Lars Klingbeil ist neuer SPD-Fraktionschef. Foto: dpa/Kay Nietfeld

SPD-Chef Lars Klingbeil führt jetzt auch die Fraktion – und erhält dafür ein „ehrliches“, aber eher mäßiges Ergebnis. Für CDU-Chef Friedrich Merz macht das die kommenden Wochen nicht einfacher, kommentiert Hauptstadtkorrespondent Tobias Peter.

Die SPD hat Lars Klingbeil zum Fraktionsvorsitzenden gewählt – und es ist eine gute Entscheidung. Der Niedersachse ist als Parteichef zwar einer der Verantwortlichen für die historische Wahlniederlage der SPD. Andererseits hat Klingbeil im Jahr 2021 auch schon gezeigt, dass er Siege organisieren kann. Mit seiner kommunikativen Art kann er nach innen integrieren. Und er ist einer, der auch außerhalb der Partei Menschen überzeugen kann.

 

Klingbeil ist 47. Dass die Partei ihn nun noch stärker als bislang in eine zentrale Position bringt, zeigt, dass sie schon jetzt an die nächste und übernächste Bundestagswahl denkt. Das ist strategisch klug. Und es ist notwendig, wenn die SPD um ihren Platz als einigermaßen große Mitte-links-Partei kämpfen will.

Einer, der Kompromisse kann

Grundsätzlich kann CDU-Chef Friedrich Merz sich über Klingbeils Wahl freuen. Die SPD kann jetzt geordnet in die Gespräche mit der Union gehen. Vor allem aber gilt: Wer als Sozialdemokrat wie Klingbeil mehrfach mit starken Ergebnissen einen konservativen Wahlkreis gewonnen hat, der kann auch eine Koalition mit CDU und CSU schließen – wenn die Partei ihm den notwendigen Rückhalt für Kompromisse mit einer Union gibt, die nach dem Ende der Ära Merkel ein ganzes Stück konservativer geworden ist.

85,6 Prozent hat Klingbeil bei der Wahl zum Fraktionschef bekommen. Er nennt das „ein ehrliches Ergebnis“ – das trifft soweit zu. Sein Vorgänger Rolf Mützenich hatte stets bessere Resultate. Selbst die umstrittene Andrea Nahles erhielt bei ihrer Wahl im Jahr 2017 rund 90 Prozent. Paradoxerweise ist der Dämpfer für Klingbeil vor allem ein Problem für Friedrich Merz. Denn dieser Dämpfer zeigt, dass sich die SPD nach der Wahl noch finden muss. Und der CDU-Chef wird den Sozialdemokraten gute Angebote machen müssen. Sonst wird es der SPD-Führung am Ende nicht gelingen, Merz zur Kanzlermehrheit zu verhelfen.