CDU-Parteitag Das sind die Stärken und Schwächen der Kandidaten

Von Katja Bauer, Norbert Wallet und Christopher Ziedler 

Wer wird die bisherige CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel beerben: Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn (Mitte) oder Friedrich Merz? Foto: Getty Images
Wer wird die bisherige CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel beerben: Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn (Mitte) oder Friedrich Merz? Foto: Getty Images

Die Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden steht an diesem Freitag an: Für wen werden sich die Delegierten entscheiden? Die Stärken und Schwächen der drei Topkandidaten im Überblick.

Berlin - Acht Regionalkonferenzen, unzählige Interviews, eine Vielzahl von Talkshows - die drei aussichtsreichsten Kandidaten für den CDU-Vorsitz haben einen kurzen und heftigen Wahlkampf hinter sich. Und in einer Sache dürfte sich die heiß umworbene CDU-Basis nun einig sein: Noch nie hatte sie die Wahl zwischen drei so unterschiedlichen Charakteren beim Kampf um den Parteivorsitz. Neben unterschiedlichen Stärken bringen alle drei Kandidaten auch ihre Schwächen mit – wie unser Überblick zeigt.

Jens Spahn – Der Jugendhafte

Positiv

– Das stärkste Pfund, mit dem Jens Spahn wuchern kann, ist sein Alter. Der 38-Jährige kann biografisch glaubhaft für sich in Anspruch nehmen, die Interessen der Jüngeren im Blick zu haben. Das macht ihn glaubwürdig, wenn er im Hinblick auf eine aus seiner Sicht zu üppige Sozial- und Rentenpolitik davor warnt, die Zukunft nachfolgender Generationen durch zu hohe Lasten zu beeinträchtigen. In diesen Fragen kann er als selbst von den Entscheidungen der Politik Betroffener auftreten.

– Ein zentrales strategisches Problem der Christdemokraten ist der Verlust städtischer und akademischer Milieus, der eng mit dem Aufstieg der Grünen einhergeht. Spahn hat wenig vom bräsigen traditionsverhafteten Honoratioren-Duktus, mit dem die CDU vor allem bei jungem akademischem Publikum mit kunterbunten Familienentwürfen und internationaler Orientierung nicht mehr recht ankommt. Spahn ist da absolut anschlussfähig.

– Für alle in der Union, die finden, dass es Zeit ist für einen echten Wechsel statt eines Weiter-so unter anderen personellen Vorzeichen, ist Spahn ein attraktives Angebot. Er hat zwar programmatische Gemeinsamkeiten mit Friedrich Merz, der für einen grundsätzlich neuen Ansatz steht, kann aber wesentlich besser integrieren. Spahn hat als langjähriger Gesundheitspolitiker den Kontakt zum Sozialflügel seiner Partei nicht verloren. Das kommt ihm nun zugute.

Negativ

– Spahn ist wenig beliebt. Das kann man durchaus unfair finden, aber ein Wählermagnet ist er ganz bestimmt nicht. Das zeigt eine Umfrage nach der anderen. Er strahlt die kühle Intellektualität eines Experten aus. Das kommt bei anderen Experten an, aber ein Menschenfänger ist er bestimmt nicht.

– Spahn ist ein junger und damit auch recht unerfahrener Politiker, auch wenn er schon lange im Geschäft ist. Ob er sich schon die Abgebrühtheit angeeignet hat, die nötig sein kann, wenn seine Partei für eine längere Periode im Sturm steht, ob er dann Strategien entwickeln kann, ist eine offene Frage. Er hat sich bisher als Fachpolitiker bewährt. Parteipolitiker, gar Vorsitzender – das ist eine ganz andere Sache.

– Spahn ist niemand, der abwartet. Für das Kohl’sche Aussitzen fehlt ihm alle Geduld. Wenn er ein Problem erkannt hat, geht er es an. So hält er es als Gesundheitsminister. Ob das als Parteichef auch funktioniert, ist zweifelhaft. In einer Partei ist immer manches krumm und schief, und es ist klug, an manchem nicht zu rühren, Unvollkommenheiten auszuhalten und nicht jeden gut eingefrorenen Konflikt neu aufzubrechen, um ihn endgültig klären zu wollen.

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