Sieben Auszubildende der Firma Bosch Thermotechnik helfen im Wernauer Seniorenzentrum St. Lukas bei der Betreuung der Bewohner mit. Das einwöchige Austauschprogramm findet jährlich statt.
Sie betreten Neuland. Pascal Bayindir (22) macht ebenso wie Marius Ihring (20) eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Für einen Beruf, bei dem vor allem am Computer gearbeitet wird, haben sich die beiden jungen Männer ganz bewusst entschieden. In der laufenden Woche packen die beiden jedoch mit weiteren Auszubildenden im Rahmen eines jährlichen Austauschprogramms bei der Betreuung der Bewohner von St. Elisabeth mit an. „Das ist schon etwas ganz anderes“, erklärt Bayindir, der beim Kegeln in einem der Wohnbereiche dabei war.
Der Besuch ist auch eine Reise in die deutsche Vergangenheit
Statt programmieren stehen für die Auszubildenden nun vor allem Begegnungen mit Menschen an, die rund siebzig Jahre älter als sie selbst sind. „Die Leute sind sehr nett“, sagt Bayindir. Die Gespräche seien interessant. Manche Senioren berichten aus ihrem Leben, auch aus dem Berufsleben. Für die jungen Auszubildenden, die nicht immer ältere Verwandte haben, ergeben sich dadurch wertvolle Einblicke in die Zeitgeschichte. Viele Bewohner erlebten noch den Zweiten Weltkrieg, wurden im zerstörten Nachkriegsdeutschland erwachsen, ernteten während der Wirtschaftswunderjahre erstmals Wohlstand, erlebten Beginn und Ende des Kalten Krieges und die deutsche Wiedervereinigung. Für junge Menschen, die erst nach der Jahrtausendwende geboren wurden und nun ins Berufsleben einsteigen, muss diese Zeit sehr weit weg erscheinen.
„Nicht jeder hat Oma oder Opa in der Nähe“, erklärt Cornelia Sigmund-Göb. Sie ist die Sozialdienstleiterin des Seniorenzentrums und betreut seit dem Jahr 2011 das Austauschprogramm mit der Fima Bosch Thermotechnik. Aus ihrer Sicht profitieren sowohl die Auszubildenden als auch die Bewohner des Seniorenzentrums von dem einwöchigen Austauschprogramm, das einmal im Jahr stattfindet. „Es ist eine Win-Win-Situation“, findet sie.
Viele Bewohner freuten sich auf die Begegnungen. Die Unterstützung erleichtere außerdem Ausflüge, bei denen viele helfende Hände gefragt sind. Bereits am Montag wurde die Mariengrotte in Wernau besucht, am Dienstag ging es zur Eisdiele in der Ortsmitte und am Freitag ist ein Besuch des Museums von Bosch in Wernau geplant. In der Einrichtung selbst helfen die Auszubildenden ebenfalls mit, beispielsweise beim Unterhaltungsprogramm oder der Essensausgabe. Die zusätzlichen Helfer ermöglichen auch beim Essen besondere Aktionen. So werden beispielsweise frische Waffeln zum Kaffee gebacken.
Junge Menschen werden mit Hilfsbedürftigkeit und auch Tod konfrontiert
Viele der jungen Leute hatten noch keine Erfahrung mit einem Pflegeheim. Ganz einfach ist das nicht immer. Die Arbeit sei auch eine Konfrontation mit körperlichen Einschränkungen, Hilfsbedürftigkeit, Demenz, manchmal auch dem Tod. „Wir klammern nichts aus. Das sind Teile des Ganzen“, so die Sozialdienstleiterin. Deshalb gebe es jeden Nachmittag zum Ende des Tages einen Gesprächskreis. „Die Unterstützung braucht es schon“, sagt Sigmund-Göb.
Die Auszubildenden erfahren bei ihren Tagen im Pflegeheim Dankbarkeit und Wertschätzung. Und es sei nicht allein die praktische Hilfe, die die jungen Leute leisteten. „Die Zeit, die die Auszubildenden widmen, das ist das wertvollste Geschenk“, findet die Sozialdienstleiterin.