Nudeln gehen immer – und es müssen nicht unbedingt die teuren Produkte sein Foto: Olly Fotolia

Muss man für schmackhafte Spaghetti viel Geld zahlen? Das hat die Stiftung Warentest herauszufinden versucht. Die Lebensmittelchemikerin Janine Schlenker erklärt, was eine gute Nudel ausmacht

Berlin - Eine Spaghetti gleicht der anderen – wie unterscheiden sich die dünnen Nudeln?
Tatsächlich ist die klassische Spaghetti-Nudel meist 25 bis 26 Zentimeter lang und etwa 1,6 bis 1,7 Millimeter lang. Dennoch gibt es große Unterschiede, sagt die Lebensmittelchemikerin Janine Schlenker, die bei der Stiftung Warentest den Nudel-Test geleitet hat. So gibt es die typischen Hartweizenspaghetti, die nach Grieß schmecken und sich im Mund sehr glatt anfühlen. „Bei den Vollkornvarianten ist das Besondere – und auch das Gewöhnungsbedürftige – der kräftige Geschmack nach Kleie“, sagt Schlenker. Zudem gibt es Nudeln aus Maismehl, die für Menschen geeignet sind, die an Zöliakie leiden und den glutenreichen Hartweizen nicht vertragen. „Diese sind oft trocken und recht körnig im Mund.“ Zumindest bei den Warentestern konnten die beiden glutenfreien Sorten von Lidl und Seitz nicht ganz überzeugen: Sie schnitten befriedigend ab.
Was zeichnet eine sehr gute Nudel aus?
Aromatisch im Geruch und im Geschmack, nicht trocken, nicht klebrig und möglichst glatt im Mund – so beschreibt die Warentesterin Schlenker die perfekte Nudel. „Und natürlich sollte sie mikrobiologisch einwandfrei sein und keine Schadstoffe enthalten.“ Diesen Kriterien entsprachen am ehesten die klassischen hellen Spaghetti K-Classic, der Eigenmarke von Kaufland. Wer mehr Wert auf einen guten Geschmack legt, sollte zur Sorte Mondo Italiano von Netto Marken-Discount greifen. Allerdings war hier die Schadstoffbelastung mit einem Schimmelpilzgift leicht erhöht. Gut schnitten die Nudeln von Barilla, Aldi Süd und Norma ab. Die besten Vollkorn-Spaghetti stammen von Dennree mit Biosiegel. Auch Alnatura hat gute dunkle Nudeln.
Wie kommt es, dass Spaghetti vom Discounter besser abschneiden als die Markenprodukte?
Spaghetti sind Massenware und damit oft Durchschnittsware: „Mehr als die Hälfte der Nudeln, die wir getestet haben, erhielt die Note befriedigend“, sagt Janine Schlenker. Bei jedem zweiten Produkt fanden die Prüfer Luftbläschen oder ungleich lange oder gebrochene Stücke. „Das sind typische Verarbeitungsfehler.“ Die besseren Noten erhielten die Hersteller, die Wert auf gute, schadstofffreie Rohstoffe und eine einwandfreie Verarbeitung legen. „Tatsächlich stehlen die Eigenmarken den großen italienischen Markenherstellern etwas die Show“, sagt Schlenker. Eine Faustregel, die sich nach dem Herstellungsland richtet, lässt sich aber nicht ableiten: Sowohl der Testsieger Kaufland als auch Strauss Innovationen, deren Produkt Pastificio G. Di Martino Spaghetti mit der Note „ausreichend“ bewertet wurde, lässt die Nudeln in Italien herstellen.
Sind Vollkornnudeln gesünder?
Nudeln, die nicht nur aus Grieß, sondern aus vollem Korn bestehen, sind gesünder, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): „Vollkornprodukte sind ernährungsphysiologisch wertvoller. Sie haben einen höheren Vitamin- und Mineralstoffgehalt als Produkte aus Weißmehl, liefern mehr Ballaststoffe und halten länger satt.“
Welche Schadstoffe wurden in den Nudeln gefunden?
Die Stiftung Warentest hat die Nudelsorten auf Pestizide, Wachstumsregulatoren sowie auf Mineralölbestandteile und Schwermetalle geprüft. „Die meisten Spaghetti sind nicht frei von Schadstoffen“, sagt Janine Schlenker. In der Mehrzahl der Produkte wurde das Pestizid Deoxynivalenol (DON) nachgewiesen – am meisten bei den Spaghetti der Marke 3Glocken. Die Mineralölfunde erklären sich durch Verunreinigungen beim Herstellungsprozess: So könnte die Quelle Weißöl sein, ein technischer Hilfsstoff für Maschinen. Stark belastet waren die Nudeln der Marke Bernbacher. Gesundheitlich bedenklich war aber keines der Produkte.
Wie sollte man Nudeln am besten aufbewahren, damit sie ihre Qualität behalten?
Spaghetti halten sich drei Jahre – wenn sie kühl, trocken und fern von Fremdgerüchen gelagert werden. Bei Vollkornnudeln und Eiernudeln sollte die Mindesthaltbarkeit eingehalten werden, aufgrund der tierischen Bestandteile und des höheren Fettgehalts, rät Schlenker.

Den gesamten Test gibt es in der Zeitschrift „Test“ (9/2015) der Stiftung Warentest, die am Freitag erscheint, oder unter www.test.de.

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