Hinter dieser unscheinbaren Backsteinfassade verbirgt sich die bunte und geheimnisvolle Welt der Märchen. Foto: Christoph Bubeck

Was auf der Bühne Kinderaugen zum Leuchten bringt, lagert fernab des Rampenlichts in einem unscheinbaren Backsteinbau. Echte Kulissen sind für die Musical-Macher von C2 Concerts absolut unverzichtbar.

Langsam gibt das sich öffnende Rolltor den Blick frei auf das, was sich hinter der Backsteinfassade verbirgt: Hier stehen sie alle, die Geschichten und Märchen. Auseinandergeschraubt, zusammengeklappt, auf Bügel gehängt und in Regalen verstaut. Alles hat seinen Platz. Die Lokomotive Emma aus „Jim Knopf“ ebenso wie die mit Glitzerschnee bestäubten Schlosstürmchen von Aschenbrödel, der Ohrensessel von „Scrooge“, die auf Holzplatten gemalte Vegetation vom „Dschungelbuch“ oder der zusammenklappbare Walfisch aus „Pinocchio“. Artig warten sie alle darauf, möglichst bald wieder auf einer Bühne eingesetzt zu werden und Kinderaugen zum Leuchten zu bringen.

Seit 2013 ist C2 Concerts auch Produzent von Kindermusicals

Kindermusicals haben beim Konzertveranstalter C2 Concerts Tradition. „Wir veranstalten Kindermusicals eigentlich schon immer“, sagt Geschäftsführer Christian Doll. „Die Produktionen von Christian Berg waren immer fester Bestandteil des Programms. Angefangen haben wir seinerzeit mit dem ,Dschungelbuch‘.“ Seit 2013 sind er und sein Team dabei nicht nur Veranstalter, sondern auch Produzenten. In diesem Jahr wird in der Adventszeit Scrooge wieder seinen Auftritt haben. Die pittoresken Häuserfassaden des weihnachtlichen Städtchens lehnen im Moment noch beschaulich an den Klinkerwänden. Gegenüber stehen die Perücken der Weihnachtsgeister auf Styroporköpfen im Regal. Sie werden vor ihrem Einsatz nochmals gründlich hergerichtet werden. „Aktuell spielen wir ‚Jim Knopf‘, ‚Das Dschungelbuch‘, ‚Scrooge‘, ‚Drei Haselnüsse für Aschenbrödel‘, ‚Cinderella‘ und ‚Pinoccio‘“, sagt Doll.

Kreativität ist ebenso gefragt wie Genauigkeit

Hier ist alles echt und zum Anfassen. Deswegen bleiben Verschleißerscheinungen hier und da nicht aus. Das weiße Pferd Nikolaus aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ beispielweise hat im Eifer des Geschehens irgendwann ein Ohr verloren, das auf jeden Fall ersetzt werden muss. Dafür funktioniert das Innenleben noch tadellos. Mithilfe einer Fahrradkette und eines Lenkers kann sich das Pferd fortbewegen und seine Mähne schütteln. Ein Bindfaden sorgt dafür, dass sich das Maul öffnen und auch wieder schließen lässt. Ebenso hat der Kürbis aus Pappmaché, aus dem Cinderellas Karosse werden wird, schon ein wenig gelitten. Aber das hat seinen ganz eigenen Charme. Dass hier mit der Hand am Arm gearbeitet wird, zeigt die Kreissäge, die hier im Kulissenlager ebenfalls ihren Platz hat. Und dass es sich bei ihr ganz sicher nicht um Dekoration handelt, davon zeugen die Sägespäne auf dem Boden. Kreativität ist hier ebenso gefragt wie Genauigkeit. Davon erzählen die vielen fantasievollen Kostüme, die dicht an dicht auf Kleiderstangen hängen. Manche sind einer Produktion zugeordnet, andere nicht. Aber Brokatumhänge und Prinzessinnenkleider sind in Märchen ja fast universell einsetzbar, wenn die dazugehörigen Accessoires stimmen. Anders ist das bei den Kulissen. Die sind aus Holz, bunt bemalt und müssen genau zueinanderpassen. Nicht ohne Grund stehen dann auf der Rückseite Hinweise, wo vorne, rechts oder links ist, damit nicht am Ende wieder alles auseinandergeschraubt werden muss. Und weil die riesigen Bretterwände ganz schön schwer sind, sind an vielen unten Rollen angeschraubt, damit sie sich auf der Bühne leichter bewegen lassen.

Der Walfisch lässt sich zusammenklappen

Die Kulissen sind so angefertigt und zusammengestellt, dass sie sich auf unterschiedlich großen Bühnen einsetzen lassen. Deswegen gibt es zum Beispiel den großen, zusammenklappbaren Walfisch aus „Pinocchio“ eine weniger raumgreifende Variante. Bemalte Leinwände etwa lassen sich platzsparend zusammenrollen. So kann man sie in zusammengesteckte Rohre stecken, die sie vor Feuchtigkeit und anderen, möglicherweise schädlichen Einflüssen schützen. „Um in die faszinierende Welt des Theaters abzutauchen, gehören für uns einfallsreiche Bühnenkulissen einfach dazu“, betont Christian Doll. „Sie machen neugierig und lassen den Kindern dennoch den nötigen Raum für die eigene Fantasie.“ Natürlich könne es auch sinnvoll sein, Projektionen einzusetzen – beispielsweise, wenn es sich wegen der Gegebenheiten in einem Theater anbietet oder in manchen Fällen auch gar nicht anders ginge. „Ganz auf Kulissen und Requisiten verzichten wir aber tatsächlich nie“, betont er. „Das würde unserem Verständnis von Theater nicht gerecht werden.“

Hier macht das Publikum die Special-Effects

Gezeigt werden die Kindermusical-Produktionen nicht nur in Stuttgart, sondern deutschlandweit. Gedacht sind sie auf jeden Fall nicht nur für die Junioren, sondern für die ganze Familie. „Gutes Kindertheater auf Augenhöhe mit den Kleinsten, das die Fantasie anregt und zum Lachen, Träumen und Nachdenken bringt, begeistert die Erwachsenen ebenso wie die Kinder“, weiß Christian Doll. „Außerdem kommen bei uns die Special Effects nicht aus der Technikwunderkiste, sondern die Zuschauer machen sie. Mal sind sie der Regen oder eine Fata Morgana, ein anderes Mal der Backgroundchor, oder sie lassen den Glockenturm läuten und vieles andere mehr. So gelingt es, sogar die Zuschauer in den letzten Reihen in die Erzählungen zu integrieren und sie zu begeistern.“

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