Matthias Murjahn beim Probekochen in der Containercity Foto: Eva Funke

Foodsharing Commons Kitchen ist ein Projekt, bei dem nicht mehr verkaufbare Lebensmittel verwendet werden. Die Macher wollen jetzt einen Verein gründen und setzen auf Unterstützung des Bezirksbeirats Stuttgart-Nord.

S-Nord - Matthias Murjahn brennt für die Idee – und zwar so sehr, dass er seinen Beruf nur noch zu 80 Prozent ausübt, um Foodsharing Commons Kitchen bekannter zu machen. Foodsharing Commons Kitchen ist ein Projekt, bei dem nicht mehr verkaufbare Lebensmittel verwendet werden. „Wenn aus Abfall, in diesem Fall Lebensmitteln, ein Gemeingut wird, trägt das zur Bildung von Gemeinschaft bei“, sagt der 37-Jährige Wirtschaftschemiker.

Murjahn und seine Mitstreiter bekommen vom Lebensmittelhändlern in Stuttgart Ware, vor allem Obst und Gemüse, geschenkt. Dann wird gemeinsam gekocht: im Frühjahr und Sommer am festen Standort des Projekts in der Containercity bei der Wagenhalle, im Winter im Stadtteiltreff Veielbrunnen und im Theater Rampe.

Vor etwa zwei Jahren startete das Projekt auf dem früheren Gelände des Kunstvereins Contain’t beim alten Güterbahnhof in Bad Cannstatt. „Damals hat ein Student die Lebensmittel abgeholt. Die wurden dann im Kühlschrank verstaut und keiner hat sich mehr drum gekümmert, so dass sie dann tatsächlich weggeworfen werden mussten“, sagt Murjahn.

Unter der Voraussetzung, dass die Lebensmittel künftig auch gemeinsam zubereitet werden, zusammen der Tisch gedeckt und gegessen wird, hat Matthias Murjahn das Abholen übernommen. Sein Ziel: Im Kleinen mehr Gemeinschaft in einer immer anonymer werdenden Welt zu schaffen. „Nachdem wir vom Gelände in Bad Cannstatt zur Wagenhalle gezogen sind, hat sich das genau in die Richtung entwickelt“, berichtet Murjahn.

Wie der 37-Jährige denkt, macht ein Beispiel deutlich: Als er nach Stuttgart gezogen ist, wurde ihm gesagt, dass er Kehrwoche hat. Er hat daraus eine Carewoche gemacht, also eine Woche, in der er sich um die anderen Bewohner kümmert und überall geklingelt und die Nachbarn gefragt, wie es ihnen geht. Der Hausgemeinschaft hat das gut getan. „Und mit der Kehrwoche klappt’s jetzt auch besser als vorher.“

Mit dem Projekt Foodsharing Commons Kitchen will Murjahn ebenfalls helfen, die Welt im Kleinen ein Stück weit zu verbessern. Mitmachen kann jeder unabhängig von Alter, Einkommen oder Bildung. Zum festen Kern gehören rund 30 Männer und Frauen, etwa 20 kommen nur einmal weitere 30 unregelmäßig. Gekocht wird mit den Lebensmittelspenden. Getränke und zugekaufte Lebensmittel wie Reis, Kartoffeln oder Nudeln werden aus einer Spendenkasse, die bei jedem Treffen aufgestellt wird. Wer mit Gemüse schnippeln, kochen, aufräumen oder abspülen möchte, darf das. „Er muss es aber nicht“, sagt Murjahn. Die meisten übernehmen eine Aufgabe. Wer das nicht will, muss warten bis das Essen fertig ist. Der Effekt ist laut Murjahn, dass „die Leute aus der Rolle der Bedürftigen, derer, die etwas empfangen, raus kommen, und sich als Teil der Gemeinschaft verstehen.

Weil jeder mitmachen kann, hakt es noch mit der geplanten Vereinsgründung, denn es gibt kein Etikett für das Projekt „Mildtätigkeit greift nicht, da wir uns nicht nur an Bedürftige richten. Da wollen wir aber nicht ändern“, sagt er. In der Sitzung des Bezirksbeirats Nord am Montag, 18.30 Uhr, im Kleinen Sitzungssaal im Rathaus stellt Murjahn das Projekt vor. Er hofft, dass das Gremium die Anschaffung einer mobilen Küche bezuschusst, damit die Lebensmittel per Fahrrad zu den Treffpunkten transportiert werden können.

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