Der Verkehrsminister Winfried Hermann (links mit Sonnenbrille) hat sich die Degerlocher Verkehrsprobleme zeigen lassen. Foto: Sabrina Höbel

Der Autoverkehr im Zentrum von Stuttgart-Degerloch und die mögliche Ansiedlung von Aldi an der Felix-Dahn-Straße sind die großen Themen im Stadtbezirk. Bei einem Rundgang machte sich Verkehrsminister Winfried Hermann ein Bild.

Degerloch - Bei dem Spaziergang durch Degerloch am vergangenen Donnerstag geriet der eine oder andere zeitweise ins Schwitzen. Das lag weniger an sommerlichen Temperaturen, sondern an den hitzigen Diskussionen, die geführt wurden. Verkehrsminister Winfried Hermann lief zusammen mit dem grünen Bezirksbeirat Michael Huppenbauer und mehr als 20 interessierten Bürgern durch die Straßen. Die Grünen wollten ihre Vorschläge zur Gestaltung der Degerlocher Innenstadt kundtun – und stießen dabei nicht nur auf Zustimmung.

„Es war ein lang gehegter Wunsch, mal über den Verkehr in Degerloch zu reden“, sagte der Verkehrsminister. Angeführt hat den Spaziergang Michael Huppenbauer. „Ich werde das dann als kundiger Verkehrspolitiker kommentieren“, so Hermann. Der Marsch führte zu vier Stationen, an denen sich aus Sicht der Grünen verkehrstechnisch etwas tun sollte.

Begonnen hat der Spaziergang an der Epplestraße, der Haupteinkaufsstraße in Degerloch. Beim Thema Verkehr nahmen die Teilnehmer kein Blatt vor den Mund. „Die Buslinie muss raus aus der Epplestraße“, forderte ein Degerlocher. „Die Leute brauchen aber diesen Bus“, entgegnete eine andere Bürgerin.

Die Forderung: Es dürfen keine Parkplätze wegfallen

Die Überlegungen der grünen Partei für die Epplestraße ist es, den Durchgangsverkehr aus der Straße herauszubekommen. Funktionieren soll das in Form eines sogenannten Shared Space. Dort wären Fußgänger, Radler und Autofahrer gleichberechtigt, alle Parkplätze würden abgeschafft. „Es sollte eine bürgerfreundlich gestaltete Fläche sein“, sagte Huppenbauer.

Weiter führte die Tour auf den Parkplatz an der Felix-Dahn-Straße. Seit Längerem steht die Idee im Raum, die Fläche zu bebauen. „Angedacht sind betreutes Wohnen, Altenwohnungen, bezahlbarer Wohnraum, der Umzug der Stadtteilbibliothek und ein Parkhaus“, sagte Huppenbauer. Auch eine Ansiedlung des Discounters Aldi sei immer noch im Gespräch. Das Parkhaus müsste so groß sein, den durch die Bebauung entstehenden Bedarf sowie die 19 Parkplätze, die durch den Shared Space an der Epplestraße verloren gingen, abzufedern. Die Bebauung könne aus Sicht der Grünen zudem nur in Verbindung mit einem neuen Verkehrskonzept für Degerloch stattfinden. Man wolle noch mehr Verkehr unbedingt vermeiden. Das sollen unter anderem 30er-Zonen und Parkraummanagement im Zentrum des Bezirks gewährleisten.

Wie es nun tatsächlich mit dem Parkplatz weitergeht, könne man noch nicht sagen. „Wir haben die Anfrage an die Stadt gestellt, die erarbeitet gerade Konzepte“, sagte Huppenbauer. Eine Antwort werde dem Bezirksbeirat wohl erst im Herbst vorliegen. Dann werde sich auch zeigen, wie viel Fläche die Bebauung einnehmen wird.

Uneinig über die Ansiedlung eines Aldis in Stuttgart-Degerloch

Bei den Bürgern klafften die Meinungen zu diesem Thema erneut auseinander. „Der Discounter wäre im Industriegebiet besser aufgehoben“, sagte einer. „Die einfachen Leute wollen in der Nähe billig einkaufen“, meinte ein anderer.

Die nächste Station des Spaziergangs war der Treffpunkt Degerloch an der Mittleren Straße. Für die schmale Straße wünschen sich die Grünen, wie für das gesamte Gebiet westlich und östlich der Epplestraße, eine Einbahnstraßenregelung. Der Treffpunkt könnte außerdem umziehen. Als neue Heimat käme das alte Wannenbad auf dem Agnes-Kneher-Platz, der Endstation der Tour, in Frage. „Eine Machbarkeitsstudie dazu läuft gerade“, erklärte Huppenbauer. Generell wolle man den Platz nahe des Bezirksrathauses mehr beleben.

Aus dem verkehrspolitischen Spaziergang wurde mehrmals eine verkehrspolitische Diskussion der Teilnehmer. Genau das sei es aber, was er an solchen Veranstaltungen schätze, kommentierte der baden-württembergische Verkehrsminister: „In so einem eher informellen Rahmen kommen die Meinungen der Leute viel mehr heraus“, sagte Winfried Hermann.

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