Sybille Mack will für sozialdemokratische Werte werben. Foto: Gottfried Stoppel

In Sybille Mack schlägt der Kreisvorstand der SPD eine Quereinsteigerin für die Bundestagskandidatur im Wahlkreis Waiblingen vor.

Fellbach - Es wird eine Art Opfergang für die SPD werden, das hat selbst der Kreisvorsitzende der Partei, Jürgen Hestler, unverhohlen eingeräumt: Sybille Mack, die der Vorstand den Genossen Anfang Februar zur Nominierung als Kandidatin für den Wahlkreis Waiblingen vorschlagen wird, werden selbst in eigenen Reihen keine Aussichten für ein Bundestagsmandat eingeräumt. Dennoch hat die Findungskommission nach der Absage der früheren Landtagsabgeordneten und Ex-Sozialministerin Katrin Altpeter einen kleinen Überraschungscoup mit Aufmerksamkeitsfaktor gelandet: Die 52-jährige Fellbacherin dürfte niemand ernsthaft auf der Rechnung gehabt haben.

Bisher kein Amt in der SPD

Mack ist politische Quereinsteigerin, sie hat bisher keinerlei Funktion in der Partei gehabt, außer dass sie seit fünf Jahren für die SPD im Fellbacher Gemeinderat sitzt. Und dennoch verfüge sie über „eine Vita, die die Geschichte der SPD erzählt“, sagt Jürgen Hestler. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Textilkauffrau, „im Gesellenbrief steht noch -kaufmann“, sagt Mack und lächelt verschmitzt. Die Branche war ihr erstes berufliches Leben, in dem sie schon in jungen Jahren Führungsaufgaben übernommen habe. Nach einer Familienpause schaffte sie 1997 den Wiedereinstieg, bis sie sich mit 37 Jahren und zwei Kindern im Grundschulalter zu einem zweiten Bildungsweg und dem Betriebswirtschaftsstudium für Non-Profit-Organisationen an der Berufsakademie entschied. Sechs Jahre lang übernahm sie danach die Leitung eines Projekts zur Förderung des Übergangs von der Schule zum Beruf beim Kreisjugendrings. Eine „prägende Erfahrung“, die sie für die wirklichen Probleme des Lebens geerdet“ habe, wie Sybille Mack betont. Statt sich über die Vorzüge von Kaschmirjäckchen und Seidenblüschen Gedanken zu machen, sei sie in Kontakt mit sozial benachteiligten Jugendlichen gekommen und damit einer gesellschaftlichen Schicht, zu der es für sie bis dahin keine Berührungspunkte gegeben habe. Auch in ihrer Tätigkeit als Leiterin der Volkshochschule Winnenden, die sie seit 2010 ausfüllt, fühle sie sich nun viel dichter „am Puls der Zeit“ – erst recht durch die zuletzt hinzugekommenen Aufgaben zur Integration von Flüchtlingen.

Haltung für sozialdemokratische Grundwerte

Dass sie sich nun habe überzeugen lassen, für den Bundestag zu kandidieren, begründet Sybille Mack mit der Notwendigkeit, „Haltung für sozialdemokratische Grundwerte“ zu zeigen. Sie sehe einen „enormen Bedarf, die Vielfalt und den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken“. Die Ereignisse im vergangenen Jahr – Brexit, Trump-Wahl und Anschläge – hätten sie darin bestärkt, dafür auch in einem für sie persönlich vermutlich aussichtslosen Wahlkampf zu werben.

Nicht nur das Direktmandat im Wahlkreis Waiblingen wird für die Frau, die es 2011 im zweiten Anlauf ins Fellbacher Stadtparlament geschafft hat, wohl ähnlich unrealistisch sein wie die Aussicht, Bundeskanzlerin zu werden. Aber auch die zuletzt 20 Plätze auf der Landesliste der SPD werden ein kaum erreichbares Ziel sein, wenngleich Jürgen Hestler betont, dass er sich dafür beim Parteitag am 11. März durchaus stark machen wolle. In jedem Fall ist ihr schon jetzt der Dank des Kreisvorsitzenden sicher: „Es ist bewundernswert, dass Sie diese Aufgabe übernehmen will“, sagt Hestler. „Sybille Mack ist jetzt das neue Gesicht der SPD im Remstal.“

Wahlkreis Waiblingen fest in CDU-Hand

Direktmandat
Der direkte Einzug ins Berliner Parlament ist seit Mitte der 1970er-Jahre ein Privileg der CDU. Nur Manfred Wende (zweimal) und Carl Roesch haben es je für die SPD geschafft. Zuletzt holte das Direktmandat Joachim Pfeiffer mit 51,5 Prozent der Erststimmen, Alexander Bauer errang 22,9 Prozent für die SPD. Auch bei den Zweitstimmen lag die CDU (45,7 Prozent) deutlich vor der SPD (20,1).

Landesliste
Dennoch ist der Wahlkreis Waiblingen viele Jahre lang ein gutes Sprungbrett für Sozialdemokraten gewesen. Dies freilich war in erster Linie in der Person von Hermann Scheer begründet. Der Vorkämpfer für erneuerbare Energien wiederum verdankte seine Mandate einer guten Platzierung auf der Landesliste seiner Partei.

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