Mit dem Weggang von Pfarrerin Carmen Stamer nach Tamm ist in der evangelischen Kirche in Leonberg die letzte Vorgabe des Pfarrplans 2024 umgesetzt.
Es ist mehr als nur der Weggang einer Pfarrerin. Es ist letztendlich auch das Ende einer Kirchengemeinde, die in den Nachkriegsjahren entstanden ist und sich nun dem Wandel in der Gesellschaft und in der Kirche fügen muss. Nach 19 Jahren als Pfarrerin an der Blosenbergkirche in Leonberg beginnt für Carmen Stamer ein neuer Lebensabschnitt: Ab 1. September wird sie als geschäftsführende Pfarrerin in der Kirchengemeinde Tamm, die rund 4000 Gläubige zählt, tätig sein.
„Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung, verlasse Leonberg aber auch mit Trauer und Wehmut im Herzen. In all den Jahren habe ich mich hier sehr wohl gefühlt“, sagt die scheidende Seelsorgerin. In Dettenhausen geboren und aufgewachsen und nach dem Abitur am Uhland-Gymnasium in Tübingen, hatte sich Carmen Stamer für ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Diakonie Stetten entschieden. „Das war entscheidend: Die bis dahin heile Welt einer Gymnasiastin wurde mit der Problematik von Menschen mit Behinderung, Krankheit und Pflegebedarf konfrontiert. Das hat mich geerdet“, sagt Stamer. Es folgte das Studium der Theologie in Tübingen, Heidelberg und Basel mit dem Examen in Tübingen.
Wieso Leonberg? „Während meines Vikariats in Wurmlingen bei Tuttlingen hat mein Ehemann eine Stelle bei Bosch in Schwieberdingen bekommen, da lag es auf der Hand, sich in der Nähe zu bewerben“, schildert Carmen Stamer. 2008 erfolgte die Investitur zur Pfarrerin. „Am Anfang war das Kirchengebäude mit seiner Architektur gewöhnungsbedürftig, doch bald habe ich es geschätzt, so nah an den Menschen dran zu sein.“
Nichts ist so beständig wie der Wandel und der macht auch vor der evangelischen Kirche in Leonberg nicht Halt. Nach dem Wegzug von Pfarrer Dennis Müller aus Eltingen (die Stelle wurde auf 75 Prozent reduziert), ist der Weggang von Carmen Stamer die letzte Auswirkung des Pfarrplanes 2024. Diese Stelle wurde gänzlich gestrichen, nachdem 2016 die Stadtkirche, die Gartenstadt, die Blosenberg- und die Ramtelkirche zu Leonberg-Nord vereinigt wurden.
Nun eine Allrounderin
„Es war ein zukunftsträchtiger Schritt, ein Zusammenrücken und ein gemeinsames Agieren als Kollegen - es mussten nicht mehr alle alles machen“, sagt Carmen Stamer. Ihre Schwerpunkte waren die Konfirmandenarbeit, die Hospizbegleitung und der Religionsunterricht an der Oberstufe. Die Aufgabenvielfalt des Gemeindepfarramts habe sie gereizt und erfüllt. „Besonders dankbar bin ich für viele gute Kontakte, Beziehungen und Freundschaften. An vielen bewegenden Lebensgeschichten und individuellen Schicksalen durfte ich Anteil nehmen.“
Ihr Weg führt nun nach Tamm im Kirchenbezirk Ludwigsburg. Als geschäftsführende Pfarrerin ist sie eine Allrounderin. „Ich habe mich nach einer Stelle umgesehen, die bewusst etwas anders ist, mit neuen Herausforderungen“, sagt die Pfarrerin. Da sei zum einen die noch dörflich geprägte Struktur der Kirchengemeinde, in der zahlreiche Traditionen gepflegt würden. Zum anderen sei es ein „pfarrplansicheres“ Amt, freut sie sich, nachdem in Leonberg jahrelang Unsicherheit über den Fortbestand der Stelle geherrscht hatte. Nun steht der Umzug in das denkmalgeschützte Pfarrhaus von 1780 an.
Gottesdienste noch bis Jahresende
Der Abschied von Carmen Stamer – und der damit verbundene Wegfall der Pfarrstelle an der Blosenbergkirche – bedeutet, dass die Geistlichen enger zusammenarbeiten müssen. Für ihren Seelsorgebezirk wird zum großen Teil künftig Pfarrer Christopher Zeyher die Ansprechperson sein.
Neu zugeschnitten werden auch die Seelsorgegebiete. Künftig werden die Gemeindeglieder, die in der Römerstraße sowie in der Schwedensiedlung wohnen, zum Seelsorgegebiet von Pfarrerin Rosemarie Ilg gehören. Einige Straßen werden auch dem Seelsorgebezirk von Pfarrerin Elisabeth Nitschke von der Ramtelgemeinde zugeteilt. Das bisherige Gottesdienstangebot in der Blosenbergkirche soll bis Ende des Jahres aufrechterhalten werden. Dann wird neu entschieden.
Keine 60 Jahre hat also die Geschichte der Blosenbergkirche gewährt. Erste Überlegungen für eine Kirche in dem Gebiet gab es bereits im Jahr 1959, eingeweiht wurde sie am 12. November 1967. Erst musste eine Gemeinde zusammenwachsen, denn die meisten hier waren Neubürger, die die Wirren der Geschichte als Flüchtlinge hierher verschlagen hatte.
Es war der Verdienst der Pfarrer und vieler Ehrenamtlicher, dass das gelang. Nun steht die Zukunft des Kirchenbaus in den Sternen.
Abschiedsgottesdienst mit Stehempfang: Sonntag, 14. Juli, 14 Uhr, Blosenbergkirche, Leonberg, Schleiermacherstraße 41.