Mit ihrem schwäbischen Dialekt wurde Joy Beck aus Nürtingen auf Tik Tok und Instagram erfolgreich. Mit ihrem Account möchte sie den Stolz auf ihre Wurzeln nach außen tragen. Fast täglich postet sie Alltagfotos oder kommentiert Nachrichten – und das kommt an.
In einem kurzen Video auf Instagram äußert sich die 29-jährige Joy Beck zu dem Fall, der davon handelt, dass ein Hausmeister in Italien eine Schülerin unsittlich anfasste und daraufhin freigesprochen wurde. Die Begründung des Gerichts: Die Berührung habe nur zehn Sekunden gedauerte. „I würd sage, wir stecket den mol in oi Güllefass und froget den mol wie lang sich zehn Sekunde anfühle könne“, heißt es in dem Video, in dem der schwäbische Ursprung der Verfasserin nicht zu überhören ist. Gepostet hat sie das Video auf ihrem Instagram-Account „Spatze mit Soos“. Nicht nur Sketche und Rezepte, sondern auch Kommentare zu Nachrichten postet sie dort.
Vor sechs Jahren entdeckte die Nürtingerin durch Zufall die Social Media Welt für sich:„Mir wurde die App Tik Tok angezeigt und ich habe einfach angefangen, Videos hochzuladen. Die Reaktionen waren von Anfang an gut.“ Nach einer Weile fing sie an, in ihren Videos mehr zu sprechen – und zu der Begeisterung über die Videos kam die Begeisterung zum Schwabenland dazu: „Die Leute feiern, dass i halt schwätz, wie i schwätz.“ Spatze mit Soos wuchs schnell: Auf Instagram folgen Beck rund 61 000 Menschen durch ihren Alltag, auf Tik Tok sind es fast 130 000. Geplant war das allerdings nicht, denn eigentlich ist die „Schwäbfluencerin“, wie sich selbst nennt, ganz zufrieden mit ihrem Job als Erzieherin.
Leidenschaft statt Ruhm
„Ich war nie darauf aus, bekannt zu werden. Das darf auch nicht das Ziel sein“, sagt die 29-Jährige und erzählt davon, dass sie regelmäßig von Jugendlichen gefragt werde, wie man am schnellsten „fame“, neumodisch für berühmt, wird. Für Beck ist das eine ungesunde Einstellung: „Es geht darum eine Leidenschaft zu entwickeln, in der man aufgehen kann.“ Sie selbst hegt eine ganze Sammlung an Leidenschaften und betont immer wieder, wie wichtig ihr die Vielseitigkeit ist: Sie liebt es zu gärtnern, arbeitet seit diesem Frühjahr als Maltherapeutin, war Stadträtin in Nürtingen, interessiert sich für Nachhaltigkeit, ist gläubig und schreibt Drehbücher für den SWR – und verbringt täglich circa dreineinhalb Stunden an ihrem Handy.
Denn die größte Leidenschaft sieht Beck darin, ihren Followern die Bedeutung ihrer Heimat näherzubringen. Ihr Leben als Schwäbin und ihre Wurzeln spielen in ihren Social-Media-Inhalten eine ebenso große Rolle wie in ihrem Leben jenseits des Handybildschirms: „Schwäbisch schwätzen hat viel mit Identität zu tun.“ Eine Reise nach Afrika habe sie darin bestärkt, mit Stolz auf ihre Wurzeln zu blicken: „Dort sind die Menschen sehr stolz auf ihre Herkunft. Wir sind die einzigen, die das nicht wertschätzen.“
Der Name ihres Accounts war daher schnell gefunden, denn Spätzle mit Soße steht bei Beck ganz oben in ihrer Rangliste der schwäbischen Spezialitäten: „Spatze sind bei mir ein Grundnahrungsmittel – ich liebe Kohlenhydrate.“ Ab und an sind auch die Eltern der Schwäbfluencerin in ihren Videos zu sehen. Dabei erfuhren diese von dem Hobby ihrer Tochter erst, als das Fernsehteam schon fast vor der Tür stand. „Ich hab das erst mal für mich behalten, aber als dann die ersten Drehanfragen kamen, ging ich zu meiner Mama und meinte, ich bräuchte das Wohnzimmer, es kommt ein Kamerateam“, erinnert sich die Erzieherin.
„Leute, die lästern, tun mir leid“
Auf die Unterstützung ihrer Familie kann Beck von Anfang an zählen. Sie selbst sieht sie auch als Inspirationsquelle. Manchmal passiere es sogar, dass sie sagen, mach doch darüber mal ein Video. Bei ihren Freundinnen und Freunden von früher fand sie diesen Rückhalt nicht: Mit zunehmendem Erfolg fingen auch die Lästereien an. „Da merkt man, was so ein Status bei den Leuten bewirkt. Ich bin ja immer noch die gleiche Person“, sagt die 29-Jährige und fügt hinzu, dass sie über so etwas stehe und die Negativität an ihr abpralle. Von ihrer Community bekommt Beck auch hin und wieder negative Kritik. Einmal habe sie jemand in den Kommentaren für die Benutzung von Papptellern kritisiert. „Ich war frisch umgezogen und wollte mich mit einem Essen bei meinen Helfern bedanken“, erklärt Beck, und das habe sie auch der Followerin geschrieben. „Ich bin bereit, Missverständnisse aufzuklären, aber wenn es zu absurd wird, beschäftige ich mich nicht mehr damit.“ Die Kritikerin habe ihr dann zu einem Catering-Service geraten. „Von dem Geld hätte ich direkt eine Umzugsfirma beauftragen können“, sagt Beck – und lacht. Denn in dem was sie tut, ist sie mittlerweile gefestigt: „Leute, die lästern, tun mir leid. Die müssen sehr unzufrieden mit ihrem Leben sein.“ Mit ihrem Vornamen wurde ihr die Lebensfreude quasi schon in die Wiege gelegt. Ihr selbst ist es wichtig, Optimismus zu verbreiten, das Wort „herrlich“ fällt dabei besonders häufig – natürlich mit schwäbischer Betonung.
Schwäbisch auf Instagram und Tik Tok
Einnahmequelle
Joy Beck arbeitet vier Tage in der Woche als Erzieherin. Mit ihren Inhalten auf Social Media verdient sie Geld, auch durch Kooperationen mit Firmen, die die „Schwäbfluencerin“ als Werbemittel sehen. Influencer werden für gewöhnlich pro Post bezahlt. Bei 500 bis 10 000 Followern gelten sie als Micro Influencer und können bereits Geld für Ihre Posts verlangen. Laut Statista zwischen 500 und 1000 Euro etwa. Je bekannter sie sind, sprich je höher ihre Reichweite ist, desto mehr Geld erhalten sie für die Posts.
Schwaben im Netz
Eine der ersten, die mit dem schwäbischen Dialekt im Internet Erfolg hatte, war die Esslingerin Bärbel Stolz, die sich auf ihren Kanälen „Prenzlschwäbin“ nennt. Vor allem durch ihre Videos auf YouTube und Auftritte im Fernsehen wurde sie bekannt. Auf ihrem YouTube-Kanal zählt die gebürtige Esslingerin, die heute in Berlin lebt, 10 000 Followerinnen und Follower.