Die Grundschule soll im Dorf bleiben, fordert die Landtagsabgeordneten. Foto: contrastwerkstatt/Adobe Stock

Die Landesregierung unterläuft das Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“, klagt die Opposition. Bessere Bezahlung der Schulleiter könnte kleine Schulstandorte retten, so die SPD.

Stuttgart - Kleine Grundschulen werden durch die Hintertür in ihrer Existenz bedroht, befürchtet die SPD. Leiter kleiner Grundschulen mit höchstens 40 Schülern kommen nicht in eine höhere Gehaltsstufe, die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) für die Rektoren größerer Grundschulen und verschiedener anderer Schularten vorsieht. Das ist für Stefan Fulst-Blei, den bildungspolitischen Sprecher der Landtags-SPD nichts weniger als „ein Schulschließungsprogramm kleiner Standorte durch die Hintertür.“ Er machte in der Plenarsitzung eine einfache Reihung auf: „Weniger Geld, weniger Wertschätzung, weniger Schulleiter, weniger kleine Grundschulen.“

Viele Rektorenstellen unbesetzt

Schon jetzt sind an den Schulen des Landes 216 Rektorenstellen vakant, 143 davon an Grundschulen, wie der FDP-Abgeordnete Stephen Brauer unter Berufung auf die Regierungspräsidien sagte. Die Grenzziehung bei 40 Schülern nannte er willkürlich. Die FDP verlangt wie die SPD, Rektoren aller Grundschulen auf die Besoldungsgruppe A13 anzuheben. Das entspricht dem Gehalt von Realschullehrern.

Gerade an kleinen Schulen ist der Posten für viele Lehrer nicht sehr attraktiv. Gelegentlich müssten die Schulleiter da Hausmeister- und Sekretariatsaufgaben übernehmen, berichteten die Abgeordneten. Für eine Zulage von 174 Euro brutto übernehme in einem Unternehmen niemand eine Leitungsfunktion, merkt die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz an. „Das ist ein inakzeptabler Umgang mit Führungskräften, den angesichts voller Kassen niemand versteht“, erklärte sie. Die GEW vermutet wie die SPD, dass die Regierung die Schließung kleiner Schulen erzwingen wolle. Das sei, „eine ärmliche und mutlose Bildungspolitik auf dem Rücken der Beschäftigten.“ Entweder es gelte der Grundsatz der wohnortnahen Schule oder Grüne und CDU müssten seriöse Konzepte zur Schließung von Grundschulen vorlegen, sagte Moritz.

Eisenmann: Kein Schließungskonzept

Das wies Jürgen Walter (Grüne) als „Verschwörungstheorien“ zurück. Es bleibe beim Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“. Ein flammendes Bekenntnis zu Dorfschulen legte der CDU-Abgeordnete Raimund Haser ab. „Kein Rektor in Baden-Württemberg wird mit weniger als A13 besoldet“, sagte er im Plenarsaal. Das sieht seine Parteifreundin Susanne Eisenmann noch nicht so. Sie erklärte, bisher habe die Besoldungsgrenze bei 80 Schülern gelegen, immerhin sehe ihr Vorschlag vor, diese Grenze zu halbieren. Auch sie bekannte sich zu kleinen Grundschulen: „Mit mir als Kultusministerin wird es kein Schließungskonzept für kleine Grundschulen geben“, sagte sie.

Von den 4500 Schulen im Land sind 2500 Grundschulen. Nach Darstellung von Eisenmann haben etwa hundert von ihnen weniger als 40 Schüler, rund 800 Grundschulen zählen weniger als hundert Schüler. Der Lehrermangel bleibt ein Problem. Eisenmann ließ Handlungsspielräume durchblicken. In 450 Gemeinden gebe es mehr als zwei Grundschulstandorte mit weniger als hundert Schülern. Eventuell könnte ein Rektor auch mehrere Standorte leiten, deutete der Grüne Jürgen Walter an.

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