Joy Denalane blickt auf ihrem Album nicht nur auf ihre Stadt, sondern auch auf ihr Leben. Foto: Eva Baales

Joy Denalane ist die große Stimme des deutschen Soul. Die dunkelhäutige Sängerin aus Berlin hat den großen Erfolg kennengelernt und den kleinen Rassismus im Alltag. Im April schaut sie mal wieder in Stuttgart vorbei – Zeit also für ein Gespräch über die wichtigen Dinge im Leben.

Berlin - Der Freundeskreis steht wieder gemeinsam auf der Bühne. Klar, dass sie dabei nicht fehlen darf: Joy Denalanes. Ihre musikalische Biografie ist eng mit einer Popmärchenliebe verbunden. 1999 sangen Max Herre und sie den Freundeskreis-Titel „Mit dir“, wurden ein Paar, Eltern, trennten sich. Heute sind sie wieder zusammen. Vor allem aber hat sich die Soul-Sängerin Joy Denalane musikalisch neu erfunden. Sie sitzt im achten Stock im Konferenzraum von Universal. Die Sonne scheint, ihre Lippen glänzen. Sie blickt auf die Spree, auf die Oberbaumbrücke und hinüber nach Kreuzberg. Es passt ganz gut, Joy Denalane in ihrer Heimatstadt zu treffen. Ihr Album „Gleisdreieck“ ist voll von Berlin Referenzen und biografischen Erlebnissen. Ein Gespräch über Scheitern, Rassismus und Liebesdinge.

Joy Denalane, „Gleisdreieck“ ist der Titel Ihres Albums, aber auch der Name eines Berliner U-Bahnhofes.
Ich habe natürlich die Hoffnung, dass der Titel auch für Menschen, die nicht aus Berlin kommen, einen Sinn ergibt. Für mich ist es der Bahnhof, an dem ich aufgewachsen bin. Der Bahnhof an sich ist ein Ort des Abschieds, des Umsteigens und der Begegnung. Es ist ein Bild, das für das Leben an sich steht. Und ich habe auf diesem Album ein Panorama meines Lebens gezeichnet.
Sie sind in Berlin aufgewachsen und nach ein paar Jahren in Stuttgart schon wieder lange dort. Wie hat sich die Stadt verändert?
Berlin hat sich schon immer sehr verändert. Es ist eine Stadt in totaler Bewegung. Berlin ist eine Stadt mit sehr viel Fläche, wo viel bebaut werden konnte. Ich erinnere mich, dass mein Vater, als ich noch ein Kind war, immer gesagt hat: „Diese ewige Baustelle.“ Es ist für mich immanent, dass sich die Stadt immer verändert. Durch diesen Welterfolg, den die Stadt feiert, gibt es natürlich auch Gentrifizierung. Die Lebenshaltungskosten haben sich nach oben bewegt. Es ist immer noch viel günstiger als in anderen Großstädten. Dennoch macht das etwas mit den Menschen, die hierher kommen. Berlin war immer die Stadt der Pioniere. Die Menschen konnten hier ihren Träumen nachgehen. Und es ist auch eine Stadt des Müßiggangs - ganz anders als Stuttgart. Das ist für mich eine Stadt der Genauigkeit, Arbeit, Sicherheit, des Fokus und des Fleißes. Auch wenn das stereotyp klingt.
Ihr Album ist sehr persönlich und voll von Berlin-Referenzen inklusive Stadtgeräuschen.
Für mich ist es kein Berlin-Album. Berlin ist zufälligerweise meine Heimatstadt. Ich komme von hier und war nur drei Jahre nicht in dieser Stadt. Das war eben meine Phase in Stuttgart. Für mich ist Berlin meine natürliche Umgebung. Es ist Zufall, dass die Stadt gerade hip ist.
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