Der Klinikverbund könnte durchaus die Geburtshilfe im Krankenhaus Leonberg weiter betreiben, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski
Hoch waren im Sommer die Wellen geschwappt, als es nicht nur um die Zukunft der Geburtshilfe im Leonberger Krankenhaus, sondern um den Bestand der kompletten Gynäkologie ging. Die Hebammen liefen Sturm, immerhin haben sie die Federführung im Kreißsaal und bieten damit ein Angebot, das es im weiteren Umland nur noch in Herrenberg gibt, aber auch dort abgeschafft werden soll. In der Gäustadt geht es sogar um die Existenz des kompletten Krankenhauses, das auf der Streichliste steht.
Setzt der Klinikverbund Südwest, der sechs Krankenhäuser im Radius von Leonberg bis Calw betreibt, die Empfehlungen des Gutachterbüros Lohfeldt & Lohfeldt um, kommen in fünf Jahren Kinder nur noch in Böblingen und Nagold zur Welt – zumindest dann, wenn sie in einem Haus des Klinikverbundes geboren werden. Entbindungen in den anderen eigenen Häusern sind nicht mehr vorgesehen: zu teuer, zu aufwendig.
Gewiss: Auf dem Klinikverbund lastet ein unglaublicher Kostendruck, das Jahresdefizit wird mit 70 Millionen Euro angegeben. Das liegt einerseits am komplizierten Finanzierungssystem in Deutschland, in dem sich der Bund und die Krankenkassen, geht es ums Bezahlen, gerne in vornehmer Zurückhaltung üben. Aber die Gründe für das unglaubliche Finanzloch sind auch hausgemacht. 17 Millionen Euro wurden allein für Leasingkräfte ausgegeben. Insider berichten von teuren Geschäftsbereichen innerhalb des Verbundes, die mit dem medizinischen Versorgungsauftrag nichts zu tun haben.
Ein Krankenhaus ist keine Fabrik
Damit ist das entscheidende Wort genannt: Krankenhäuser sind keine Autofabriken oder Chiphersteller, bei denen der Rotstift angesetzt wird, wenn es schlecht läuft. Krankenhäuser gehören zur Daseinsfürsorge – genau wie die Feuerwehr. Sie sind nicht dafür da, um Gewinne zu machen, sondern um eine gute wie breite medizinische Betreuung zu sichern.
Ob dies mit einem knallharten Zentralisierungskurs, wie er dem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vorschwebt, möglich ist, wird von vielen Fachleuten angezweifelt. Für äußerst komplexe Krankheitsbilder gibt es schon heute Spezialkliniken. Die breite Versorgung wird von vielen engagierten Menschen in Pflege und Medizin in kleineren Häusern geleistet, die oft bis an die Belastungsgrenze arbeiten.
Womit wir wieder in Leonberg wären. Die zur CDU gehörende Frauen-Union weist darauf hin, dass die Geburtshilfe im Krankenhaus die Funktion als wohnortnahe Entbindungsstätte erfüllt, als „babyfreundlich“ zertifiziert ist und von Hebammen geleitet wird. Deren Stellen werden von 2025 an komplett über das Pflegbudget refinanziert, den Hinweis auf steigende Personalkosten lassen Jessica Kläber und Elke Meller von der Leonberger Frauen-Union nicht gelten. Zumal ja nicht feststehe, inwieweit die Geburtshilfe in Lauterbachs Krankenhausreform ein Teil der Grundversorgung wird. Leonberg ist auch in Zukunft ein Haus der Grundversorgung.
Einen interessanten Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion bisher nicht erwähnt worden ist, sprechen jetzt die CDU-Frauen an: Die Deutsche Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt für den Fall von Zentralisierungen die Einrichtung sogenannter Satellitenkliniken. Das sind in Abteilungen in kleineren Krankenhäusern, in denen medizinisch unproblematische Geburten – zu 90 Prozent ist dies der Fall – von Hebammen durchgeführt werden. Medizinisches Fachpersonal müsse freilich bereitstehen. All dies wäre im Krankenhaus Leonberg mit seinem Rund-um-die Uhr-Betrieb gegeben.