Ayman Hariri von Vero Vom fragwürdigen Bauunternehmer zum Social-Media-Gründer

Von Yannik Buhl 

Die App Vero gibt es seit 2015, aber erst in den vergangenen Tagen erfährt sie eine große Aufmerksamkeit. Foto: dpa
Die App Vero gibt es seit 2015, aber erst in den vergangenen Tagen erfährt sie eine große Aufmerksamkeit. Foto: dpa

Das soziale Netzwerk Vero hat inzwischen mehr als eine Million Nutzer – und bleibt trotzdem vorerst umsonst. Gleichzeitig wird Kritik an der Vergangenheit des Gründers und Milliardärs Ayman Hariri laut.

Stuttgart - Nun hat Vero also die magische Marke geknackt. Eine Million Nutzer hat das soziale Netzwerk jetzt, und eigentlich sollte es nun für alle folgenden Mitglieder kostenpflichtig werden. Denn Vero soll sich nicht über Werbung, sondern quasi über einen Mitgliedsbeitrag finanzieren.

Lesen Sie hier: Was ist dieses Vero, und warum sprechen alle darüber?

Jetzt heißt es auf der Vero-Homepage: Wegen der mit den vielen Anmeldungen verbundenen Serverprobleme bleibt die Mitgliedschaft bei Neuanmeldungen vorerst auch ein Leben lang umsonst. Der Start eines Bezahlmodells ist aber nur verschoben.

In den vergangenen Tagen und Wochen hatten zahlreiche einflussreiche Nutzer mit vielen Abonnenten öffentlichkeitswirksam einen Account bei Vero erstellt. Häufig verbunden mit der Aufforderung an die Follower, es ihnen gleichzutun. Und verbunden mit der Hoffnung, dass mit dem Wechsel zu Vero die Probleme mit maßgeschneiderter Werbung und eines intransparenten Algorithmus’ vorbei sind.

Kritik an der Vergangenheit des Gründers

Wegen der großen Serverprobleme hat das soziale Netzwerk aber noch nicht wirklich Fahrt aufgenommen. Inzwischen sind in den großen Netzwerken kritische Stimmen unter den sogenannten Influencern aufgetaucht, die über die bisher bekannten Probleme mit dem Datenschutz hinausgehen.

Einerseits kritisieren Nutzer, dass das Löschen eines Accounts nur auf Anfrage möglich ist – weshalb im Internet bereits Anleitungen dazu kursieren:

Andere Kritikpunkte drehen sich darum, dass Veros Server in Großbritannien stehen und damit mittelfristig nicht mehr der EU-Gesetzgebung unterliegen könnten; dass für die Anmeldung eine Telefonnummer notwendig ist; oder dass mit der Programmierung von Vero russische Entwickler betraut waren. Unter dem Hashtag #DeleteVero rufen einige Nutzer dazu auf, es trotz der Schwierigkeiten zu tun:

Andererseits steht viel mehr noch als die Probleme mit den Accounts nun die Vergangenheit des libanesischen Milliardärs und Vero-Gründers Ayman Hariri im Vordergrund. Konkret dreht es sich darum, dass Hariri früher der Geschäftsführung des saudi-arabischen Bauriesen Saudi Oger angehörte, ein Familienunternehmen, gegründet von Hariris Vater Rafic Hariri, dem früheren libanesischen Premierminister. Nach Angaben von Vero verließ Ayman Hariri die Geschäftsführung 2013 und ging in die USA – unter anderem, um Vero zu gründen.

Saudi Oger geriet 2016 in die Schlagzeilen, weil sie ihren Bauarbeitern nur sehr schlechte, unterversorgte und überfüllte Unterkünfte zur Verfügung stellte und anschließend mutmaßlich keinen Lohn auszahlte. Zudem sollen Arbeiter dann mittellos in Saudi-Arabien zurückgelassen worden sein, berichteten die Nachrichtenagentur Reuters sowie Menschenrechtsorganisationen. Die saudische Regierung schritt damals teilweise ein. Seit vergangenem Jahr gibt es Saudi Oger nicht mehr.

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