Auch die Marke mit dem Stern ist vom Branchenumbruch betroffen: Wie Daimler sparen will. Foto: dpa

Daimler setzt bei Kosten zwar den Rotstift an, reines „Kosten-Schrubben“ lehnt Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht allerdings ab. Ein internes Papier erläutert wichtige Punkte einer getroffenen Betriebsvereinbarung.

Stuttgart - Daimler will ohne Jobabbau sparen – das sieht eine Betriebsvereinbarung vor, die bei dem Autobauer ausgehandelt wurde. In einem Doppelinterview mit Daimler-Personalchef Wilfried Porth und Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht, das der Autobauer im Intranet veröffentlicht hat, betont Porth: „Effizienzsteigerung heißt nicht automatisch: Reduzierung von Personal.“ Wichtige Punkte im Überblick:

Kosten

Alle Kosten stehen danach auf dem Prüfstand – fixe und variable Kosten, Sachkosten ebenso wie Personalkosten. Im Fokus stehen beispielsweise Investitionsvorhaben aber auch das Einkaufsvolumen, zudem sollen Reise- und Beraterkosten eingespart werden.

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Ideenbörse

„Ein reines Kosten-Schrubben lehnen wir ab“, sagt allerdings Gesamtbetriebsratschef Brecht. Vielmehr soll es auch eine Ideenbörse geben, bei der sich jeder Beschäftigte einbringen könne, wie die Ergebnissituation verbessert und Arbeitsabläufe optimiert werden könnten. Auch welche neuen und zusätzlichen Tätigkeiten erforderlich seien, um den Wandel voranzubringen.

Insourcing contra Outsourcing

Brecht zu Folge soll geprüft werden, ob ein Insourcing von bestimmten Tätigkeiten im Entwicklungs- und Instandhaltungsbereich wirtschaftlich sein könnte, gleiches gelte für unwirtschaftliche Fremdvergaben. Gleiches gelte aber auch für unwirtschaftliche Eigenfertigung, sagt Personalvorstand Porth „Das können wir uns auf Dauer auch nicht mehr leisten.“

Altersteilzeit

Ein aktives Personalabbauprogramm ist derzeit nicht in Planung. Sofern Beschäftigte durch die Maßnahmen zur Effizienzsteigerung unmittelbar betroffen seien, werde man die Umsetzung sozial verträglich gestalten, so Porth. Das schließe die Weiterbeschäftigung am gleichen Standort und Qualifizierungsmaßnahmen ein. „Wir sind uns mit dem Gesamtbetriebsrat einig, dass derzeit auf ein neues aktives Personalabbauprogramm verzichtet werden kann“, betont Porth. Gleichwohl weitet Daimler die Möglichkeit auf Altersteilzeit aus, sodass mehr Mitarbeiter als bisher früher in Rente gehen können.

Vereinbarung als Auftakt

Die Betriebsvereinbarung gilt rückwirkend zum 1. Juni und nur für die 60 000 Mitarbeiter der indirekten Bereiche, also nicht für die Produktion. Betroffen sind also die Verwaltung, Forschung & Entwicklung ebenso wie die Logistik, Instandhaltung und der Vertrieb. Die Vereinbarung gilt als Auftakt für weitere Schritte, mit denen geregelt werden soll, wie Daimler den weiteren Sparkurs ausgestaltet.

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