Diagnose des T-Shirts: Design von Reed Krakoff, verkauft in den Luxus-Kaufhäusern Saks oder Bergdorf’s für lockere 990 US-Dollar. Foto: Spang

Der gelbe Vogel auf dem Shirt, das Ann Romney bei einem TV-Interview trug, war nicht zu übersehen.

Der gelbe Vogel auf dem T-Shirt, das Ann Romney während eines Fernsehinterviews im Morgenfernsehen trug, war nicht zu übersehen. Schon gar nicht für Mode-Experten, die zielsicher diagnostizierten: Design von Reed Krakoff, verkauft in den Luxus-Kaufhäusern Saks oder Bergdorf’s für lockere 990 US-Dollar.

Wie bitte? Yup, es fehlt kein Punkt zwischen den beiden Neunen. Fast tausend Dollar für ein Designer-T-Shirt.

Auf Nachfragen der Reporter bestätigte ein Krakoff-Mitarbeiter, die Frau des Kandidaten habe das edle Seidenhemd nicht als Geschenk oder Leihgabe der Firma erhalten. “Wir haben damit nichts zu tun”.

Die Herrschaften lernen einfach nicht dazu

Die Washington Post fragt ketzerisch, “ob Ann Romney ihr 990 Designer-T-Shirt trägt, während sie einen ihrer beiden Cadillacs fährt”. Autsch.

Die Herrschaften lernen einfach nicht dazu. In wirtschaftlich schlechten Zeiten ist es vielleicht nicht so gut, mit einem T-Shirt im Fernsehen vor Millionenpublikum aufzutreten, das mehr kostet als die meisten Amerikaner im Monat für Lebensmittel ausgeben können.

“Nicht besorgt über die ganz Armen”

Zudem ist es nicht das erste Mal, dass der 250 Millionen Dollar schwere Privater seine Taktlosigkeit unter Beweis stellt. Romney

+ bot während einer Vorwahl-Debatte seinem Konkurrenten Rick Perry eine 10.000 Dollar Wette an

+ nannte bei anderer Gelegenheit Rede-Honorare von 370.000 Dollar “nicht allzu viel”

+ meinte in einem Interview mit CNN, er sei “nicht besorgt über die ganz Armen”

+ schlug Eltern vor, ihren Kindern 25.000 Dollar Startkapital für eine Unternehmensgründung zu geben

+ erzählte nebenher von den “zwei Cadillacs” die Ehefrau Ann bei den Ferienvillen der Romney stehen habe

+ drückt seinen Wunsch aus, “Leute, die Dienstleistungen für mich erbringen, feuern zu können”

Und so weiter…

Ann Romney demonstriert nicht gerade Volksnähe

Während das Romneys Team die verbalen Fehltritte des Multimillionärs nur begrenzt kontrollieren kann, hätte es in diesem Fall jede Möglichkeit gehabt, Ann zu erklären, dass sie mit dem 990-Dollar T-Shirt nicht gerade Volksnähe demonstriert. Vielleicht hätte sie es besser First Lady Michelle Obama nachgemacht. Die ging vor nicht allzu langer Zeit im Otto-Normalverbraucher-Kaufhaus “Target” shoppen.

Selbst wenn Präsident Obama und sein Team ihr Versprechen halten und die Kandidatenfrau nicht zum Objekt ihrer Kampagne machen – andere werden es tun. So gesehen dürfte den Romneys das edle Kleidungsstück auch politisch teuer zu stehen kommen.

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