An Tagen wie diesen kann man es sich schon mal in einer Hängematte gut gehen lassen. Doch der Stadtteil Dürrlewang kämpft auch mit einigen Problemen. Foto: Alexandra Kratz

Dürrlewang soll soziale Stadt werden. Dafür werden im Vorfeld auch sehr persönliche Daten gesammelt, was in dem Stadtteil für Unmut sorgt.

Dürrlewang - Der Fragebogen hat doch für einige Verwirrung gesorgt. Die Planungsgruppe KPS aus Ostfildern hat das Papier im Auftrag der Stadt an alle Haushalte verschickt. Sie will mehr über die sozialen Strukturen erfahren und herausfinden, wo die Menschen der Schuh drückt. Die Umfrage ist Teil der vorbereitenden Untersuchung für das Bund-Länder-Förderprogramm „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“, von dem Dürrlewang in den nächsten Jahren profitieren könnte. Ermittelt werden beispielsweise Daten zur Wohnung, zur Familiensituation und zu den bevorzugten Verkehrsmitteln.

Diese Fragen sind harmlos. „Aber wieso will die Stadt jetzt wissen, welche Nationalität ich habe und, falls ich eingebürgert bin, welche Nationalität ich früher hatte?“, fragt Hermann Beck in einem Leserbrief an unsere Zeitung. Wirklichen Unmut erzeugte bei ihm aber die Frage, ob er ein „gutes Verhältnis“ zu seinem Nachbarn habe und wenn nicht, aus welchem Grund. „Wieso will Baubürgermeister Hahn das wissen? Wieso will die Stadt Daten über das Verhältnis der Nachbarn untereinander erstellen?“, fragt Beck.

Johannes Kleinhans von der KPS kann ihm darauf Antwort geben. „Das Programm Soziale Stadt geht deutlich über ein klassisches Sanierungsprogramm für einen Stadtteil hinaus. Das soziale Miteinander spielt bei diesem eine große Rolle“, sagt er und ergänzt: „Man stößt nicht von selbst drauf, ob und wo es eventuell Konflikte gibt. Deshalb fragen wir das ab. Wir wollen die Situation einschätzen können.“

KPS bewahrt Stillschweigen

Die gesammelten Daten würden selbstverständlich nicht veröffentlicht. „Wir haben uns schriftlich dazu verpflichtet, Stillschweigen zu bewahren“, sagt Kleinhans. Wenn dies nicht eingehalten werde, könne die Stadt dem Büro den Auftrag entziehen. „Insofern haben wir schon ein großes Eigeninteresse daran, die Daten für uns zu behalten“, gibt Kleinhans zu. Aber selbstverständlich würden die Informationen ausgewertet. Dazu werden Themengruppen gebildet und die Häufigkeit der Nennung ermittelt. Dann wird eine Prioritätenliste mit den zehn am häufigsten genannten Problemen erstellt. „Diese Punkte werden im Rahmen des Sanierungsprogramms angegangen“, sagt Kleinhans.

Er betont, dass niemand Angst haben müsse, dass Informationen aus der Privatsphäre an die Öffentlichkeit gelangen. Doch auch er spürt, dass die Sensibilität der Leute gestiegen ist, wenn es um persönliche Daten geht. Als er vor zwei Jahren eine ganz ähnliche Umfrage im Stuttgarter Osten betreute, habe es keinerlei Skepsis in dieser Richtung gegeben. Diesmal werde er immer wieder mal auf das Thema angesprochen. Kleinhans vermutet, dass das mit den vielen Skandalen wegen geklauter Daten in jüngster Zeit zusammenhängt.

Der Umfragebeauftragte versucht dann immer zu vermitteln. „Niemand muss eine Frage beantworten, die er nicht beantworten will.“ Er hoffe aber dennoch, dass möglichst viele Leute möglichst viele der Fragen beantworten. Zusammen mit dem Fragebogen hat das Büro KPS auch ein Faltblatt verschickt. In diesem wird der Bürger darüber informiert, dass er nach Paragraf 138 Baugesetzbuch dazu verpflichtet ist, Auskunft zu erteilen. Kleinhans bestätigt, dass das die gesetzliche Grundlage sei. „Wir beharren da aber nicht drauf“, betont der Mitarbeiter des Planungsbüros. Man wolle deeskalieren und nicht die Leute aufbringen. „Es wäre doch gar nicht zielführend, wenn wir jemanden zwingen, uns alle Fragen zu beantworten“, sagt Kleinhans.

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