Auf dem Southside-Festival 2017 blieben nach einem Sturm ganze Zelte liegen. Foto: dpa

Was nach dem Festival-Sommer übrig bleibt, sind Berge von Müll. Doch deutsche Musikveranstaltungen werden zunehmend nachhaltiger und bieten einige Möglichkeiten, einen Beitrag für die Umwelt und benachteiligte Mitmenschen zu leisten.

Stuttgart - Auf dem Festival angekommen, setzt sich ein jeder Besucher gern erst einmal in den Campingstuhl und legt die Füße hoch. Dann wird das erste von vielen Dosenbieren getrunken, eine Konservenbüchse Ravioli auf dem Gas-Campingkocher erhitzt und ein Kippchen geraucht, dessen Filter am Schluss wie selbstverständlich auf dem Boden landet.

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Nach einem Festival mit 80.000 Besuchern bleibt nach Angaben der Online-Plattform Utopia in nur zwei Tagen so viel Müll liegen, wie eine Stadt mit gleicher Einwohnerzahl in einem gesamten Jahr produziert. Manche Musikveranstaltungen wollen es besser machen und versuchen, die exorbitant hohen Mengen an Müll und CO2-Emissionen zu verringern.

Was ist wohl ein „Goldeimer“?

So schließen immer mehr Festivals Kooperationen mit der Deutschen Bahn ab. Beim Southside-Festival in Tuttlingen am Bodensee können Musikliebhaber beispielsweise ganz umsonst mit der Bahn anreisen, wenn sie ihr Ticket vorzeigen und sparen damit hohe Mengen an CO2 ein.

Auch die Komposttoilette ist keine Besonderheit mehr. Das junge Unternehmen „Goldeimer“ sagt den herkömmlichen Chemietoiletten den Kampf an und beliefert in diesem Jahr über 20 deutsche Festivals mit den nachhaltigen Klos, darunter auch die Veranstaltung in Tuttlingen. „Wir haben seit unserem Start 2013 knapp 100 Open Airs mit Goldeimern beglückt“, sagt Malte Schremmer, Pressesprecher des Startups.

Nahrungsmittel sollten nicht entsorgt werden

Eine der größten Müllquellen stellt jedoch noch immer das Essen auf dem Festival dar. Für Gäste, die sich ihre Mahlzeiten nicht in Mehrwegbehälter einkochen oder für viel Geld bei den aufgestellten Food-Trucks einkaufen möchten, führt kein Weg an den umweltbelastenden Konserven vorbei.

Doch auch hier gibt es eine umweltschonende Lösung: Liegengebliebene Mahlzeiten werden am Ende von vielen Festivals eingesammelt und an Hilfsorganisationen oder Obdachlosenheime gespendet. Auf dem Southside-Festival wurden 2017 nach eigenen Angaben über 5168 Kilogramm Essen gerettet.

„Das Fest“ legt Fokus auf Müllvermeidung

Das Vorzeige-Festival für nachhaltige Musikfans ist und bleibt „Das Fest“ in Karlsruhe. Die Veranstaltung wurde bereits mehrmals mit Preisen wie dem „A Greener Festival Award“ ausgezeichnet. Doch das ist den Organisatoren noch nicht genug: „In diesem Jahr wird neu sein, dass das Besteck aus nachhaltigem Holz besteht“, sagt Philipp Schätzle von der Karlsruhe Marketing und Event GmbH auf Anfrage unserer Redaktion.

Darüber hinaus markiert „Das Fest“ den Startschuss für den sogenannten „Fächerbecher“. Der wiederauffüllbare Kaffeebecher aus Porzellan kann auf dem Festival erstanden und genutzt werden. Doch auch nach der Veranstaltung soll er die üblichen To-Go-Becher in der Stadt ersetzen. „Viele Unternehmen in Karlsruhe sind bereits an Bord“, sagt Schätzle, „insofern ist dies ein Projekt, das vom Fest auch in die Stadt strahlt.“

Auch die Anreise mit dem Fahrrad wird noch attraktiver gestaltet: „Nach dem großen Erfolg 2017 kommt ein weiterer bewachter Fahrradparkplatz“, bestätigt das veranstaltende Unternehmen. Außerdem soll es E-Bike-Ladestationen der Stadtwerke Karlsruhe geben. Wer seine sieben Sachen nicht auf dem Drahtesel transportieren kann, darf umsonst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

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