Die Reformpläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sorgen beim Robert-Bosch-Krankenhaus auf dem Burgholzhof für erhebliche Irritationen. Foto: imago images/Eibner/Tabea Guenzler/Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de

Gesundheitsminister Karl Lauterbach plant, die deutsche Kliniklandschaft radikal zu verändern. Die Reform würde das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus „auseinandernehmen“, warnt der Chef Mark Dominik Alscher.

Der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nennt seine geplante Krankenhausreform eine „Revolution“. Schon die Bezeichnung macht stutzig. Nicht nur die Krankenhausgesellschaft Baden-Württemberg (BWKG) warnt inzwischen vor den Folgen der Radikalreform und sieht einen Großteil der Krankenhäuser im Südwesten existenziell gefährdet.

 

Auch erste Krankenhäuser melden sich zu Wort. „Wenn diese Reform wie geplant beschlossen wird, dann wird unser Haus dadurch auseinander genommen“, sagt Mark Dominik Alscher, der Medizinische Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK). Er sieht sogar die Gefahr, dass das Haus auf dem Burgholzhof, das kürzlich vom Sana-Konzern das Bethesda-Krankenhaus als neuen City-Standort übernommen hat, „in seiner bisherigen Existenz“ bedroht sei. Man könne dann noch als kleines Stadtteilkrankenhaus weitermachen, aber nicht mit dem bisherigen, anspruchsvollen Leistungsspektrum.

Krankenhäuser werden in drei Stufen eingeteilt

Nach den Plänen von Karl Lauterbach sollen die Krankenhäuser in drei Versorgungsstufen eingeteilt werden: Kliniken für die Grundversorgung, für Notfälle und grundlegende chirurgische Eingriffe, Kliniken für die Regel- und Schwerpunktversorgung und schließlich die Unikliniken und die anderen Maximalversorger.

Inzwischen hat sich Mark Dominik Alscher das Anfang Dezember vorgestellte Konzept genauer angeschaut. Nach seiner Analyse würde das RBK, das mit 1191 Planbetten zu den großen Häusern im Bund gehöre, zu einem „Provinzkrankenhaus Level 1 werden“. Dies hätte zur Konsequenz, dass man auf dem Burgholzhof viele Eingriffe, die nur Level-3-Häusern vorbehalten sind, nicht mehr machen dürfte, zum Beispiel keine Stammzellentransplantationen mehr. Dabei mache man „in Stuttgart die meisten und diese auch schon am längsten“ von allen hiesigen Krankenhäusern, betont der Mediziner. Überdies könne man dann auch keine komplexen Operationen der Leber, der Bauchspeicheldrüse und der Speiseröhre mehr vornehmen. „Das würde unsere Onkologie deutlichst schwächen“, kritisiert Mark Dominik Alscher. Für ihn würde das auch nicht im geringsten dazu passen, dass das RBK zusammen mit dem Uniklinikum Tübingen zu den bundesweit 18 großen Krebszentren gehöre, was eigentlich universitären Häuser vorbehalten sei. Und erst vorige Woche sei das RBK gemeinsam mit den Unikliniken Tübingen und Ulm in einem bundesweiten Wettbewerb zu einem von nun fünf Nationalen Krebszentren (NCT) aufgewertet worden, zum NCT Südwest, neben den bestehenden in Heidelberg und Dresden.

Auf Kosten von freigemeinnützigen Krankenhäusern

Wenn das RBK tatsächlich als Level-1-Haus (oder aus Level 2) eingestuft wird, dürfte man dort auch nicht mehr den maschinellen Herz- und Lungenersatz (bekannt als ECMO) einsetzen, der ebenfalls Häusern mit Level 3 vorbehalten sein solle. Auch das kann Mark Dominik Alscher nicht nachvollziehen angesichts der Tatsache, dass das RBK mit der Klinik Schillerhöhe ein Lungenzentrum mit Jahrzehnten Erfahrung sei und seit mehr als 30 Jahren eine Herzchirurgie betreibe. Diese Expertise auf der sehr großen Intensivstation des RBK habe sich in der Corona-Pandemie als vorteilhaft erwiesen.

Der Medizinische Geschäftsführer des RBK kritisiert, dass Karl Lauterbachs Reformvorhaben „zugunsten von Unikliniken und kommunalen Maximalversorgern, aber auf Kosten der freigemeinnützigen Krankenhäuser“ konzipiert sei. „Da wird der Wettbewerb ausgehebelt“, erklärt Mark Dominik Alscher. Man übe einen Zwang zum „Vollsortimenter“ aus und förderte „die Dinosaurier der Krankenhauslandschaft“.

Gutachten der Deutschen Krankenhausgesellschaft

Wie die Krankenhausgesellschaft hält auch Alscher das Vorgehen Lauterbachs, mit den Reformplänen ohne Folgeabschätzung in die Öffentlichkeit zu gehen, für wenig verantwortungsvoll. Angesichts des gravierenden Fachkräftemangels würden Beschäftigte erheblich verunsichert, man habe, was Investitionen angeht, plötzlich „keine Planungssicherheit mehr“. Dass der Bundesgesundheitsminister dies nun als „Panikmache“ abtue, macht die Sache für Mark Dominik Alscher nicht besser. Auch dass Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) zur Beruhigung erklärt, das Ganze werde noch „modifiziert“, beruhigt den Mediziner nicht. Er sagt: „Man muss jetzt eingreifen.“

Auch die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft hat vor wenigen Tagen in einem Schreiben an ihre Mitglieder moniert, dass weder der Bundesminister noch die beauftragte Regierungskommission zu den Plänen „eine konkrete Auswirkungsanalyse vorgelegt hat“. Diese hat stattdessen die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse werden am Montag, 13. Februar, vorgestellt. Dort soll auch das von der DKG entwickelte Alternativkonzept präsentiert werden.