Die Tage des Provisoriums an der Hepsisauer Steige sind gezählt. Die Landesstraße 1212 wird von Montag an saniert. Foto: Ines Rudel

Von Montag ist der Albaufstieg zwischen Weilheim-Hepsisau und dem Randecker Maar komplett gesperrt. Die Steige muss nach einer Rutschung erneut saniert werden. Bisher hatte man sich mit einem Provisorium beholfen.

Weilheim - Vor zwei Monaten war das Erdreich an der Hepsisauer Steige nach heftigen Regenfällen ins Rutschen geraten. Seither ist der Verkehr einspurig an der Engstelle vorbei geleitet worden. Von Montag, 19. Juli, an geht auf der Albsteige gar nichts mehr. Weil die Rutschung an der Straßenböschung stabilisiert wird, ist die Landesstraße 1212 zwischen dem Michaelshof oberhalb des Weilheimer Teilorts Hepsisau und der Hochfläche der Schwäbischen Alb am Randecker Maar komplett gesperrt. Einer Mitteilung des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart zufolge wird die Sperrung voraussichtlich bis Freitag, 6. August, bestehen bleiben.

 

Die Sanierung kostet 180 000 Euro

Um ein weiteres Abrutschen der Böschung zu vermeiden und um den Verkehr wieder ohne Einschränkungen freigeben zu können, wird dabei laut der Mitteilung aus dem Regierungspräsidium Stuttgart zunächst das abgerutschte Material abgetragen und die Böschung mit sogenannter „bewehrter Erde“ aufgefüllt und stabilisiert. Unter der Bezeichnung „bewehrte Erde“ versteht man einen Verbundstoff, der die Widerstandskräfte des natürlichen Bodens und eines zugemischten Geokunststoffs vereinigt und so dem Hang mehr Stabilität verleihen soll. Anschließend wird die Asphaltdeckschicht erneuert. Das Land Baden-Württemberg als Bauträger geht von Kosten in Höhe von rund 180 000 Euro aus.

Bislang war der Bereich der Rutschung provisorisch mit einer Plane abgedeckt gewesen, um ein weiteres Eindringen von Wasser in das Erdreich zu verhindern. Wegen der verstärkten Regenfälle in den vergangenen Tagen und Wochen war allerdings nicht ganz auszuschließen gewesen, dass sich der Hang weiter bewegt.

Erst vor einem Jahr ausgebessert

Die Hepsisauer Steige war erst im vergangenen Jahr repariert worden. Dabei war nicht nur die Asphaltschicht erneuert, sondern auch der Untergrund bis zu einer Tiefe von zwei Metern ausgetauscht und verdichtet worden, um die Standfestigkeit wieder herzustellen. Nachdem sich die aktuelle Rutschung in einem der Bereiche befindet, der in Zuge dieser Arbeiten saniert worden war, geht man im RP davon aus, dass die neuerliche Rutschung an der gleichen Stelle auf Bodenbewegungen zurückgeht. Während der Bauzeit können Hepsisau und der am Hang liegende Michaelshof aus Richtung Weilheim und Neidlingen lediglich über die Landesstraße 1200 angefahren werden. Die Umleitung von Schopfloch nach Hepsisau führt über die K 1250 und über die Ochsenwanger Steige ins Tal und dann weiter in Richtung Weilheim. Die Umleitung in Gegenrichtung erfolgt über die L 1200 nach Neidlingen und anschließend über die Kreisstraßen 1430 und 1247 nach Schopfloch.

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Die Hepsisauer Steige zählt zwar zu den landschaftlich schönsten, aber auch am wenigsten befahrenen Albsteigen in der Region. Der jüngsten Verkehrszählung zufolge wird der rund fünf Kilometer lange Albaufstieg täglich von rund 2600 Autofahrern genutzt. Der Anteil des Schwerverkehrs liegt dabei im unteren einstelligen Prozentbereich. Selbst wenn die Gefahr am Berg beseitigt sein wird, müssen sich die Autofahrer in naher Zukunft auf neuerliche Einschränkungen gefasst machen. Die Stadt Weilheim bereitet derzeit eine Sanierung der Ortsdurchfahrt von Hepsisau vor. Im Zuge dessen sollen auch die in und neben der Straße liegenden Versorgungsleitungen erneuert werden. Wann hier die Baumaschinen anrücken, ist allerdings noch nicht entschieden.

Auf der Dringlichkeitsliste stehen 1000 Kilometer Landesstraßen

Idee
 Das für einen Zeitraum von vier Jahren ausgearbeitete Erhaltungsmanagement des Landes erfasst die am dringlichsten zu sanierenden 1000 Landesstraßen-Kilometer in Baden-Württemberg. Eine Priorisierung der Albsteigen gibt es nicht. Weil das Erhaltungsprogramm nur den Zeitraum bis zum Jahr 2020 abgedeckt hat, ist im vergangenen Jahr wieder eine Zustandserfassung und -bewertung durchgeführt worden. Deren Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Sanierung aller Landesstraßen, und damit auch der Albsteigen, erfolgt in Abhängigkeit der zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen – und der Dringlichkeit.

Umsetzung
 Derzeit befindet sich im Kreis Esslingen nicht nur die Hepsisauer Steige im Fokus der Straßenbauer. Wenige Kilometer südwärts saniert das Land die Gutenberger Steige mit einem Aufwand von rund vier Millionen Euro. Die Reparaturen an der Bundesstraße 465 sollen bis Ende November abgeschlossen sein.