Streitereien auf dem Pausenhof gehören an Grundschulen zum Alltag. Foto: Mauritius

Verhaltensauffällige Kinder gibt es an jeder Grundschule. In Hemmingen kümmert sich der Sozialpädagoge Gregor Adam um sie. Er rät: Eltern sollten auf Alarmsignale achten.

Hemmingen - Paula verhält sich in letzter Zeit immer feindseliger. In den Pausen schubst sie ihre Mitschüler oder brüllt sie an, im Unterricht weigert sie sich, den Lehrern zu antworten oder äußert sich ungefragt und rotzfrech. Wochen später stellt sich heraus, dass Paulas Eltern Probleme miteinander haben. Sie streiten sich oft, ihre Wut und Launen lassen sie an dem Mädchen aus. Die Situation überfordert die gesamte Familie – die Kinder fallen auf.

Auffällige Kinder gibt es an jeder Grundschule. Manche sind angriffslustig wie Paula, andere unkonzentriert und müde, wieder andere ziehen sich zurück. Für solche Kinder sind Menschen wie Gregor Adam da. Der 38-Jährige arbeitet in Hemmingen als Sozialarbeiter. Mit seiner 50-Prozent-Stelle ist er jede Woche 22,5 Stunden vor Ort und, seitdem die Einrichtung seit diesem Schuljahr nur noch Grund- und keine Werkrealschule mehr ist, für 250 Mädchen und Jungen zuständig. Im Verwaltungsausschuss am Dienstag hat Gregor Adam von seiner vielfältigen Arbeit berichtet.

Immer mehr Gespräche mit Eltern

„Thematisch geht es in der Grundschule häufig um Streit, dauerhaft störendes oder aggressives Verhalten in der Klasse, auf dem Pausenhof oder Schulweg, um Mobbing oder Traumata“, sagt Gregor Adam. Er sei aber auch mit Kindern konfrontiert, die Gewalt in der Familie erlebten, verwahrlost seien oder deren Eltern überfordert seien und deshalb Hilfe bei der Erziehung oder Strukturierung des Alltags brauchten. „Vielen Kindern, meist mehreren in jeder Klasse, fehlt es dadurch an der nötigen Begleitung, Anleitung und Erziehung, um im Schul- und Lebensalltag zurecht zu kommen oder Hilfe bei den Hausaufgaben zu bekommen beziehungsweise sie regelmäßig zu erledigen“, sagt Adam.

Der Sozialpädagoge hat im vergangenen Schulhalbjahr mit 47 Schülern 116 Gespräche geführt. Damit hat sich die Zahl zum zweiten Schulhalbjahr 2016/2017 fast verdoppelt. Auch die Zahl der Elterngespräche hat zugenommen. Gerade bei der Arbeit mit Sechs- bis Zehnjährigen ist Adam auf die Mütter und Väter angewiesen. Diese reagierten aber völlig verschieden auf Unterstützung: von froh und dankbar über ablehnend und ignorant bis verständnislos.

Trotz der steigenden Zahlen will der Sozialarbeiter nicht von immer mehr Problemfamilien sprechen. „Durch den Wegfall der Werkrealschüler habe ich mehr Zeit für die Grundschüler. Je genauer ich hinsehe, desto mehr fällt mir auf.“ Der 38-Jährige arbeitet eng mit den Lehrern zusammen und macht neben der sogenannten Einzelfallhilfe auch Projekte mit ganzen Klassen. Etwa solche zur Gewaltprävention oder zur Stärkung der Klassengemeinschaft. Auch finden Gespräche über Liebe und Freundschaft statt.

Rechtzeitiges Gegensteuern kann später Problemkarrieren verhindern

Dass die Schulsozialarbeit schon in der Grundschule ansetzt, ist laut Adam gut und wichtig. „Wenn man rechtzeitig gegensteuert, kann man später Problemkarrieren verhindern“, sagt der Sozialpädagoge. Durch ein frühes Eingreifen lasse sich vermeiden, dass sich zum Beispiel asoziales Verhalten verfestige. Grundsätzlich lässt sich ein Verhalten umso schwerer abstellen, je länger es besteht.

So bemüht sich Adam auch darum, mit übereifrigen Eltern möglichst früh in Kontakt zu treten. „Es gibt vereinzelt Kinder, die Druck von daheim bekommen. Sie sollen sehr gute Leistungen zeigen, damit sie einmal aufs Gymnasium gehen und dann studieren können“, sagt Adam. Doch nicht jedes Kind halte dem Druck stand – Angst, Überforderung und dadurch etwa Schlaflosigkeit können die Folgen sein. Und auch nicht jedes Kind eigne sich für das Gymnasium. Gregor Adam kennt Jugendliche, die vor lauter Frust die Schule verweigert haben.

Eltern sollten hellhörig werden, wenn ihre Kinder ungewöhnlich aggressiv sind und sich weniger sagen lassen. „Auffällig ist es immer, wenn das Kind sich zunehmend konträr zu sonst verhält“, sagt Adam. Auch bei schlechter werdenden Noten sollten Eltern das Gespräch mit ihrem Kind, mit Lehrern oder Sozialarbeitern suchen.

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