Das wird wohl nichts: Auf die ursprünglich geplante Überdachung des Fellbacher Kirchplatzes (hier eine Visualisierung des beauftragten Büros) wird aus Kostengründen verzichtet. Foto: Steinhoff/Haehnel Architekten (cf)

Fellbach muss an allen Ecken und Enden sparen – und nun auch am eigentlich vorgesehenen Dach über dem Kirchplatz. Das reduziert die Kosten für die Neue Mitte um 1,16 Millionen Euro.

Die aktuellen Sparpakete in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) haben es in sich. Schließlich geht es darum, die Ausgaben generell um mehrere Millionen Euro zu reduzieren, damit das zuständige Regierungspräsidium Stuttgart den Etat für 2026 als genehmigungsfähig einstuft. Da müssen etliche Projekte verschoben oder gar ganz aufgegeben werden, was sicher manchen Widerstand auslösen dürfte.

 

Den nächsten Schritt zur finanziellen Fellbacher Gesundschrumpfung gibt es im Gemeinderat am kommenden Dienstagabend, 24. Februar, ab 17 Uhr mit der Haushaltseinbringung durch die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull.

Sparen „bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus“

Schon mehrfach bei den diversen öffentlichen Beratungsrunden hatte die OB offenbart, dass es sich bei diesem Einsparprozess um keine vergnügungssteuerpflichtige Angelegenheit handelt. „Die Konsolidierung unseres Haushalts kostet Kraft und zeigt spürbare Auswirkungen.“ Bei manchen Themen sei man „bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus gegangen“.

Ein Vorhaben, das nun offenkundig beerdigt wird, dürften die meisten in Fellbach allerdings eher unter der Rubrik „Phantomschmerz“ verbuchen – weil ihnen das Projekt bisher ohnehin kaum bekannt war. Es geht um die künftige Neue Mitte, die Fellbach im Zuge der unvermeidlichen Verlegung der Stadtbahn-Endhaltestelle Lutherkirche angehen will. Genauer: Es geht um die ursprünglich geplante Überdachung des Kirchplatzes.

Doch die Überdachung des neu zu gestaltenden Platzes zwischen Lutherkirche und Altem Friedhof wird dem Fellbacher Sparpaket geopfert – denn auch der Bereich Stadtplanung muss seinen Beitrag zu diesem leisten.

Das luftige Dach mit Begrünung war ursprünglich als Ergänzung zur neuen Endhaltestelle vorgesehen. Wegen der benötigten Fläche für die doppelt so langen Triebwagen endet die Stadtbahn der Linie U1 künftig bereits an der neuen Haltestelle am Alten Friedhof, also rund 100 Meter weiter vorne als derzeit. Die großzügige Überdachung des Kirchplatzes hätte künftig den Wetterschutz und die Aufenthaltsqualität verbessert.

Die Stadtbahn, die Lutherkirche und der Kirchplatz – nun doch wohl ohne verbesserten Wetterschutz. Foto: Dirk Herrmann

Weiterhin war es die Idee, durch ein intensiv bewachsenes Dach eine offene Diffusionsfläche für Regenwasser einzurichten und damit eine Regulierung des Kleinklimas als Ersatz für die versiegelte Ersatzfläche des Platzes zu erhalten.

Doch die Stadtverwaltung hat sich nun nach Zulls Ausführungen dazu entschlossen, „eine voll funktionsfähige, gut gestaltete Endhaltestelle mit barrierefreien Zugängen entlang der Mauer des Alten Friedhofs zu errichten, aber auf die Überdachung des Kirchplatzes zu verzichten“. Der Wegfall des Daches entlastet den Haushalt schließlich um mehr als eine Million Euro – die Reduzierung beträgt nach Verwaltungsberechnungen exakt 1,16 Millionen Euro.

Dach ist „wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich“

Der Vorschlag bedeute sicher „eine einschneidende Änderung der Planung“, ergänzte die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. „Doch das Dach gehört nicht zur eigentlichen Haltestelle und ist damit nicht zwingend erforderlich.“ Im Übrigen versprach OB Zull: „Natürlich werden wir aber Möglichkeiten der Beschattung auf dem Kirchplatz vorsehen.“

Der Verzicht auf das Dach löste bei den Gemeinderatsfraktionen kaum negative Gemütswallungen aus – und stieß bei der CDU sogar auf große Zustimmung. Der Fraktionschef Franz Plappert erinnerte leicht süffisant an seinen bereits im Mai 2025 gestellten Antrag, das Dach über dem Kirchplatz nicht zu bauen; das sei eine freiwillige Maßnahme und keine Pflichtaufgabe. „Das kam damals bei der Verwaltung nicht gut an – und stellt heute einen wichtigen Teil der Sparmaßnahmen dar“.

Kein Dach? Kein Problem! Jedenfalls begrüßt auch der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/Freien Demokraten, Martin Oettinger, den Verzicht auf die feste Überdachung für den Kirchplatz. „Aus rein städtebaulicher und gestalterischer Sicht wäre diese sicherlich wünschenswert gewesen. Notwendig jedoch nicht.“

Seine Fraktion setze sich im Übrigen „nicht erst seit heute“ vehement dafür ein, das eine vom anderen zu trennen. „In diesem Zusammenhang stellen wir uns auch die Frage, ob es bei der Planung eine 80-Meter-Komplettüberdachung des Bahnsteiges wirklich braucht.“

Grünen-Stadträtin Beate Wörner offenbarte hingegen eine leicht divergierende Einschätzung: „Für unverzichtbar halten wir dagegen die geplante Überdachung des gesamten Bahnsteigs an der neuen Endhaltestelle. Denn schließlich steht niemand gerne im Regen oder an heißen Sommertagen in der prallen Sonne – wir kennen das ja vom Vorplatz an unserem F3-Bad, wo wir noch immer viel zu wenig Schatten haben.“

SPD-Chef Möhlmann: „Es soll ja nicht Nichts kommen“

Der SPD-Fraktionschef Andreas Möhlmann forderte bezüglich der gesamten Perspektive zur Neuen Mitte: „Wir hätten gerne eine Visualisierung, was dort kommt.“ Denn, so Möhlmann fast im Duktus des Philosophen Martin Heidegger: „Es soll ja nicht Nichts kommen.“

Und wie genau wird dieses „nicht Nichts“, also „das Etwas“ in Bezug auf die Neue Mitte aussehen? Beatrice Soltys sagte Möhlmann Aufklärung zu: In der nächsten öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Klimaschutz und Mobilität (abgekürzt SKM) will die Verwaltung eine sicherlich exquisite Veranschaulichung präsentieren.