Viele finden Spargel zu teuer. Wer bei der Ernte dabei war, versteht jedoch schnell, warum der Preis gerechtfertigt ist, meint unsere Autorin Marie Part.
Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass ein Kilo weißer Spargel der ersten Klasse in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) mehr als 20 Euro kostet, kam mir das zu teuer vor. Dafür bekomme ich ein Kinoticket inklusive Popcorn, einen Tag im Freibad inklusive Pommes am Kiosk oder einen Abend mit Freunden im Biergarten. Ich mag Spargel, aber so viel Geld war er mir damals nicht wert.
Inzwischen sehe ich das anders. Ich war in den vergangenen Wochen mehrmals auf dem Feld, habe mit Landwirten gesprochen und Erntehelfern bei der Arbeit zugesehen. Jetzt halte ich die Aussage, dass Spargel zu teuer ist, für falsch – zumal der Preis im Laufe der Saison stark gesunken ist.
Warum Spargel nicht billig sein kann
Wer einmal gesehen hat, wie Spargel geerntet wird, versteht schnell, warum das Gemüse nicht billig sein kann. Jede einzelne Stange wird von Hand gestochen. Stundenlang arbeiten die Erntehelfer gebückt und mit gekrümmten Rücken auf dem Feld. Es ist eine Knochenarbeit, bei der Schmerzen vorprogrammiert sind.
Phillip Bauerle, ein Spargelbauer aus Fellbach, beschäftigt dafür nur Arbeiter aus Rumänien und Polen – und das aus gutem Grund. Viele von ihnen kennen das Geschäft seit Jahren und wissen, was auf sie zukommt. Deutsche dagegen? Während der Corona-Zeit hat der Produzent versucht, deutsche Erntehelfer einzusetzen – der ausdauerndste hielt gerade einmal zwei Tage durch.
Diese körperlich harte Arbeit muss fair bezahlt werden – das sollte jedem klar sein. Der im Januar auf 13,90 Euro gestiegene Mindestlohn ist da das Mindeste. Dass höhere Löhne auch höhere Spargelpreise bedeuten, wird aber oft übersehen.
Für Essenslieferungen ist Geld da – für Spargel nicht?
Für ein Menü bei McDonald’s oder eine Bestellung beim Essenslieferanten sitzt das Geld oft locker. Hier mal 10 Euro, dort mal 20. Noch 5 Euro Liefergebühr? Gar kein Problem! Bei Lebensmitteln, die direkt vom Bauern um die Ecke kommen, beginnt dagegen schnell die Diskussion darüber, ob der Preis wirklich gerechtfertigt ist.
Natürlich muss es nicht unbedingt Spargel der ersten Klasse sein. Wer weniger ausgeben möchte, kann zu günstigeren Sortierungen greifen. Trotzdem ist das Gemüse dann nicht billig. Aber vielleicht ist das eigentliche Problem nicht der Spargelpreis – sondern unsere Vorstellung davon, was gute Lebensmittel kosten dürfen.