Verbandspräsident Peter Schneider zu Paydirekt: „Wir kommen spät aus den Startlöchern, aber wir wollen es gut machen“ Foto: dpa

Die Sparkassen in Baden-Württemberg haben sich spät dem deutschen Internet-Bezahlverfahren Paydirekt angeschlossen. Beim Start im November werden deshalb nur wenige Institute dabei sein. 2016 soll sich das ändern.

Stuttgart - Im November will die deutsche Kreditwirtschaft endlich aus ihren Startlöchern kommen und dem US-Bezahldienst Paypal Paroli bieten. Beim Start des deutschen Bezahlverfahrens Paydirekt werden in Baden-Württemberg aber nur wenige Sparkassen dabei sein. Sparkassenpräsident Peter Schneider machte beim Pressegespräch deutlich, dass dies nur der Tatsache geschuldet sei, dass die Sparkassen relativ spät zu dem Projekt dazugestoßen sind. Paydirekt ist das gemeinsame Bezahlverfahren fürs Internet von Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen.

Schneider betonte, dass sich 2016 die Sparkassen in der Breite Paydirekt anschließen werden. „Alle wollen mitmachen. Wir müssen mit voller Wucht gegen Paypal und Co antreten.“ Das Banken-Bezahlverfahren Paydirekt werde einfach zu handhaben und im Datenschutz deutlich überlegen sein. Für die Händler werde Paydirekt „deutlich billiger als Paypal“ sein. Der US-Bezahldienst ist bereits seit mehr als zehn Jahren in Deutschland aktiv.

Sorgen bereitet Schneider der neuerliche Vorstoß aus Europa, die Einlagensicherung zu vergemeinschaftlichen. „Wir sind strikt dagegen“, sagte Schneider und verwies auf die Bilder von Schlangen vor den Geldautomaten in Griechenland. Das habe hierzulande nicht für Unruhe unter den Sparern gesorgt. Die Lage wäre bei einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung aber ganz anders. „Die Mitbürger würden nicht mehr ruhig auf ihrem Sofa sitzen, wenn sie wissen, dort kracht das Bankensystem und im nationalen Sicherungstopf ist kein Geld.“ Bei einer gemeinschaftlichen Einlagensicherung würden die Sicherungstöpfe aus den anderen europäischen Ländern zur Rettung der griechischen Einlagen herangezogen.

Im Halbjahr haben die 53 Sparkassen in Baden-Württemberg Schneider zufolge „Spitzenwerte“ sowohl in der Immobilienfinanzierung wie auch in der Kreditfinanzierung der heimischen Wirtschaft erzielt. Ende Juni hatten die Sparkassen an Unternehmen und Selbstständige Kredite in Höhe von 51,3 Milliarden Euro vergeben. Das Plus von 3 Prozent war der höchste Zuwachs in den vergangenen fünf Jahren.

Je länger die niedrigen Zinsen anhalten, desto mehr drücken sie auf die Ertragslage der Sparkassen. „Ob wir 2016 unser Ergebnisniveau halten können, weiß ich nicht“, räumte Schneider ein. Mit Blick auf die erwartete Zinssteigerung in den USA, sagte der Verbandspräsident: „Wir wünschen uns eine moderate Zinsaufwärtsentwicklung.“ Sollten die Niedrigzinsen noch länger anhalten, drohten „gesamtgesellschaftliche Verwerfungen“. Viele Leute hätten noch nicht realisiert, dass wegen der niedrigen Zinsen auch ihre Betriebsrenten und die Ansprüche aus den Sozialversicherungssystemen, aber auch aus Lebensversicherungen geringer ausfallen. Die Hälfte des Geldvermögens der Bundesbürger liege auf Konten. Bringen diese 2500 Milliarden Euro nur ein Prozent weniger Zinserträge, fehlten den Sparern 25 Milliarden Euro, mit denen sie etwa für die Altersvorsorge gerechnet haben.

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