Die Angeklagten vor Gericht: Alessio M. (links) und Piedro M. (rechts) sollen mit ihrem Vater getötet haben. Foto: dpa/Stefan Puchner

Drei Morde soll Dario M. in Sontheim (Kreis Heidenheim) begangen haben. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass ihm dabei nicht nur seine Söhne geholfen haben.

Sontheim - Drei Menschen soll Dario M. (55, Namen der Angeklagten geändert) in Sontheim an der Brenz (Kreis Heidenheim) seit 2008 getötet haben. Beim ersten Mord an seinem Schwiegersohn und Vater seiner beiden Enkel soll ihm sein Neffe geholfen haben. Beim zweiten Mord 2014 am neuen Lebensgefährten seiner Tochter sollen seine Söhne Alessio (33) und Piedro (31) als Erfüllungsgehilfen, bei der dritten Tat im Frühjahr 2019, als der Vermieter zweier Garagen getötet wurde, nur Alessio beteiligt gewesen sein. Zwei Taten hat M. gestanden, den Mord am Schwiegersohn nicht.

Wie in einem Mafia-Roman

Geht es nach dem Staatsanwalt Oliver Knopp, muss der bisher nicht vorbestrafte Sizilianer nicht nur die bei lebenslang üblichen 15 Jahre ins Gefängnis, sondern länger. Er hat in seinem Schlussplädoyer am Ellwanger Landgericht gefordert, die besondere Schwere der Schuld festzustellen oder Sicherungsverwahrung anzuordnen. Dario M. käme dann nur wieder frei, wenn er eine positive Prognose erhält. Das Urteil soll am Freitag gesprochen werden.

Die Prozessbeteiligten dürften sich mitunter gefühlt haben wie in einem Mafia-Roman. Da ist Dario M., den der jüngste Sohn und die Tochter als gewalttätigen Despoten schildern. Der Schwiegersohn musste nach Überzeugung des Staatsanwalts sterben, weil der Angeklagte Probleme mit dessen türkischer Staatsangehörigkeit hatte. Der zweite Partner soll bei einem Familienabendessen beseitigt worden sein, weil er die Tochter misshandelt habe. „Der muss weg“, habe der Patron entschieden.

Schwiegersohn am Brenner beseitigt

Von beiden Leichen fehlt jede Spur. Den Schwiegersohn habe man irgendwo am Brennerpass entsorgt. Der Freund soll mit einer Kettensäge zerstückelt, in Behälter einbetoniert und auf Sizilien im Wald abgeladen worden sein. Diese beiden Taten blieben unbemerkt. Die Tötung eines 59-Jährigen, der Dario M. zwei Garagen vermietet hatte, flog indes auf – weil „die Täter Fehler machten“, so Knopp. Der Vermieter habe sterben müssen, weil die Angeklagten an ein Grundstück von ihm wollten. Sie sollen ihn unter einem Vorwand zu sich gelockt und gefesselt haben. Dann wurde er gezwungen, Dokumente zu unterschreiben, die belegen sollten, dass die Familie Geld bezahlt habe für das Grundstück. Schließlich habe man ihm eine Tüte über den Kopf gezogen. Sein Leichnam wurde ebenfalls zersägt, teils im Garten verbuddelt und teils auf Rastplätzen entsorgt.

Der als zuverlässig geltende 59-Jährige wurde von seinem Chef als vermisst gemeldet, da er nicht zur Arbeit kam. Als die Firma einen holprig formulierten, angeblich von dem deutschen Mitarbeiter formulierten Brief bekam, in dem es hieß, er sei zu seiner thailändischen Freundin gezogen, „schrillten bei der Polizei alle Alarmglocken“ – und man kam Dario M. und seinen Söhnen auf die Spur. Auch für Alessio und Piedro hat die Anklage lebenslang beantragt.

Am Freitag fällt das Urteil

Alessios Verteidiger forderte die Anwendung der Kronzeugenregelung und eine Strafe von elf bis 15 Jahren. Der geistig schlichte, von seinem Vater emotional abhängige Mann hatte gestanden und seinen Vater schwer belastet. Piedros Verteidiger beantragten, den 31-Jährigen wegen Beihilfe zu verurteilen. Er hatte das zweite Opfer festgehalten, war aber nicht an der Beseitigung der Leiche beteiligt und habe nur aus Angst vor dem Vater mitgemacht.

Wenn am Freitag das Urteil fällt, geht der Prozess dennoch weiter. Das Verfahren gegen Dario M. wegen des Mordes am Schwiegersohn wurde abgetrennt. Der Grund: Dabei soll ihm sein Neffe, der auf Sizilien einsitzt, geholfen haben. Dieser hat nun angekündigt, aussagen zu wollen.

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