Geht die Parkkosten-Strategie der Stadt auf? Die Meinungen gehen auseinander. Foto: Rudel

Sonntagsgebühren rund ums Blüba sollen Anwohner entlasten – doch einer fühlt sich stärker belastet. Die Stadt plant derweil neue Parkzonen, kommt den Betroffenen aber auch entgegen.

Wenn im Blühenden Barock (Blüba) und in der Ludwigsburger Innenstadt Hochbetrieb herrscht, bekommen das die Anwohner der Oststadt besonders zu spüren: verstopfte Straßen, Abgase und endloser Parksuchverkehr prägen dann den Alltag. Um gegenzusteuern, führte die Stadtverwaltung im März vergangenen Jahres rund um das Blüba auch sonntags Parkgebühren ein.

 

Allerdings wurde der Begriff „rund ums Blüba“ weit ausgelegt. Das Gebiet mit den neuen Parkregeln reicht bis zu einem Kilometer in östlicher Richtung. Das sorgt für Ärger – unter anderem bei Oststadt-Anwohner Andreas Reichert. Aus seiner Sicht ist die Maßnahme gescheitert. Die Stadtverwaltung sieht das anders, plant bereits weitere Zonen und ein sogenanntes Besucherblöckle.

Ein Versuch, der „krachend gescheitert“ ist

Schon in der Gemeinderatsdebatte im vergangenen Frühjahr stieß die Idee, sonntags Parkgebühren rund ums Blüba einzuführen, auf Skepsis. Am Ende setzte sich dennoch eine Mehrheit durch – unter der Prämisse, es zunächst auszuprobieren. Für Andreas Reichert, der in fußläufiger Entfernung zum Blüba wohnt, ist dieser Versuch jedoch „krachend gescheitert“. Er hofft, dass die Entscheidung rückgängig gemacht wird.

Bei Veranstaltungen mit besonders hohen Besucherzahlen oder wenn mehrere Publikumsmagneten gleichzeitig stattfinden, habe sich die Verkehrssituation nicht verbessert, kritisiert Reichert. Im Gegenteil: „Die ohnehin belastete Anwohnerschaft wird dadurch auch noch abkassiert.“

„Die Maßnahme leistet einen wichtigen Beitrag, den Parkdruck zu verringern.“

Meike Wätjen, Pressesprecherin der Stadt

Sonntägliche Besucher von Anwohnern müssten bei Aufenthalten von drei oder vier Stunden „nicht wenig Parkgebühren“ zahlen. „Ich möchte das nicht und zahle meinem Besuch den Parkplatz“, sagt Reichert – was jedoch immer wieder an der störanfälligen Technik scheitere.

Hinzu komme, dass im weit gefassten Gebiet nicht nur private Haushalte liegen, sondern auch mehrere Pflegeeinrichtungen, darunter das Karl-Walser-Haus, das Elisa-Seniorenstift sowie drei Heime der Stiftung Evangelische Altenheime Ludwigsburg. „Wer sonntags Angehörige besuchen möchte, muss ebenfalls zahlen.“

Grundsätzlich sei er nicht gegen Parkgebühren, betont Reichert, und kenne auch die angespannte Haushaltslage der Stadt. „Aber wenn sonntags Parkgebühren eingeführt werden, dann bitte einheitlich im gesamten Stadtgebiet.“

Die Stadt wehrt sich gegen den Vorwurf, das Projekt sei gescheitert. Die Stadtverwaltung kontrolliere regelmäßig den Bereich und erhalte Rückmeldung aus dem Stadtteil – es habe sich gezeigt, dass sich der kostenpflichtige Sonntag lohnt. „Die Maßnahme leistet einen wichtigen Beitrag, den Parkdruck zu verringern, unnötigen Parksuchverkehr zu vermeiden und so die Anwohner zu schützen“, sagt Wätjen. Eine erneute Diskussion oder Entscheidung im Gemeinderat sei daher nicht vorgesehen – der kostenpflichtige Sonntag in der Oststadt bleibt bestehen.

Reichert hat seine Kritik inzwischen in einem offenen Schreiben an den Gemeinderat formuliert. Sollte die Maßnahme nicht zurückgenommen werden, fordert er zumindest die Umsetzung einer bereits früher diskutierten Idee: Freiparkscheine für Anwohner. Diese könnten von der Stadt ausgegeben und von den Anwohnern an ihre privaten Besucher weitergegeben werden, um die Belastung zumindest teilweise abzufedern.

Blüba soll etwas zahlen

Auch zur Finanzierung solcher Freiparkscheine hat Reichert einen Vorschlag – passend zur angespannten Finanzlage der Stadt. „Man könnte beim Blüba nachfragen. Laut den derzeit ausliegenden Wirtschaftszahlen aus dem Jahr 2024 schwimmen die in Geld. Vor allem die Leuchtenden Traumpfade waren offenbar eine echte Cashcow.“ Aus seiner Sicht ist die Blühende Barock GmbH Hauptverursacher des Parkchaos, beteilige sich aber nicht an dessen Lösung

Tatsächlich arbeite die Stadt an einem sogenannten „digitalen Besucherblöckle“, so Wätjen. Dadurch sollen Anwohner an vergünstigte Tickets kommen – die sie an ihre Besucher weitergeben können. Für das Besucherblöckle zahlen die Anwohner jedoch selbst. Dass sich das Blüba an den Kosten beteiligt, ist laut Wätjen nicht vorstellbar.

Die Debatte um den kostenpflichtigen Sonntag in der Oststadt zeigt: Die Stadt hält an ihrer strikteren Parkraumbewirtschaftung fest. Parkuhren werden nicht zurückgedreht – im Gegenteil. Aktuell wird in mehreren Stadtteilen die Parkraumbewirtschaftung mit Bewohnerparken vorangetrieben. Hauptgrund dafür ist Geld, das der Stadt aktuell an allen Ecken und Enden fehlt.  

Diese Gebiete werden aktuell geprüft

Einzelne Beschlüsse
Für fünf Gebiete im Stadtgebiet Ludwigsburg wird derzeit eine Parkraumbewirtschaftung geprüft. In den Stadtteilen Grünbühl, im Quartier Bismarckstraße, in Eglosheim West, im Fuchshof-/Stadionquartier sowie auf der Hartenecker Höhe könnten künftig Parkautomaten und Anwohnerparkausweise eingeführt werden. Für jedes Gebiet wird hierzu jeweils ein eigener Beschluss im Gemeinderat gefasst.

Zeitplan
Laut Stadtverwaltung könnte die Parkraumbewirtschaftung im Quartier Bismarckstraße bereits in diesem Jahr umgesetzt werden. Anschließend sollen Grünbühl sowie das Fuchshof-/Stadionquartier in den Jahren 2027 oder 2028 folgen. Eglosheim West ist für das Jahr 2028 vorgesehen, die Hartenecker Höhe soll voraussichtlich erst 2029 umgesetzt werden.