und die Erweiterung des Staatstheater-Areals fassen. Was sagt die SPD dazu?

Stuttgart - Seit Jahren überfällig – und nicht zuletzt von Nils Schmid als SPD-Finanz- und Wirtschaftsminister im ersten Kabinett von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) von 20111 bis 2016 vorangetrieben, soll die Sanierung des Opernhauses Stuttgart und die Erweiterung des Staatstheater-Areals um 10400 Qua­dratmeter Nutzfläche für das mit 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern größte Dreispartenhaus (Oper, Ballett, Schauspiel) nun Realität werden. Was sagt die SPD im Stuttgarter Landtag, dazu? Martin Rivoir, kulturpolitischer Sprecher, vermisst städtebauliche Bezüge.

Herr Rivoir, Ihre Fraktion beobachte die Planungen der Großprojekte Sanierung Staatstheater Karlsruhe und Stuttgart sehr aufmerksam. Jetzt soll am 5. November für Stuttgart der Interimstandort Wagenhallen fixiert werden – bei Kosten von deutlich mehr als 100 Millionen Euro. Sieht die SPD-Fraktion diese Ausgaben ausreichend begründet?

Wir sehen keine Kritikpunkte beim Projekt in Karlsruhe. Dort läuft es unter der Führung des dortigen Oberbürgermeisters konstruktiv und zielgerichtet. Als Land hat man den Eindruck, dass man dort als Partner willkommen ist. Die Standortwahl für das Stuttgarter Interim ist Sache der Stadt Stuttgart. Alle Bemühungen unsererseits, als parlamentarische Vertreter des Landes frühzeitig eingebunden zu werden, sind abgeschmettert worden. Deshalb können wir zur Zeit vor der Verwaltungsratssitzung nichts zur Sinnhaftigkeit des Standorts Wagenhallen sagen.

Staatstheater-Areal nicht losgelöst vom Thema Kulturquartier sehen

Mit welchen Forderungen begleitet die SPD-Fraktion im Landtag den Fortgang der Planungen in Stuttgart?

Es muss jetzt endlich entschieden werden, wo das Interim hinkommt. Und das Interim muss einen möglichst hohen Anteil an weiterverwertbaren Gebäudeteilen haben. Leider wurde unser Vorschlag zur Erstellung eines Interims, welches später zum Beispiel als Konzerthaus genutzt werden kann, nie wirklich ernsthaft geprüft. Wichtig ist uns auch, dass die Pläne zur Sanierung der Oper und dem notwendigen Interim nicht losgelöst gesehen werden zu den Planungen rund um ein Kulturquartier entlang der Konrad-Adenauer-Straße aber auch hin zum Abriss und Neubau der Königstraße 1 bis 3.

„Wir erwarten ein deutliches Engagement der Wirtschaft“

Sind die anstehenden Kultur-Großprojekte (etwa Sanierung und Erweiterung Staatstheater Karlsruhe und Stuttgart, Sanierung und Erweiterung Kunsthalle Karlsruhe, Weiterentwicklung der Infrastruktur Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe überhaupt eine genuin öffentliche Aufgabe? Erwartet die SPD-Fraktion mehr bürgerschaftliches Engagement?

Diese Projekte sind gerade in der heutigen Zeit genuin öffentliche Aufgaben. Allerdings erwarten wir auch ein deutliches Engagement der Wirtschaft. Denn die Qualitätskultur, die an den genannten Häusern geboten wird, ist ein wichtiger Standortfaktor, insbesondere bei der Gewinnung von Fachkräften in Konkurrenz zu anderen Standorten wie Berlin, Hamburg oder München.

Welche Schritte fordert die SPD-Fraktion für die parlamentarische Absicherung der weiteren Planungen für das Staatstheater Stuttgart (zu verhandeln sind ja nun im ersten Schritt unterstellt 60 Millionen Euro als Landesanteil allein für das Interim)?

Es sind ja meines Wissens bereits ca. 200 Millionen Euro im Landeshaushalt für die Sanierung der Oper Stuttgart zurück gestellt. Wichtig ist für uns mit Blick auf das Interim , dass der nachhaltige Anteil an dem Gebäude, der später bei der Stadt Stuttgart verbleibt, auch durch die Stadt Stuttgart bezahlt wird.

„Völlig unzureichende Arbeitsbedingungen“

Und wie sehen Sie die Situation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatstheater Stuttgart im anhaltend schwierigen Zustand im Opernhaus wie auch in den Werkstätten?

Gerade wegen der völlig unzureichenden Arbeitsbedingungen für viele der 1.400 MitarbeiterInnen ist es wichtig, mit der Sanierung der Oper und dem Neubau des Kulissengebäudes so schnell wie möglich zu beginnen. Zu viel Zeit ist verstrichen. Wir erwarten deshalb von der Stadt Stuttgart einen praktikablen und politisch abgesicherten Vorschlag für ein Interim. Dann kann es aus unserer Sicht schnell losgehen.

Die Fragen wurden schriftlich gestellt und schriftlich beantwortet.

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