Direkt gegenüber der Jakobskirche lädt der Eichenkeller zur Einkehr ein. Foto: /Kerstin Dannath

Der Rundweg durch Wendlingens kleinsten Stadtteil Bodelshofen bietet wunderschöne Einblicke ins ländliche Idyll und in die Historie des Orts. Die für Kinderwagen taugliche Runde führt auch quer über einen Golfplatz.

Die Stadt Wendlingen am Neckar besteht aus den drei ehemals selbstständigen Orten Wendlingen, Unterboihingen und dem ehemaligen Rittergut Bodelshofen. Letzteres hat sich seinen eigentümlichen Charme bewahrt. Das heutige Hofgut Bodelshofen wurde ab 1970 schrittweise zum Reiterhof um- und ausgebaut, ab 1995 wurde ein Teil der Ackerflächen zu einem Golfplatz umgewandelt.

 

Abgebrannte Scheune Der Startpunkt der etwa vier Kilometer langen Runde ohne große Steigungen ist der direkt am Flüsschen Lauter gelegene Wanderparkplatz an der Ötlinger Straße. Es geht los über die Brücke in das Hofgut hinein, linker Hand befindet sich die Brandruine der Scheune des denkmalgeschützten Reiterhofs. Sie war im August 2023 komplett abgebrannt, als Ursache wird ein Nagerbiss vermutet. Heute ragen nur noch die rußgeschwärzten Sandsteinmauern der beiden Scheunengiebel in den Himmel. Die Mauern sind mit Pfeilern abgestützt, damit sie nicht umkippen. Die abgebrannte Scheune datierte von 1948, die alten Sandsteine stammen indes von seinen beiden Vorgängerbauten, die am Ende des Zweiten Weltkriegs einem Panzerbeschuss zum Opfer fielen. Unter Denkmalschutz steht das alte Hofgut als Ensemble.

Herberge für Pilger Die Straße macht einen Linksknick, rechter Hand plätschert Wasser in den Jakobsbrunnen. Er wird gespeist vom Käferholzbach. Gestiftet wurde der Brunnen 1993 von der Dorfgemeinschaft Bodelshofen anlässlich der 725-Jahr-Feier. Er symbolisiert einen wichtigen Aspekt der Bodelshofener Geschichte: Einst war das stolze Rittergut mit seiner Jakobs-Kapelle, die heute als evangelische Jakobskirche firmiert, eine bekannte Pilgerstätte auf dem Jakobsweg ins spanische Santiago de Compostela. Das Hofgut diente als Herberge und Raststätte. Besagte Jakobskirche steht nur ein kleines Stück weiter auf der linken Seite. Die urtümliche Dorfkirche mit romanischen Ursprüngen, gotischem Kirchenschiff und später hinzu gekommenem Turm wird ins 13. Jahrhundert datiert. Ein Wandfries aus dem 15. Jahrhundert zeigt im Innenraum die christliche Passionsgeschichte. Genutzt wird das nur 60 Sitzplätze bietende Gotteshaus bis heute. Auch ein kleiner Friedhof ist angegliedert.

Backen wie früher Wieder nur einige Meter weiter steht eines von nur zwei Backhäusern der Stadt Wendlingen. Es wurde 1990 auf Initiative des örtlichen Bürgervereins und der Stadt wiederaufgebaut und wird bis heute genutzt. Auch Auswärtige dürfen nach Anmeldung in dem trutzigen Häuschen backen – das Reisig zum Anfeuern muss aber selbst mitgebracht werden. Es geht weiter leicht bergauf auf der Notzinger Straße, nach dem Ortsschild führt ein asphaltierter Feldweg an einer stattlichen Baumallee entlang. Darunter summt und brummt es munter in blühenden Wiesen. Bald schon beginnt hinter dem Blühstreifen das Gelände des Golfclubs Kirchheim/Wendlingen. Die Golfer grüßen freundlich, ihre Schläger im Wagen hinter sich herziehend.

Die Jakobskirche mit romanischen Ursprüngen und gotischem Kirchenschiff wird ins 13. Jahrhundert datiert. Foto: Kerstin/ Dannath

Auf Schusters Rappen Etwas weiter lädt eine Sitzbank mit schöner Aussicht bis zur Schwäbischen Alb zum Verweilen ein. Eine Infotafel verrät, dass hier der Jakobsweg von Neresheim über Bodelshofen weiter über Rottenburg bis ins ferne Spanien kreuzt. Die markante blaue Tafel mit der Jakobsmuschel kennzeichnet die Stelle. Nur ein paar Meter entfernt der nächste stumme Zeitzeuge: eine mächtige Friedenslinde mit knarzigem Stamm. Das Naturdenkmal wurde 1648 zum Gedenken an das Ende des 30-jährigen Kriegs gepflanzt. Anfang der 2000er Jahre musste aus Sicherheitsgründen die Krone abgenommen werden.

Einkehr beim Golfclub Weiter geht es auf dem Weg mitten durch den Golfplatz. Wohlwollend nimmt der Spaziergänger zahlreiche Mülleimer und Hundekotstationen in regelmäßigen Abständen zur Kenntnis. An der nächsten Kreuzung geht es rechts zum Clubhaus der Golfer. Wer hier ins Restaurant einkehren will, ist aber auch ohne Clubmitgliedschaft willkommen. Montag ist Ruhetag im Restaurant, dafür lockt ein Foodtruck vor dem Gebäude mit Leckereien für den kleinen Hunger und Durst. Zurück zur Kreuzung dem Hauptweg folgend, geht es linker Hand um die Driving-Range herum. Mächtige Brombeerhecken und Haselnusssträucher säumen den Weg. An der nächsten Kreuzung geht es rechts Richtung Nürtingen/Ötlingen. Der Golfclub bleibt zurück. Nun säumen Obstbaumwiesen und Felder den Weg.

Kleine Abkühlung An der nächsten Kreuzung folgt man dem Fahrradschild erneut nach rechts. Das alte Rittergut mit seinen Pferdekoppeln kommt wieder in Sicht, wir nähern uns von der anderen Seite. Auch in Bodelshofen besteht noch mal die Möglichkeit zur Einkehr: Der urige Landgasthof Eichenkeller gegenüber der Jakobskirche bietet von Mittwoch bis Sonntag Gerichte von leicht bis deftig. Und noch ein Tipp zum Abschluss: Wer sich nach der Wanderung die rauchenden Füße abkühlen will, dem sei ein Abstecher zur Lauter empfohlen. Ein Pfad zwischen Reiterhof und Jakobskirche führt direkt zum sandigen Flussufer hinunter. Die Badestelle erfreut sich auch bei Pferde- und Hundebesitzern großer Beliebtheit.