Mit Mitteln einer Landesstiftung soll in Vaihingen ein Pilotprojekt gestartet werden. Das Ziel: die Bekämpfung von Sucht im Alter Foto: dpa

Das Pilotprojekt „Trotz Alter“ kommt bei den Bezirksbeiräten nicht gut an. Warum das Thema Suchtprävention ab 55 wichtig sei, konnten auch Vertreter des Gesundheitsamts und der Evangelischen Gesellschaft nicht schlüssig erklären.

Vaihingen - Gegen soziale Projekte hat eigentlich niemand etwas, zumal dann, wenn sie kostenlos zu haben sind. Es ist eben schwer, dagegen zu argumentieren, wenn jemand etwas Gutes tun will, ohne Geld dafür zu verlangen. Dennoch schlug den Vertretern der Stadt und der Evangelischen Gesellschaft (Eva) jüngst die Kritik aus den Reihen des Vaihinger Bezirksbeirats entgegen, als diese ein Pilotprojekt vorstellten. „Trotz Alter – unabhängig mittendrin“ heißt dieses. Dahinter verbirgt sich eine groß angelegte und vorerst auf zwei Jahre befristete Suchtpräventionskampagne für Menschen, die Älter sind als 55. Und verortet werden soll dieses Pilotprojekt in Vaihingen. Losgehen soll es schon Ende November.

Die Mittel kommen von der Baden-Württemberg-Stiftung, machte Annette Faust-Mackensen deutlich, die beim städtischen Gesundheitsamt für das Thema Suchtprävention zuständig ist. Bisher habe man sich vor allem mit dem Aufbau beschäftigt. Es gehe darum, die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. „Die Vaihinger sollen wissen, an wen sie sich wenden können“, sagte sie. Und Stefan Ulrich, der dies vor Ort für die Eva angehen soll, ergänzte: „Die Frage wird sein, welche Projekte wir angehen können und welche Vereine und Institutionen wir einbeziehen.“

Die Ziele der Kampagne bleiben vage

Dementsprechend vage wurden denn auch die Ziele formuliert. Beraten und geholfen werden soll etwa bei Medikamentenmissbrauch, Tabakabhängigkeit, Alkoholismus oder auch jeder anderen Form von Sucht. Es sei aber noch offen, wie das geschehen soll. Hilfsmittel könnten etwa Fortbildungsangebote, Runde Tische und Expertengespräche sein. „Wir sagen nicht, ab sofort ist Abstinenz angesagt. Wir wollen aber darauf achten, dass es beim Genuss bleibt und nicht in die Abhängigkeit abrutscht“, sagte Faust-Mackensen.

Vaihingen hatte sich übrigens nicht als Standort für das Pilotprojekt beworben. Die Entscheidung fiel im Gesundheitsamt. Und zwar deshalb, weil Vaihingen der flächenmäßig größte Bezirk sei, es eine gemischte Bevölkerungsstruktur und unter anderem großzügige Naherholungsgebiete gebe. Was das mit dem Thema Suchtprävention zu tun hat, blieb unklar. Ebenso die dringendsten Handlungsfelder. Die sollen durch eine Sozialraumanalyse ausfindig gemacht werden.

Ehrenamtliche werden in der Flüchtlingshilfe gebraucht

„Ich sehe da ziemlich viel Projektstruktur, aber was das bedeuten soll, ist mir unklar“, sagte Kristin Wedekind von den Grünen und brachte damit auf den Punkt, was den übrigen Lokalpolitikern quasi ins Gesicht geschrieben stand. „Ich weiß nicht, ob die Konzentration auf das Thema Suchtprävention das Richtige ist, wenn es für ältere Menschen noch nicht einmal eine barrierefreie Toilette im Ortskern gibt.“ Zudem kam die Frage auf, warum sich dieses Projekt ausgerechnet an Menschen ab 55 richtet. Irgendwo müsse man ja eine Grenze ziehen, war die Antwort. Jedenfalls gebe es keine Erkenntnisse, dass ab diesem Alter Suchterkrankungen zunehmen würden.

Auch wenn die Kritik fraktionsübergreifend kam, sprach mit Edith Weitbrecht erneut eine Grünenpolitikerin einen weiteren Punkt an. „Wir haben in Vaihingen derzeit drängendere Probleme, und das sind die Flüchtlinge“, sagte sie. „Da brauchen wir die Ehrenamtler.“

Aber wie das eben so ist mit sozialen Projekten, die umsonst zu haben sind, begrüßten letztlich auch die Mitglieder des Bezirksbeirats das Vorhaben der Stadt. Das soll am Dienstag, 24. November, offiziell gestartet werden. Die Auftaktveranstaltung beginnt um 17 Uhr in der Alten Kelter. Fest steht auch, dass es noch in diesem Jahr öffentliche Aktionen in der Schwabengalerie geben soll. Am 3. Dezember dreht sich dort eine Veranstaltung um das Thema Alkoholprävention im Alter und am 8. Dezember geht es um Tabakprävention im Alter.

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