Regina Wick kocht als Mutter auch selbst regelmäßig mit. Die kochenden Eltern wollen, dass die Kinder am Fanny ein gesundes Schulessen bekommen. Foto: Kraufmann, Adobe-Stock

Die Stadt Stuttgart gewährt acht Gymnasien und einer Realschule keinen Mensa-Zuschuss mehr. Mindestens bei einer Schule droht nun die Schließung der Mensa.

Für neun Stuttgarter Schulen hat das neue Jahr mit einer schlechten Nachricht begonnen: Der Zuschuss für ihre Schulmensen wurde aufgrund des Sparzwangs der Stadt zum 1. Januar gestrichen. Betroffen sind acht Gymnasien und eine Realschule – in den meisten dieser Schulen engagieren sich Eltern, indem sie (mit)-kochen, das Essen ausgeben oder beides tun. Bei mindestens einer der betroffenen neun Schulen droht die Schließung der beliebten und vielgenutzten Mensa, weil man die Kosten nicht anders reinholen könne.

 

Die Schulleitung bittet, den Namen nicht zu nennen, weil die Anmeldungen für die fünfte Klasse anstehen und die Entscheidung noch nicht gefallen ist. Andere weiterführende Schulen in der Umgebung haben auch in Zukunft gesichert eine Mensa. Anerkannte Ganztagsschulen sind nicht betroffen. Bei Ganztagsschulen gehört es zum Konzept, dass sie ein Essen anbieten müssen.

Dass die Entscheidung ab 1. Januar gilt, sorgt für Kritik

Die Schulen hat die Nachricht unvorbereitet getroffen. Man habe gar nicht gewusst, dass die Förderung der Mensa daran hängt, Ganztagsschule zu sein, heißt es aus einem Gymnasium. „Wir hatten bislang nicht die Rückmeldung, dass das zur Debatte steht“, sagt auch die Schulleiterin des Fanny-Leicht-Gymnasiums, Antje Rannert in Bezug auf die Streichung des freiwilligen Zuschusses. An der Fritz-Leonhardt-Realschule ist man ebenfalls „höchst enttäuscht über die derart kurzfristige Streichung der Zuschüsse“, so Schulleiterin Bettina Hofmann und müsse nun die Preise erhöhen.

Die neun betroffenen Schulen sind nach unseren Informationen:

  • das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium
  • das Fanny-Leicht-Gymnasium
  • das Ferdinand-Porsche-Gymnasium
  • das Geschwister-Scholl-Gymnasium
  • das Gottlieb-Daimler-Gymnasium
  • das Johannes-Kepler-Gymnasium
  • das Karls-Gymnasium
  • das Wilhelms-Gymnasium
  • und die Fritz-Leonhardt-Realschule

In den Fördervereinen der betroffenen Schulen ist die Zuschuss-Kürzung aktuell ebenfalls das beherrschende Thema. Die dort engagierten Eltern sind von der Entscheidung genauso kalt erwischt worden. Wie kann man den Ausfall kompensieren? Wie hoch könnte man die Essenspreise überhaupt anpassen? Das wird nun in den Fördervereinen beraten. Negativ stößt vor allem auf, dass die Entscheidung „mit sofortiger Wirkung und komplett“ gilt.

System mit Kocheltern sei „Erfolgsmodell“

Es gebe keine Übergangszeit, um die Finanzierung auf andere Beine zu stellen, kritisiert zum Beispiel der Vorsitzende des Ebelu Vereins des Eberhard-Ludwig-Gymnsiums, Tobias Raible. Auch wenn der Zuschuss freiwillig gewesen sei, „ sollte man sich bei der gegebenen Vertrauensstellung darauf verlassen können, dass die Zahlungen bei laufenden Kosten nicht auf einen Schlag eingestellt werden“. Aus anderen Schulen ist Ähnliches zu hören.

Im Ebelu gibt es eine Pächterin, der Verein hat zudem Hilfskräfte angestellt. Die Eltern kochen hier nicht mit – anders als zum Beispiel am Ferdinand-Porsche-Gymnasium, am Wilhelms- oder am Fanny-Leicht-Gymnasium. In letzterem unterstützen 24 feste Eltern-Kochteams (insgesamt rund 240 Freiwillige) den festangestellten Koch, außerdem gibt es angestellte Hilfskräfte. „Wir haben laufende Verträge“, betont Regina Wick, sie ist zweiter Vorstand im Caféteria-Verein des Fanny.

„Wichtiger Ort des Miteinanders“

Das System mit den Kocheltern sei ein Erfolgsmodell mit langer Tradition, sagt Wick, die Entscheidung der Stadt sei „demotivierend“ für die engagierten Eltern. Schulleiterin Antje Rannert bezeichnet das Eltern-Engagement als „eine der Säulen“ für ihre Schule, das Fanny sei ohne die Caféteria unvorstellbar. Einen ähnlichen Status hat die Mensa am Wilhelms-Gymnasium: diese sei „ein wichtiger Ort des Miteinanders“, so Lisa Schöllhammer, die Vorsitzende des dortigen Fördervereins. Dieser drohe, verloren zu gehen, wenn er für viele Familien unerschwinglich werde.

Die Stadt Stuttgart spart nach Angaben der Pressestelle 228 100 Euro im Jahr mit der Entscheidung – so hoch lagen die jährlichen Mensazuschüsse bisher. Das Schulverwaltungsamt soll den Schulen empfohlen haben, die Essenspreise anzupassen, also diese zu erhöhen. Doch besonders stark anheben könne man die Preise nicht, heißt es aus den Fördervereinen. „Die Möglichkeiten sind da begrenzt, es gibt auch Familien mit wenig Geld“, sagt Tobias Raible. In seinem Förderverein gibt es noch Rücklagen, aber man brauche eine „auf Dauer tragfähige Lösung“.

Holen sich Kinder bald „Fastfood um die Ecke“?

Regina Wick vom Caféteria-Verein befürchtet, dass die Schülerinnen und Schüler sich in Zukunft „Fast Food um die Ecke kaufen“, wenn das Schulessen zu teuer wird. Dabei engagierten sie sich gerade deshalb, damit die Kinder ein gesundes Essen bekommen. Aktuell zahlen die Kinder am Fanny zwischen drei und vier Euro für ein Hauptgericht.

An den betroffenen neun Schulen fragt man sich außerdem, was das Ganze für die Kinder mit Bonuscard bedeutet. Übernimmt die Stadt Stuttgart für sie auch in Zukunft das Essen, auch wenn sie die Preise anheben müssen? Bei einigen Schulen sollen mehr als 100 Kinder mit Bonuscard täglich essen. Die Stadt auf Anfrage versichert, weiterhin die Essenskosten für Kinder mit Bonuscard zu tragen.