Die Präsentation um den schönsten Balkon oder Vorgarten hat eine jahrzehntelange Tradition – diese läuft jetzt aus Spargründen aus.
Wer die Wirtschaft in einer Stadt voranbringen will, hat es in Zeiten weltweiter Krisen, fehlender Finanzmittel und zögernder Kauflust der Konsumenten nicht gerade leicht. Das trifft auch auf Fellbach (Rems-Murr-Kreis) zu. Anette Popp, die Wirtschaftsförderin der Kommune am Fuße des Kappelbergs, hatte in ihrer aktuellen Zwischenbilanz im Verwaltungsausschuss dennoch einige Erfolgsmeldungen der jüngeren Vergangenheit in petto – allerdings auch eher unangenehme Nachrichten, die bei vielen Fellbacherinnen und Fellbachern nicht gerade auf Begeisterung stoßen. Zum Beispiel, was den traditionsreichen Blumenschmuckwettbewerb angeht.
Es geht um Farbenpracht und üppige sommerliche Blütenmeere, um grüne Oasen um ein blühendes Fellbach und um wunderbar geschmückte Balkone – die als Hingucker auch ein besseres Wohlfühlambiente bescheren und eine ansprechende Außenwirkung versprechen. Im vergangenen Jahr gab's nun die 74. Auflage dieses Blumenschmuckwettbewerbs – und es war offenkundig die letzte ihrer Art. Fellbach blüht sicher auch weiterhin, aber beim Wettbewerb handelt es sich um ein Auslaufmodell.
Der 74. Wettbewerb von 2025 war der letzte seiner Art
Seit fast einem Dreivierteljahrhundert haben die Stadt Fellbach gemeinsam mit dem Verein Selbstständiger Gärtner und mit Unterstützung der Obst- und Gartenbauvereine Fellbach, Schmiden und Oeffingen Jahr für Jahr diesen Wettbewerb organisiert. Den Abschluss samt Auszeichnung der prächtigsten Präsentationen der Menschen mit dem „grünen Daumen“ zelebrierte die Stadt am Freitagabend des Fellbacher Herbstes im jeweiligen Oktober unter dem Motto „Blütenzauber“ im prächtig geschmückten Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle.
Im Rückblick unter der Rubrik Tourismus und Marketing erwähnte Popp im Verwaltungsausschuss den auch im Sommerhalbjahr 2025 durchgeführten Wettbewerb, der sich wie gewohnt an alle innerstädtischen Balkon- und Vorgartenbesitzer in Fellbach, Schmiden und Oeffingen richtete. Erneut bewertete eine ehrenamtliche Jury, zu der auch der Kreisgärtnermeister und Fellbacher Stadtrat Peter Schwarzkopf gehört, in zwei Rundgängen die angemeldeten Bepflanzungen.
Rund 310 Teilnehmende waren im vergangenen Jahr mit dabei – nicht ganz so viele wie noch etwa beim 58. Wettbewerb vor 18 Jahren, als sich mehr als 400 Hobbygärtner beteiligten, aber immerhin doch eine imposante Zahl. Der Abschlusswettbewerb war erneut die öffentliche und kostenfreie Abendveranstaltung „Blütenzauber“ im Oktober in der Schwabenlandhalle. Dort wurden die Preisübergaben im Rahmen künstlerischer Auftritte gewürdigt.
Die folgende entscheidende Passage in Popps Auftritt im Gremium stand nicht in den für den Tagesordnungspunkt aufgelegten schriftlichen Erläuterungen. Vielmehr erklärte die Wirtschaftsförderin dann mündlich: „Die Zahl der Teilnehmenden am Fellbacher Blumenschmuckwettbewerb nimmt seit Jahren ab.“ Folge: „Es ist so, dass 2025 der letzte Blumenschmuckwettbewerb war.“ Neben dem offenkundig sinkenden Interesse von Menschen mit grünem Daumen sei dieser Verzicht, der also bereits in diesem Jahr greift, zudem ein Beitrag zur Haushaltskonsolidierung im Zuge der Sparbemühungen zur Sanierung der Stadtfinanzen.
Auch in anderen Bereichen werden anerkannte und beliebte Projekte wegen der prekären Haushaltslage aus der Fellbacher Agenda gekippt. Dies betrifft etwa die Kooperation mit Schulen. So gab's beim Bildungsprojekt unter dem Überbegriff „Create Fellbach“ im Basis-Modul diverse Workshops für Sechst- bis Achtklässler der Auberlen-Realschule, der Hermann-Hesse-Realschule, des Friedrich-Schiller-Gymnasiums und des Gustav-Stresemann-Gymnasiums. Thema: „Ideengenerierung in der digitalen Produktentwicklung mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI)“.
Ein anderes Projekt, ein „Exzellenz-Modul“, richtete sich an besonders talentierte und interessierte Schülerinnen und Schüler aus den 9. und 10. Klassen, um ihre Fähigkeiten in der Produktentwicklung und 3D-Konstruktion zu vertiefen. Popps abschließende Botschaft auch hier: „Eine Fortführung des freiwilligen Projekts ist aufgrund der Haushaltslage nicht vorgesehen. Das betrifft sowohl das Basis- als auch das Exzellenz-Modul.“
Geringe Leerstandsquote in der Innenstadt
Popp hatte freilich auch Erfolgsmeldungen zu verkünden. So gab es zahlreiche Betriebsjubiläen von Fellbacher Firmen mit mehr als 100-jähriger Geschichte, die im Rahmen von Unternehmensbesuchen auch durch die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull aufgesucht wurden. Popp erwähnte zudem das bewährte Format „Wissenstransfer Hoch 3“, um kleinen und mittelständischen Unternehmen kostenfrei Fachwissen zu aktuellen Themen zu vermitteln. Auch das Fellbacher Business-Frühstück erwähnte Popp lobend.
Ebenfalls ein aktuell erfreuliches Zwischenergebnis: Die Leerstandsquote in der Fellbacher Innenstadt, also in den Erdgeschosslagen, beträgt Stand April 2026 lediglich 5 Prozent. Popp: „Der Anteil der leer stehenden Erdgeschossflächen ist damit auf den niedrigsten Wert der vergangenen zwei Jahre gefallen.“ Und eine ebenfalls positive Entwicklung für Freunde von Restaurants und Bars: „Es haben einige neue Gastrobetriebe auch mit Alkoholausschank eröffnet.“