In einem polemischen Streifen wird Romney als "Plünderer" präsentiert, "der den Traum von tausenden Amerikanern und deren Familien zerstört hat". Foto: Spang

Romney versteht es einfach nicht, angemessen mit seinem enormen Reichtum umzugehen.

Der Country-Club-Kandidat hat es wieder getan. Vermutlich weil er nicht anders kann, erklärte Mitt Romney in einem Interview mit CNN, welche Wählergruppe ihm egal ist: “Ich bin nicht besorgt über die ganz Armen”. Warum? “Weil sie ein Sicherheitsnetz haben. Wenn es repariert werden muss, werde ich es in Ordnung bringen.”

Als ihm die Moderatorin die Chance gab, seine Aussage klarzustellen, machte Mitt sein Problem größer. “Sie können sich auf die Reichen konzentrieren – das ist nicht mein Fokus. Sie können sich auf die ganz Armen konzentrieren – das ist nicht mein Fokus. Mein Fokus sind die Amerikaner mit mittleren Einkommen.”

Amerikaner bewundern Landsleute, die es "geschafft" haben

Es dauerte nicht lange, da hagelte es Kritik und Spott über den Multimillionär, der seine Herkunft einfach nicht vergessen machen kann. “Er macht sich mit solchen Sätzen zur Karikatur eines Republikaners”, beschwert sich der einflussreiche konservative Kommentator Erik Erickson. Auf jeden Fall liefert Romney Präsident Barack Obama eine weitere Steilvorlage für den Herbst, falls er der Kandidat der Konservativen wird.

Romney versteht es einfach nicht, angemessen mit seinem enormen Reichtum umzugehen. Dabei bewundern Amerikaner in der Regel Landsleute, die es „geschafft“ haben. Statt ihren Erfolg zu beneiden, hofft jeder der nächste zu sein, den „amerikanischen Traum“ zu erfüllen. Das Problem des Kandidaten ist hausgemacht.

Image des kompetenten Wirtschaftskapitäns

Es fängt damit an, dass Romney versucht, seine privilegierte Herkunft als Sohn eines ehemaligen Gouverneurs von Michigan zu verbergen. Dieser hatte sein Geld an der Spitze des Autokonzerns „American Motors Corporation“ verdient. Seine Eltern nannten ihn zu Ehren des Familienfreunds und Hotelmagnaten J. Willard Marriott „Willard“. Weil das für amerikanische Ohren ein wenig zu vornehm klingt, wählte er für seine politische Karriere eine Abkürzung seines Zweitnamens „Mittens“ als Rufname.

Als Präsidentschafts-Kandidat versucht sich Romney das Image des kompetenten Wirtschaftskapitäns zu geben, der, wie er in seinen Wahlkampfreden sagt, an der Spitze des Investmenthauses „Bain Capital“ 120.000 Arbeitsplätze geschaffen haben will. Eine Einladung an seine Konkurrenten, dieser Behauptung auf den Grund zu gehen.

Kreative Zerstörung und Arbeitsplatzverlust

Romney als Plünderer

Ein SuperPAC, das Newt Gingrich unterstützt, griff den Favoriten um die Nominierung in South Carolina frontal in einem 30-Minuten-Film an. In dem polemischen Streifen (www.kingofbain.com) wird Romney als „Plünderer“ präsentiert, „der den Traum von tausenden Amerikanern und deren Familien zerstört hat“. Ein Kapitalist, der sich im Rahmen der Gesetze, aber außerhalb der Moral bewegt habe.

Romney findet es „bloß traurig, das Republikaner das Geschäft Präsident Obamas betreiben“. Kreative Zerstörung und Arbeitsplatzverlust gehöre nun einmal zum Kapitalismus. Unterm Strich habe er mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet. Das Thema wird die Öffentlichkeit noch lange beschäftigen. Mit Sicherheit lässt sich aber schon jetzt sagen, dass der Kandidat seine Millionen an der Spitze von Bain nicht allein durch das Eingehen von Risiken und harte Arbeit verdiente.

Als mindestens so problematisch für Romney erweist sich die Geheimniskrämerei um sein Vermögen. Obwohl er auf Druck seiner Konkurrenten zwei Jahre an Steuererklärungen veröffentlichte, bleiben frühere Unterlagen unter Verschluss. Vermutlich weil die Steuerrate noch niedriger ist als die Mini-Steuer von 13,9 Prozent, die er auf die 42 Millionen Dollar zahlte, die er in zwei Jahren auf Kapitalerträge zahlte.

Steuerliche Ungleichbehandlung

Damit zahlt der eine Viertelmilliarde Dollar schwere Kandidat prozentual weniger Steuern als Bezieher von Jahreseinkommen zwischen 50. und 75.000 Dollar. Nicht Romneys Millionen, sondern die steuerliche Ungleichbehandlung sind hier der Aufreger. Das gilt umso mehr für die acht Millionen Dollar, die der Kandidat laut Fernsehsender ABC im Steuerparadies der karibischen Cayman Inseln parkte, wo Bain Capital für seine betuchten Kunden 138 geheime Offshore-Fonds aufgesetzt hat. Romney unterhielt auch private Konten in Luxemburg und der Schweiz.

Was dem Kandidaten am allermeisten zu schaffen macht, bleiben aber die Momente, in denen er vom Redeskript abweicht und sich zu unbedachten Äußerungen hinreißen lässt, die Einblick in seine Denke geben. Etwa als er meinte, erhaltene Rede-Honorare von mehr als 370.000 Dollar seien „nicht allzu viel“. Oder Perry eine „10.000-Dollar“-Wette anbot. Oder in dem jüngsten CNN-Interview.

Dass seine Wahlkampfmanager ihm auf die Wahlplakate ein stilisiertes „R“ setzten, das Assoziationen zur Nobelkarosse Rolls Royce weckt, macht die Imagepflege nicht gerade leichter. Beobachter befürchten, Willard Mittens Romney könne bei allem Bemühen einfach nicht anders. Weshalb sein „Reichtums-Problem“ ihm wie ein Mühlstein um den Hals hängen bleiben dürfte.

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