Auch im Leinfeldener Neubaugebiet Schelmenäcker sollen Sozialwohnungen entstehen. Noch ist unklar wie viele es sein werden Foto: Natalie Kanter

In der Großen Kreisstadt Leinfelden-Echterdingen gibt es derzeit gerade einmal 133 Sozialwohnungen. Das soll sich ändern.

Leinfelden-Echterdingen - Der soziale Wohnungsbau beschäftigt im Wahljahr die Gemüter der Politiker im Bund und im Land. „Wir haben in Berlin die dramatische Lage am Wohnungsmarkt erkannt“, schreibt der – unter anderem für die Filder zuständige – SPD-Bundestagsabgeordnete Rainer Arnold in einer Pressemitteilung. Und er wirft dem Land vor, Bundesmittel zur Wohnbauförderung zurückzuhalten. 50 000 neue Wohnungen seien im Jahr nötig, um Wohnen nicht zum Luxus werden zu lassen.

Die Große Kreisstadt Leinfelden-Echterdingen will derweil ganz konkret mehr Wohnungen für Menschen mit schmalem Geldbeutel schaffen und setzt damit eine langjährige Forderung der örtlichen SPD-Fraktion um. „Das ist unser Thema Nummer eins für 2017“, sagt die Baubürgermeisterin Eva Noller unserer Zeitung. Der Bedarf an günstigem Wohnraum sei groß. Auch weil das Thema lange Zeit niemand so richtig auf dem Schirm hatte.

„Der soziale Wohnungsbau wurde stark vernachlässigt“, sagt auch der Sozialbürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. Das Problem sei erst mit dem Beginn der Flüchtlingswelle wieder akut geworden. Mietpreisbindungen sind zudem ausgelaufen. Wohnbaugenossenschaften haben im Anschluss ihr Recht genutzt, ihre Wohnungen selbst zu belegen. Wobei sich die Stadt in zwei Fällen die Belegungsrechte weiter sichern konnte.

2009 gab es noch 250 Sozialwohnungen in L.-E. , aktuell sind es laut Bürgermeisterin Noller 133. Der überwiegende Teil ist in städtischer Hand, der Rest gehört Wohnbaugesellschaften. Das entspreche 0,7 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes; empfohlen werden zehn Prozent.

Auf der Notfallkartei stehen rund 100 Namen

Auf der von der Stadt eingerichteten Wohnungsnotfallkartei stehen derweil rund 100 Namen. Dabei handelt es sich nach den Worten von Peter Löwy, dem Leiter des Amtes für soziale Dienste, um ganz unterschiedliche Menschen. Die einen haben zwar einen Job, verdienen aber nur wenig. Andere beziehen soziale Leistungen. Familienväter wollen Frau und Kinder nach L.-E. nachholen. Wieder andere sind krank und deshalb schwer vermittelbar. Auch Menschen mit Migrationshintergrund tun sich nach Angaben von Löwy oft schwer, eine Wohnung zu finden. Allesamt suchen sie händeringend nach bezahlbaren vier Wänden. Der Landkreis Esslingen schreibt für Sozialleistungsempfänger und einen Vier-Personen-Haushalt eine Mietobergrenze von 690 Euro kalt vor, sagt Löwy. Solche Mietobjekte gebe es zwar auch in L.-E., sie seien aber nicht wirklich marktbestimmend. „Wir haben hier also durchaus ein Problem“, fasst der Amtsleiter zusammen.

Um dieses zu lösen, stößt die Stadt derzeit einige Projekte an. Zum einen soll im Neubaugebiet Schelmenäcker, in dem die Max-Lang-Straße bereits einen neuen Verlauf bekommen hat, auch Sozialwohnungen gebaut werden. Wie viele genau, ist allerdings noch offen. Zur Diskussion steht ein dreißigprozentiger Anteil. „Ich halte es für besser, mehrere Kategorien anzubieten“, sagt Noller. Also Sozialschwachen, Senioren und auch Menschen mit mittlerem Einkommen gleichsam Wohnungen anzubieten. „Wir arbeiten dazu gerade einen Vorschlag aus“, sagt die Dezernatsleiterin.

Nich jeder arbeitet bei Bosch oder Daimler

Auch in Echterdingen an der Lilienthalstraße sollen Wohnungen für sozial Schwache geschaffen werden, genauso wie in Stetten an der Hohenstaufenstraße. Auf dem Gelände war einst der katholische Erlach-Kindergarten. Noller hofft zudem im Rahmen des neuen Konzeptes der Baulandentwicklung auch Platz für den Bau von bezahlbaren Wohnungen zu gewinnen. Hierauf setzt auch die örtliche SPD. „Nicht jeder schafft bei Bosch oder Daimler“, sagt der Fraktionsvorsitzende Erich Klauser. Er denkt dabei an die auch in L.-E. dringend benötigten Erzieherinnen oder an Krankenschwestern.

Nicht zuletzt hat der Technische Ausschuss kürzlich das Handlungsprogramm Wohnen auf den Weg gebracht (wir berichteten). Das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung an der Hochschule Nürtingen-Geislingen soll zum einen den genauen Bedarf an bezahlbaren Wohnraum in der Großen Kreisstadt erfassen und gleichsam Strategien aufzeigen.

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