Mariano Rajoy (rechts) ist als Ministerpräsident von Spanien abgewählt, Pedro Sanchez (links) ist der designierte Ministerpräsident von Spanien Foto:  

Wenn es Sánchez mit der Erneuerung Spaniens ernst meint, muss er Neuwahlen ansetzen.

Madrid - Man hätte dieses Ergebnis früher haben können. Im März 2016 wollte sich Pedro Sánchez schon einmal vom spanischen Parlament zum Ministerpräsidenten wählen lassen, aber er bekam keine Mehrheit zusammen. All die kleineren Parteien, die linkspopulistische Podemos, die PNV und Bildu aus dem Baskenland, die katalanischen Separatisten von der ERC und PDeCAT, fanden, dass der Sozialist nicht der richtige Mann sei. Erst die Verzweiflung über den Korruptionsignoranten Mariano Rajoy trieb sie am Freitag in die Arme von Sánchez.  

Spanien ist in die neue politische Phase ohne jede Vorbereitung hereingestolpert

Die gemeinsame Abneigung gegen einen Dritten ist keine gute Basis für eine erfolgreiche Regierungsarbeit. Der Neuanfang, den Sánchez für Spanien verspricht, ist bitter nötig. Aber allein wird er ihn kaum stemmen können. Spanien ist in diese neue politische Phase ohne jede Vorbereitung hereingestolpert. Es gibt kein gemeinsames Projekt der Rajoy-Gegner. Besonders klar ist das in der Katalonien-Frage. Vielleicht vollbringt Sánchez das Wunder und macht aus dem Haufen der an Rajoy Verzweifelten eine Koalition der Reformwilligen. Den Spaniern wäre es zu gönnen. Aber wahrscheinlich ist das nicht.   Wenn es Sánchez mit der demokratischen Erneuerung Spaniens ernst meint, dann setzt er eher früher als später Neuwahlen an. Und bleibt nicht an seinem Posten kleben wie Rajoy.

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