Haushaltsbücher helfen dabei, Einnahmen und Ausgaben in den Griff zu bekommen. Verschiedene Apps sind eine Alternative zum traditionellen Notizbuch.
Stuttgart - Wenn die Oma vom Einkaufen nach Hause kam, holte sie als Erstes ein kleines, rotes Büchlein aus der Schublade im Küchentisch und schrieb sehr gewissenhaft auf, wofür sie gerade Geld ausgegeben hatte. Anfangs tat sie das, weil Sparen in der Nachkriegszeit einfach dazugehörte. Später aus Gewohnheit. Und weil sie sehr stolz darauf war, „ihr ganzes Leben nie mehr ausgegeben zu haben, als eingenommen wurde“.
Heute dagegen, wo fast alle Rechnungen und Einkäufe bargeldlos beglichen werden, fehlt vielen ein Überblick darüber, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel Geld am Ende des Monats vom Gehalt tatsächlich übrig bleibt. „Gerade Familien klagen dann oft, dass ihnen unvorhergesehene Ausgaben wie eine kaputte Waschmaschine, eine Autoreparatur oder die Stromnachzahlung das Leben schwer machen“, sagt Mechthild Winkelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Ein Haushaltsbuch dagegen sei für jeden ein sehr effektives Instrument, um einen Überblick über die eigenen Finanzen zu gewinnen. „Denn eine detaillierte Aufstellung lenkt oft den Blick auf vermeintlich geringe Ausgaben, die sich zu erstaunlich hohen Summen zusammenläppern“, sagt Mechthild Winkelmann.
Wie führt man ein Haushaltsbuch?
Von der Kugel Eis über den Wocheneinkauf und die Stromrechnung bis hin zum Urlaub werden alle Ausgaben festgehalten – und das über mehrere Monate. Ihnen werden die Einnahmen gegenübergestellt. Neben dem Gehalt gehören hier auch Dinge wie Kindergeld, Wohngeld oder Geldgeschenke dazu. Am Monatsende wird alles zusammengerechnet und Bilanz gezogen.
Welcher Zeitaufwand ist dafür notwendig?
„10 bis 15 Minuten täglich sollte man dafür schon einrechnen“, sagt Mechthild Winkelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ein Haushaltsbuch zu führen erfordere eine Menge Disziplin. „Aber man entwickelt ein neues Bewusstsein für seine Finanzen und sieht, wo beim Sparen angesetzt werden kann“, sagt Winkelmann.
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Papier, Excel-Tabelle oder App: Was ist besser?
Eben weil das Führen eines Haushaltsbuches jeden Tag Zeit kostet, sollte jeder den Weg gehen, der ihm am bequemsten erscheint. „Wer gern Kassenzettel sammelt und Zahlen schwarz auf weiß überträgt, ist mit der Papiervariante gut bedient“, sagt die Verbraucherexpertin. Dazu kann man einfach ein leeres Heft nehmen oder sich ein Haushaltsbuch im Schreibwarenladen besorgen. Hier sind Rubriken wie „Lebensmittel“, „Urlaub“ oder „Hobby“ bereits vorgegeben. Will man sich das Zusammenrechnen mit dem Taschenrechner am Monatsende sparen, kann man auch eine Excel-Tabelle anlegen. Gewisse Grundkenntnisse in der Tabellenkalkulation sollten dann allerdings vorhanden sein, da man das Haushaltsbuch hier frei gestalten muss.
„Organisiert man seinen Alltag ohnehin sehr elektronisch, ist man mit einer App gut bedient“, sagt Mechthild Winkelmann. Hier dauert zwar das Einrichten etwas länger als bei einem Haushaltsbuch auf Papier, dafür geht das Eintragen danach schneller. Man kann beispielsweise den Kauf von einer Kugel Eis direkt unterwegs eintragen und muss keine Belege sammeln. Manche Apps lassen sich zudem mit dem eigenen Bankkonto synchronisieren.
Welche Apps sind empfehlenswert?
Das lässt sich pauschal nicht sagen, weil auch hier jeder das Programm finden muss, das zu den eigenen Vorlieben am besten passt. Wichtig zu wissen ist, dass kostenlose Apps mit Werbung arbeiten beziehungsweise viele Zusatzfunktionen oft nur über kostenpflichtige In-App-Käufe nutzbar sind. Kostenpflichtige Apps gibt es bereits für wenige Euro.
Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?
Die Vorstellung, dass irgendjemand einen genauen Einblick in die privaten monatlichen Einnahmen und Ausgaben bekommt, die man in seine Haushalts-App tippt, ist unangenehm. Zumindest für die vier Programme, die sich die Stiftung Warentest im Mai 2020 genauer angeschaut hat, gibt es in diesem Punkt Entwarnung: „Kontostände oder Transaktionsdaten wurden nicht an Dritte übertragen“, schreiben die Tester von der Stiftung Warentest. Bei den Datenschutzbestimmungen von „Monefy Pro“ und „Money Manager“ wurden allerdings deutliche Mängel konstatiert, weil diese nur in englischer Sprache vorlagen.
Beispiele für Haushalts-Apps
Monefy Pro
Diese App ist sehr einfach zu bedienen. Einnahmen und Ausgaben werden in übersichtlichen Balken- und Tortendiagrammen dargestellt. Bei jedem Betrag, der gerade ausgegeben wurde, wählt man zwischen „Bar“ oder „Kartenzahlung“ sowie einer Rubrik wie zum Beispiel „Drinks“, „Haustiere“ oder „Rechnung“. Diese Begriffe sind teils recht ungenau, allerdings können auch eigene Rubriken angelegt werden. Kostenpunkt: einmalig 3,49 Euro mit Werbeeinblendungen.
Money Manager
Auch hier ist die Bedienung einfach. Grafische Übersichten und Statistiken werden automatisch erstellt, beispielsweise nach Datum oder nach Kategorien wie „Essen“. Für jede Kategorie kann man ein monatliches Budget festlegen. War man dann beispielsweise öfter als geplant auswärts essen, kann man das sofort sehen. Das Haushaltsbuch lässt sich mit einem PIN-Code verschlüsseln. Kostenpunkt: Die App ist kostenlos. Will man die eingegeben Daten auch am PC anschauen, braucht man dafür eine Vollversion für 4,49 Euro.
Outbank
Hier kann man die Umsätze auf mehreren eigenen Bank- oder Paypal-Konten verfolgen. Allerdings muss man sich ständig neu per TAN authentifizieren, wenn man zwischen App und Konto wechselt. Das ist aber nicht nur bei dieser Haushalts-App ein Problem, seit im Jahr 2019 die neue EU-Bankenrichtlinie in Kraft getreten ist. Auch das Datensendeverhalten von Outbank ist der Stiftung Warentest zufolge kritisch: Outbank sendet in der Android-Version Informationen über den Mobilfunkanbieter an Microsoft weiter. Kostenpunkt: kostenlos.