Von Dezember an gibt es neue und geänderte Busverbindungen im Schurwald und im Raum Eislingen – Eltern in nördlichen Göppinger Stadtteilen sind damit nicht zufrieden.
Erstmals hat der Landkreis Göppingen Busverkehre europaweit neu ausgeschrieben, gleich mehrere neue Linien nehmen jetzt zum 1. Dezember ihren Betrieb auf. Zum gleichen Zeitpunkt baut der Verband Region Stuttgart die Relex-Expressbuslinie X93 Göppingen-Lorch von einem Stunden- zu einem Halbstundentakt aus. Bei der Vorstellung der neuen Verbindungen am Göppinger Bahnhof sagte Landrat Markus Möller: „Die Entscheidung über die Rahmenbedingungen einer europaweiten Ausschreibung der Busverkehre wurde bereits vor meiner Amtszeit in den Kreisgremien getroffen. Sie ist ein wichtiger Schritt, um den ÖPNV im Landkreis langfristig verlässlich und rechtssicher aufzustellen.“
Die Neuerungen greifen von Montag, 1. Dezember, in zwei Bereichen im Landkreis: Neue Verbindungen gibt es im Schurwald im Bereich Göppingen, Rechberghausen, Birenbach, Börtlingen, Wäschenbeuren, Adelberg, Schorndorf und Schwäbisch Gmünd sowie im Bereich Göppingen, Eislingen, Salach und Ottenbach. „Fahrzeitverbesserungen nach Schorndorf, die deutlich aufgewertete Schnellbuslinie X93 nach Lorch, um Beispiele zu nennen, bringen klare Vorteile für die Fahrgäste“, erläuterte Möller.
Gesamter ÖPNV steht unter Kostendruck
Zugleich machte er deutlich, dass der Landkreis Weiterentwicklungen unter zunehmend schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen stemmen müsse. „Der gesamte ÖPNV steht unter erheblichem Kostendruck. Die Betriebskosten der Busunternehmen steigen seit Jahren, und wir müssen als Landkreis zusätzlich erhebliche Mittel aufbringen, um das Deutschlandticket mitzufinanzieren. Das belastet die Haushalte. Deshalb sind wir gezwungen, alle Verkehre sehr effizient zu planen“, konstatierte Möller laut einer Pressemitteilung des VVS.
Änderungen ergeben sich unter anderem im Schülerverkehr, wo aus Kostengründen versucht wird, die Fahrzeuge „möglichst effizient“ einzusetzen. Die laut VVS „im Verhältnis gesehen kleineren Änderungen“ führten aber meist zu Vorteilen an anderer Stelle. In der Praxis könne es beispielsweise vorkommen, dass Schüler auf ihrer Verbindung künftig umsteigen müssen oder etwas weiter als bisher zu Fuß unterwegs sind. „Ohne diese Anpassungen müsste der Landkreis Göppingen den Nahverkehr in der gesamten Fläche zurückfahren. Das will der Landkreis vermeiden“, teilt VVS-Sprecher Niklas Hetfleisch mit.
Änderungen im Schülerverkehr führten zu Protesten
„Ein guter ÖPNV ist und bleibt ein wichtiger Standortfaktor für den Landkreis“, unterstreicht Landrat Möller. Doch die Änderungen im Schülerverkehr haben bereits zu Protesten von Eltern aus Maitis und Lenglingen geführt. Mehrere Haltestellen in Maitis werden künftig zusammengelegt. Eltern befürchten, dass durch das Gedränge an einer einzigen Haltestelle an der Durchgangsstraße gefährliche Situationen entstehen könnten. Auch bemängeln sie, dass die Kinder 20 bis 30 Minuten vor Schulbeginn in Wäschenbeuren ankämen, das Schulgelände so früh aber nicht betreten dürften und dass der Bus nur noch am Marktplatz hält.
„Das hängt auch mit den Sparbemühungen des Landkreises zusammen“, erklärt Jörg-Michael Wienecke, der Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur. Die Erschwernis für manche Schüler bedauert er: „Das ist halt ein Detail, das den Eltern nicht schmeckt, den Schülern nicht schmeckt und auch mir nicht schmeckt.“
Die Kostentreiber seien jedoch die einzelnen Busse – „das können wir uns so nicht mehr leisten“. Jetzt sei der Punkt gekommen, wo die Passgenauigkeit zum Schulbeginn nicht immer gegeben ist. „Das ist nicht erfreulich, aber wenn Hunderttausende Euro gespart werden müssen, sind wir einfach gezwungen.“
Im nächsten Jahr soll es auch einige E-Busse geben
Damit nicht jede einzelne Linie extra vergeben werden muss, wurden Linienbündel geschnürt, in diesem Fall die Bündel 5 und 6. Gefahren werden die Linien auch künftig vom bisherigen Betreiber Omnibusverkehr Göppingen (OVG). „Für uns ist nur die Linie 935 neu. Alle anderen Linien fahren wir heute schon. Unsere Fahrer kennen die Linien also sehr gut. Neu ist neben den Fahrplänen, dass wir voraussichtlich Ende nächsten Jahres gemäß der gesetzlichen Vorgabe einige E-Busse einsetzen werden“, sagt Isidor Frey, Geschäftsführer der OVG. „Aber schon von Beginn an setzen wir auf Busse mit sauberem Kraftstoff.“
Der VVS-Geschäftsführer Jan Neidhardt betonte, wie wichtig es beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sei, dass die Partner gemeinsam planen: „Zusammen haben wir einen Blick aufs ganze System, das macht das Angebot aus, das wir unseren Fahrgästen bieten können. Wir sind sehr zuversichtlich, dass der Start mit der OVG als bekanntem Player gut laufen wird.“
Die Fahrpläne für die neuen Angebote im Landkreis Göppingen sind im Internet auf den Seiten des Verkehrsverbunds Stuttgart unter www.vvs.de abrufbar.
Änderungen und Neuerungen
Schnellbus
Der Relex-Schnellbus X93 nach Lorch wird ausgebaut und ist ab Dezember alle 30 Minuten im Einsatz. Bislang sind die Busse nur alle Stunde gefahren. Die Busse der Linie 931 fahren dann nur noch zwischen Göppingen und Wäschenbeuren. Die Linie 932 nach Schwäbisch Gmünd fährt an Wochenenden künftig im Stunden- statt Zweistundentakt.
Klinikshuttle
Zum 14. Dezember wird der Klinikshuttle von Geislingen zum Alb-Fils-Klinikum eingestellt. Die drei Rider-Fahrzeuge sind künftig ausnahmslos im Kernraum Geislingen und oberes Filstal unterwegs.
Schulen 1
Die Schülerlinien 932A und 934A nach Lenglingen und Börtlingen fahren auf anderen Strecken, zudem sind weniger Busse im Einsatz, dafür fahren größere Gelenkbusse.
Schulen 2
Auch auf der Schülerlinie 941A von Ottenbach, Salach und Eislingen nach Göppingen sind weniger Busse im Einsatz. Dafür fahren Gelenkbusse, die auf geänderter Strecke schneller unterwegs sind, aber nicht mehr das Berufsschulzentrum Öde ansteuern, das geht nur noch mit Umstieg.
Remstal
Die Linie 935 nach Schorndorf fährt nicht mehr über Ober- und Unterberken, die Fahrzeit von Göppingen verkürzt sich daher künftig um 10 auf 35 Minuten.