Frische Brezeln und Brötchen vom Handwerksbetrieb gibt es im Südwesten sonntags nur eingeschränkt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Wer sonntags Brötchen kaufen will, muss beim Bäcker Schlange stehen – oder sich bei einer Tankstelle eindecken. Das wollte das Handwerk ändern und holte sich dabei eine dicke Abfuhr.

Stuttgart - Seit Jahren wünscht sich das Bäckerhandwerk, dass die Arbeits- und Öffnungszeiten am Sonntag verlängert und damit an die der konkurrierenden Backshops angeglichen werden. Doch sowohl das Wirtschaftsministerium als auch die Mehrheit des Landtags-Wirtschaftsausschusses stellten sich gegen das Anliegen.

Alle Fraktionen außer den Liberalen selbst sprachen sich im Wirtschaftsausschuss gegen einen Vorschlag der FDP-Fraktion aus, durch eine Bundesratsinitiative die erlaubte Arbeitszeit am Sonntag zu verlängern. Bisher sind bei den Arbeitszeiten fürs Backen und Ausfahren von Brötchen sowie beim Betrieb einer Backstube drei Stunden die Obergrenze. Das gilt auch für die Öffnungszeiten. Zuvor hatte sich bereits das Wirtschaftsministerium unter Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) reserviert geäußert.

CDU wirft FDP Schnellschuss vor

Damit werden weiter stark unterschiedliche Arbeitszeitregeln für die Bäckereien aus der Handwerksbranche und für die Backshops gelten, die keine besonderen Einschränkungen beachten müssen.

Die württembergische Bäckerinnung zeigte sich von der Entscheidung enttäuscht. Handwerksbetriebe und Backshops begegneten sich als Wettbewerber, lebten bei den Rahmenbedingungen aber in völlig unterschiedlichen Welten, sagte Landesinnungsmeister Martin Reinhardt unserer Zeitung.

Der Ausschussvorsitzende Erik Schweickert (FDP) erklärte, wegen der Regeln könnten die Bäcker kein so hochwertiges und reichhaltiges Sortiment anbieten wie nachgefragt sei. Der CDU-Abgeordnete Claus Paal teilte mit, die Fraktion sehe eine Ausweitung der Sonntagsarbeit grundsätzlich kritisch. Eine Flexibilisierung sei zwar notwendig, die FDP habe aber einen „Schnellschuss“ angestrebt.

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