Bei den aktuellen Temperaturen wächst der Spargel nur langsam. Foto: Gottfried / Stoppel

Die Spargelsaison startet unter widrigen Wetterbedingungen. Doch allmählich dürften die Preise der begehrten Stangen sinken. Und: Die Gewinnung von Saisonarbeitern ist wieder einfacher geworden, wie Landwirt Philipp Bauerle aus Fellbach berichtet.

Ein frostig kalter Wind weht über die Felder hinter dem Schmidener Schützenhaus. Selbst Spaziergänger, die seit der Coronapandemie dort zahlreich anzutreffen sind, fehlen bei diesem wüsten Aprilwetter. Aber für die Spargel stechenden Saisonarbeiter ist es ein Tag wie jeder andere. Mit Kapuzen über dem Kopf, dicken, wattierten Jacken, Regenschutz und Handschuhen bücken sie sich stundenlang nach den weißen und grünen Stangen. Reihe um Reihe. Sie müssen dabei dieses Jahr weitere Strecken als sonst zurücklegen. Die Abstände zwischen den reifen Spargelköpfen sind größer als sonst, sie benötigen mehr Zeit, bis sich entsprechend viele Stangen im Handkorb aus Metall stapeln. Dessen Inhalt wird noch auf dem Feld gewogen. Erschwerend kommen die „Bollen“ Erde an den Gummistiefeln dazu.

 

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Spargelstechen ist eine Knochenarbeit. Das wissen die rund 30 Saisonarbeiter aus Polen und Rumänen, die aktuell bei Philipp Bauerle, dem größten Spargelanbauer in der Region Stuttgart, die von Feinschmeckern verehrten und von den Verbrauchern jedes Jahr früher ersehnten Stangen aus der Erde holen. Die meisten dieser Männer und Frauen waren schon in den vergangenen Jahren bei den „Früchtle vom Schmidener Feld“ als Saisonarbeiterinnen und -arbeiter. „Wir kennen sie, und sie kennen uns. Sie wissen genau, wie das Spargelstechen geht“, sagt Philipp Bauerle.

Arbeiter aus der Nähe des Kriegsgebiets

Im Vergleich zu den Vorjahren ist er, was die Saisonarbeiter anbelangt, „relativ entspannt.“ Die Grenzen sind heuer offen. Wer einen aktuellen PCR-Text vorlegt, darf kommen. „Das klappt ganz gut. Bei uns im Betrieb achten wir dann auf den Abstand und führen sporadisch Tests durch“, berichtet Bauerle. Die Saisonarbeiter würden sich schon in ihrem Heimatland organisieren und auf eigene Faust in kleinen Sprintern und in Gruppen anreisen. Er erinnere sich noch an die Jahre, als Corona dies unmöglich gemacht hat und er am Flughafen stand und um Personal betteln musste. Deutsches Personal sei allerdings weiterhin nicht zu bekommen, sagt der Juniorchef. Er habe sich damit abgefunden.

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Die Saisonarbeiter treibt dieses Jahr mehr um als eine gute Ernte. Philipp Bauerle sagt, er fühle mit den Leuten aus Polen und Rumänien, „die in jeder freien Minute an den Handys hängen und bei Verwandten und Freunden die Lage abfragen“. Die meisten von ihnen kommen aus Gebieten, die nur wenige Kilometer vom Kriegsgebiet in der Ukraine entfernt liegen.

Der Krieg habe indirekt auch Auswirkungen auf den Spargelpreis, stellt Philipp Bauerle fest und rechnet vor: Die Energiekosten seien gestiegen, sowohl fürs Waschen der Stangen, als auch für die Heizung der Unterkünfte und den Fuhrpark. Das werde sich auch bei anderen landwirtschaftlichen Produkten niederschlagen. Es zeichne sich auch eine erhebliche Preissteigerung bei Düngemitteln ab.

Spargel wird von nun an billiger

Auch wettermäßig steht die diesjährige Spargelernte bisher unter keinem guten Stern. Am 24. März hat Bauerle seine Leute zum ersten Mal rausgeschickt, seitdem begleiten Graupel, Schnee, Dauerregen, Kälte und zwischendurch sogar nahezu sommerliche Temperaturen die Ernte. Vom Aprilwetter lässt sich der Spargel jedoch nicht schrecken, er wächst – allerdings langsamer. Riesenmengen seien es aktuell noch nicht, relativiert Bauerle. Der Kilopreis bewegt sich seit Tagen und je nach Qualität um die 20 Euro „und wird jetzt immer billiger“. Die Verbraucher scheint er nicht wirklich zu schrecken. Bei frühlingshaftem Wetter steigt erfahrungsgemäß der Appetit auf die weißen und grünen Stangen.

Vor allem der grüne Spargel leidet unter der Kälte, das Angebot ist geringer und der Preis viel höher als beim weißen. „Wir schaffen es mit der Zwei-Lagen-Taktik und dem Folienmanagement, dass die angehäufelte Erde nicht kälter als 14 Grad wird“, sagt Bauerle. Das ist die Wohlfühltemperatur für Spargel. Bauerle setzt keine zusätzlichen Energiequellen ein, „aus Prinzip“, wie er sagt. Deshalb müssen die Spargelreihen immer auf- und wieder abgedeckt werden. Das sei zeitaufwendig. Der feuchte Winter hat dem Spargel insgesamt gut getan. „Die Pflanzen wurden gut versorgt“, sagt Bauerle.

Zufrieden mit Qualität und Absatz

„Wenn ein Feld einmal angestochen ist, dann wächst der Spargel immer nach, dann man muss dran bleiben.“ Im Moment sei das auf den Schmidener Feldern der Fall, die Flächen bei Erdmannshausen kämen erst später dran, so Bauerle. Er sei bisher sowohl mit der Qualität als auch mit dem Absatz zufrieden. Bauerle vermarktet den Spargel selbst in seinen Hofläden, im eigenen Spargelbesen, der seit vergangener Woche wieder geöffnet hat, ist täglich auf dem Großmarkt in Stuttgart und beliefert langjährige regionale Partner im Lebensmittelhandel und in der Gastronomie. „Der Höhepunkt der Saison verschiebt sich jetzt durch das kalte und regnerische Wetter nach hinten“, stellt Bauerle nach den ersten 20 Tagen Spargelernte fest.