Die Nerven überzeugten beim Sound of Stuttgart. Foto: Lichtgut

Stuttgarts wichtigste Band setzte beim Sound of Stuttgart ein sehr lautes Ausrufezeichen hinter ihren Status. Stolze dreieinhalb Jahre liegt ihr letzter Auftritt hier zurück.

Stuttgart - Um kurz vor zehn liegen sich Max Rieger und Levin Stadler alias Levin Goes Lightly in den Armen – sprichwörtlich die größten Stuttgarter Künstler. Rieger kommt gerade von der Arbeit, Stadler darf nächsten Donnerstag ran. Es ist Sound of Stuttgart im Stadtpalais, ein Stelldichein einiger der prägendsten Bands der Stadt. Insbesondere das Gastspiel der Nerven wurde mit großer Spannung erwartet, immerhin nimmt die wichtigste Stuttgarter Band der letzten zehn Jahre das Gesetz der Verknappung ernst.

Größtenteils in Berlin niedergelassen

Stolze dreieinhalb Jahre liegt ihr letzter Auftritt in Stuttgart zurück, am 16. Dezember 2015 war das, im Universum. Damals hatten die Stuttgarter ihren ersten eindrucksvollen Höhenflug zeigten dem vollkommen geplätteten Publikum, wie es zu diesem Hype um sie kommen konnte. Heute ist das ähnlich. Von Max Rieger, Kevin Kuhn und Julian Knoth wohnt mittlerweile nur noch letzterer hier, die anderen beiden haben sich in Berlin niedergelassen.

Eindrucksvoller Auftritt

Und was soll man sagen: Wer schon 2015 glaubte, dass diese Band gut, wichtig und epochal war, der wurde auf der Bühne des Stadtpalais eines Besseren belehrt. In etwas mehr als 60 Minuten produzieren Die Nerven eine eindrucksvolle Erschütterung, die man in dieser Form niemals an einem Ort wie dem Stadtpalais erwartet hätte. Stadler schaut sich dieses Klanggewitter auf der Rundbühne (die sich an diesem Abend auf Wunsch der Band nicht dreht) ebenso an wie Hausproduzent Ralv Milberg, die Familien der Bandmitglieder und viele weitere Gestalten der Stuttgarter Musikszene. Alle werden weggeföhnt von einem kompromisslosen, bleiernen, dröhnenden Sound und einer entfesselten Band.

Zum Auftakt Songs aus aktuellem Album

Die Nerven sind ekstatisch und gefährlich, vollkommen in sich und ihren Post-Punk versunken. Eine hermetisch abgeriegelte Einheit, zwischen die kein Blatt passt. Weit hallt der klaustrophobische Sound durch die Flure des Stadtpalais. Ansagen gibt es wie immer kaum, dafür mit „Niemals“ und „Frei“ zum Auftakt zwei Songs des aktuellen Albums „Fake“, kurz vor Ende natürlich „Der letzte Tanzende“ und nach dieser Eruption fast schüchterne Dankesworte von Rieger. Dann steht er auch schon draußen auf den Stufen vor dem Stadtpalais. Und sieht gar nicht mal unglücklich aus, wieder in Stuttgart zu sein.

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