14 neue städtische Wohnungen in Nürtingen: Projektleiter Walter Funke, die Architekten Norbert und Moritz, Morgenthaler, OB Johannes Fridrich und Geschäftsführer Bernd Schwartz feiern die symbolische Schlüsselübergabe. Foto: Markus Brändli

In den vergangenen Jahren hat die Stadt Nürtingen (Kreis Esslingen) verstärkt in eigene Sozialwohnungen investiert. Für Neubau und Sanierung wurde ein Eigenbetrieb gegründet.

Dauerhaft günstigen Wohnraum unabhängig von einer Sozialbindung, die nach 15 oder 25 Jahren wieder wegfällt, will die Stadt Nürtingen schaffen. Das ist der erklärte Wille des Gemeinderats. Um das Bauamt von diesen ambitionierten Aufgaben zu entlasten, ist eigens der Eigenbetrieb Stadtentwicklung gegründet worden, der seit Anfang 2025 an dieser wichtigen wohnungspolitischen Zielsetzung arbeitet. Nun wurden zwei Gebäude mit 14 Wohnungen ihrer Bestimmung übergeben – erstmals unter Leitung des Eigenbetriebs.

 

„Der Markt ist sehr verhalten. Wenn sich Bauträger noch interessieren, dann für geförderte Projekte“, erläuterte Bernd Schwartz, der Geschäftsführer des Eigenbetriebs, die Lage beim Wohnungsbau und die Herausforderungen für seine Kommune, in der ähnlich wie im gesamten Kreis Esslingen und in der Region Stuttgart günstiger Wohnraum von immer mehr Menschen händeringend gesucht wird.

Nürtingen investiert viele Millionen Euro in eigene Sozialwohnungen

In den vergangenen vier Jahren hat die Kommune deshalb insgesamt 51 geförderte Wohnungen geschaffen. Dazu zählen neben Neubauten auch Wohnungen aus dem Bestand, die die Kommune saniert hat. Während Sanierungsprojekte beispielsweise in der Nürtinger Hauffstraße noch nicht abgerechnet worden seien, stehen laut Kommune die Kosten für mehrere Neubauten bereits fest.

Demnach sind bisher im Stadtgebiet rund 31 neue Wohnungen gebaut worden, die mit Investitionen in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Das eingangs erwähnte Bauvorhaben „Breiter Weg“ gehört dazu. Während der Bauzeit von etwas über eineinhalb Jahren entstanden in zwei mit Wärmepumpen beheizten und Photovoltaikanlagen ausgestatteten Gebäuden 14 neue geförderte Wohnungen.

Städtisches Bauprojekt „Breiter Weg“: Die beiden Neubauten mit Satteldach stehen am Stadtrand in ruhiger Lage. Foto: Markus Brändli

Die Gesamtkosten für die insgesamt 870 Quadratmeter Wohnfläche betragen nach Angaben der Kommune rund 3,7 Millionen Euro. Für Bernd Schwartz ist es das erste markante Neubauprojekt, das in ruhiger Lage am Stadtrand am Waldfriedhof mit dem Energieeffizienzhaus-Standard 40 realisiert wurde. Der Eigenbetrieb hat das Objekt mit einem Zuschuss in Höhe von 975 000 Euro aus dem landesweiten Förderprogramm Wohnungsbau kalkuliert.

Jeder vierte Wohnungssuchende ist von der Mietkrise betroffen

Weil die Stadt Eigentümerin der beiden Häuser mit Satteldach ist, habe sie das Belegungsrecht, erläuterte Schwartz. Während in die Ein- bis Zweizimmerwohnungen Alleinstehende einziehen werden, stehen auch größere Wohnungen für Familien zur Verfügung. Ein Wohnberechtigungsschein, der Menschen mit geringem Einkommen berechtigt, eine staatlich geförderte Sozialwohnung zu mieten, ist in jedem Fall die Voraussetzung für den Einzug.

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Wie stark inzwischen Einkommen und Mietpreise auseinanderdriften, machte der Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich deutlich, der erklärte, das Problem sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, denn der Anteil der Berechtigten betrage inzwischen rund 25 Prozent der Wohnungssuchenden in seiner Stadt.

Für diesen Standard müsste man auf dem freien Markt 17 Euro Miete pro Quadratmeter bezahlen

Während die ortsübliche Vergleichsmiete für ähnliche Wohnungen wie die im Breiten Weg bei rund 17 Euro pro Quadratmeter liege, berechne die Kommune in diesen geförderten Wohnungen nun 11,42 Euro. Dies entspreche dem gesetzlich verlangten Abschlag von 33 Prozent, erläuterte Schwartz. Ja, das sei nicht billig, meinte eine Interessentin und dafür seien zwei Gehälter notwendig, aber sie freue sich auf den Umzug aus ihrer veralteten Sozialwohnung, wo sie sich auch wegen der lauten Nachbarschaft schon lange nicht mehr wohl gefühlt habe.

Die städtischen Akteure hoffen für die beiden Häuser im Breiten Weg auch auf eine Befriedung mit der Nachbarschaft. Als die Kommune dort zunächst eine Unterkunft für Geflüchtete bauen wollte, wehrten sich Anwohner und initiierten einen Bürgerentscheid, an dem sich im Jahr 2017 allerdings zu wenige Menschen beteiligten, woraufhin die Entscheidung erneut an den Gemeinderat übertragen wurde.