In der Kita Starenweg in Kornwestheim hilft Einrichtungsleiterin Esther Trippel Roberto Molina beim ersten Kontakt mit den Kindern. Foto:  

Die Stadt Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) wirbt Fachkräfte auf der iberischen Halbinsel an, weil der Markt hier zu wenig hergibt. Dafür wird großer Aufwand betrieben. Die jungen Spanier fühlen sich nach der ersten Woche wohl und wollen lange bleiben.

Die Spanier sind bei der Fußballeuropameisterschaft gerade das Maß aller Dinge. Auch in Kornwestheim feiert man gerade „spanische Wochen“. Drei spanische Erzieherinnen und zwei Erzieher sind derzeit zum Reinschnuppern in der Stadt und haben ihre künftige Arbeitsstellen in den Kitas kennengelernt. Sie wurden von der Verwaltung angeworben. Von Oktober an sollen sie dann in städtischen Kitas anfangen. „Der Fachkräftemangel ist bekannt und keineswegs auf Kornwestheim beschränkt. Mit der Anwerbung spanischer Fachkräfte wollen wir zeigen, dass wir alles unternehmen, die Personalsituation in unseren Kitas zu verbessern“, sagt der Oberbürgermeister Nico Lauxmann.

 

Die Stadt Kornwestheim hat derzeit 17 unbesetzte Stellen in Kindergärten und muss deswegen fünf ihrer mehr als 50 Gruppen geschlossen halten. Neben der nun in Gang gesetzten Anwerbung von Spaniern, bildet die Stadt selbst vermehrt aus. Im pädagogischen Bereich schreibt Kornwestheim jedes Jahr 15 Ausbildungsplätze aus und kann sie laut der Fachbereichsleiterin Birgit Scheurer aktuell auch gut besetzen. Daneben spielt der Quereinstieg eine wichtige Rolle. Fünf Quereinsteiger werden aktuell in den Kitas der Stadt eingelernt.

200 Fachkräfte vermittelt

Auf die Idee, Spanier anzuwerben, kamen die Abteilungsleiterin Kindergärten/Kindertagesstätten Anke Weinreich und die Personalreferentin Natalie Wörner-Rogage über den Kontakt mit dem Unternehmen Apontis, das zum Bildungswerks der baden-württembergischen Wirtschaft gehört. Nach eigenen Angaben hat Apontis seit 2019 schon mehr als 200 pädagogische Fachkräfte aus Spanien gewonnen und an mehr als 30 Träger in Baden-Württemberg vermittelt. Laut Martin Scheel von der Arbeitsagentur Ludwigsburg gibt es im Landkreis derzeit 26 Spanier, die in der Kinderbetreuung tätig sind. Spanien ist deswegen ein begehrtes Ziel für die Personalvermittler, weil es dort eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und gleichzeitig gut ausgebildete Fachkräfte im Bereich Pädagogik gebe, sagt Gabriela Martinez von Apontis. Der Erzieherberuf wird dort per Studium erlernt, die Jobchancen sind aber geringer.

Roberto Molina ist eine von fünf Fachkräften, die nach Kornwestheim kommen. Der 28-Jährige aus Madrid, sagt, dass die Arbeit in Deutschland attraktiv sei. In Spanien sieht das System viel mehr Kinder pro Erzieher vor, außerdem beginne auf der iberischen Halbinsel schon mit drei Jahren ein stark verschultes System für die Kleinen. Da gebe es in Deutschland deutlich mehr Freiheiten. Die erste Woche hat allen fünf Erzieherinnen und Erziehern gefallen. Für Mauri Lloret aus Valencia war erstaunlich zu sehen, wie selbstständig hier schon Zwei- und Dreijährige seien. Auszusetzen haben die Spanier nach den ersten Eindrücken in den Kitas, in denen sie von Oktober an arbeiten sollen, auf Nachfrage nichts.

Paula Martin hat die Kinder in ihrer Kita Starenweg diese Woche kennengelernt. Foto: Stadt Kornwestheim

Lola Ruiz aus Barcelona spricht für ihre Kollegen, wenn sie sagt, dass man sich erhoffe, hier eine berufliche Existenz aufbauen zu können. Die Spanier haben bereits erste Deutschkenntnisse erlangt und sollen sie im Herbst einsetzen und verbessern. Etwa ein Jahr lang dauert es dann, bis sie genug praktische Erfahrung gesammelt haben, um ihre Qualifikation anerkennen zu lassen. Die Begrüßung durch OB und Fachbereichsleiter am Donnerstag war schon mal herzlich. Man baut darauf, dass die jungen Spanier in Kornwestheim eine neue Heimat finden. Auch Eltern hätten sich schon erfreut geäußert, in der Hoffnung, ihre Kleinen lernen so nebenbei eine weitere Sprache. Für die Stadt ist das Ganze nicht billig. 45 000 Euro kostet die Aktion, allerdings profitiere man auch von Fördermitteln, sagt Lauxmann.

Ein Jahr weiter ist man bei evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ludwigsburg. Dort wurden 2023 sechs Spanier für die Kitas angeworben. Vier sind aktuell noch da. „Die Quote ist ok“, sagt Tobias Laufs, der die Gesamtleitung der Kitas inne hat. Die vier seien auch eine Bereicherung, allerdings sei das Verfahren so aufwendig gewesen, dass man aktuell keine weitere Anwerbung plane.