Kim Funk-Fritsch hat die Kressart-Streuobstwiese für ihre Tiere gepachtet Foto: A. Kratz

Kim Funk-Fritsch hat seit kurzem die Kressart-Streuobstwiese in Sonnenberg für ihre Tiere gepachtet. Statt Pferden weiden dort nun Schafe.

Sonnenberg - Obwohl Kim Funk-Fritsch erst seit kurzem in Sonnenberg wohnt, ist sie schon jetzt bekannt wie ein bunter Hund. Kein Wunder, denn zur Verwunderung aller Passanten geht die strohblonde Frau mit dem Schäferhut immer wieder mal mit ihrem Esel im Stadtteil spazieren. „Fritzi liebt das. Er ist früher oft der Palmesel gewesen und hat die Prozession am Palmsonntag angeführt“, sagt Funk-Fritsch.

Vor einigen Wochen ist sie mit ihrer Familie und einigen ihrer Tiere nach Stuttgart gezogen. Die Schafe und der Esel Fritzi weiden seitdem auf der Streuobstwiese Kressart. „Für mich war es ein Glücksfall, dass die Stadt mir die Fläche angeboten hat“, sagt Funk-Fritsch.

Differenzen mit der Stadt

Des einen Freud’ ist freilich des anderen Leid. Denn der ehemalige Pächter der Wiese hatte zuletzt durchaus seine Differenzen mit dem zuständigen Garten- und Friedhofsamt. Denn nach mehr als 20 Jahren hatte man ihm aus heiterem Himmel den Vertrag gekündigt.

Der Grund: Die Stadt wollte dort keine Pferde mehr haben, weil diese die Grasnarbe zertreten würden. Schafe seien mit den Vorgaben und Zielen des Landschaftsschutzgebiets zwischen Sonnenberg und Kaltental, zu dem das Areal gehört, viel besser zu vereinen, so die Argumentation des Amtes (wir berichteten).

Kim Funk-Fritsch bedauert, dass ihr Vorgänger und die Stadt sich am Ende nicht mehr ganz grün gewesen seien. Doch sie habe von den Differenzen nichts gewusst und zu dem ehemaligen Pächter der Streuobstwiese mittlerweile ein gutes Verhältnis. Den Stall, das Heu und das Stroh hat sie ihrem Vorgänger abgekauft. Funk-Fritsch hat den Holzverschlag ein bisschen aufgehübscht und winterfest gemacht.

Die Tiere fühlen sich wohl

Ihre Tiere seien inzwischen gut in der neuen Heimat angekommen. „Ich habe die Schafe mitgenommen, die ich besonders lieb gewonnen habe und bei denen ich mir sicher war, dass sie sich auch in der Stadt wohlfühlen werden“ sagt Funk-Fritsch.

Der Esel Fritzi braucht sowieso nur die Schafe um sich herum, um glücklich zu sein. Das Grautier war ein halbes Jahr alt, als es in ihre Obhut kam und ist in der Herde aufgewachsen. „Deshalb fühlt sich Fritzi eher als Schaf denn als Esel“, sagt Funk-Fritsch und lacht. Nur eine Sache macht ihr Sorgen. „Manche Leute haben ihre Hunde nicht unter Kontrolle. Neulich ist eines meiner Schafe gebissen worden. Der Hundebesitzer ist einfach auf und davon.“

Die Schafe gehören zu einer an der Nord- und Ostseeküste beheimateten Rassen: Es sind gehörnte weiße Moorschnucken und Heidschnucken. Die Tiere kommen mit kargen Wiesen gut zurecht. Funk-Fritschs Schützlinge haben alle Namen. Der Bock heißt Paul, die anderen hören zum Beispiel auf Miss Marple, Wanda oder Bianca. Das buchstäblich schwarze Schaf Momo, ist seinem Frauchen besonders ans Herz gewachsen. Das Einjährige wurde von seiner Mutter nicht angenommen und mit der Flasche aufgezogen.

Ein Hof im Allgäu

Kim Funk-Fritsch selbst ist eine gebürtige Stuttgarterin. Doch weil es immer ihr Traum war, viele Tiere zu haben, war die Tierheilpraktikerin vor vielen Jahren ins Allgäu gezogen. Dort hatte sie einen Hof mit mehr als 60 Tieren. Neben einer großen Schafherde waren es vor allem Hühner, Kaninchen, Meerschweinchen und Katzen.

In die Landeshauptstadt Stuttgart ist sie zurückgekehrt, weil ihre Tochter dort eine Lehre machen will. Funk-Fritschs Mann ist sowieso immer gependelt. „Ich wäre also die Woche über mit meinem Sohn allein auf dem Hof gewesen, und das war irgendwie auch nichts“, sagt Funk-Fritsch.

Es sei ihr schwer gefallen, sich von den Tieren zu trennen. Doch letztlich habe sie alle gut unterbringen können, beziehungsweise – und da ist die Tierliebhaberin pragmatisch – liegt das ein oder andere auch bei ihr in der Tiefkühltruhe. „Warum soll ich Fleisch kaufen, wenn ich selbst das beste habe. Die Tiere hatten ein schönes Leben, bevor sie geschlachtet wurden“, sagt Funk-Fritsch. Der Fuchs sei schließlich auch kein Vegetarier. „Und dennoch tut es mir immer leid, wenn eines meiner Tiere sterben muss“, fügt Kim-Fritsch noch hinzu.

Doch nun werfen erst einmal erfreuliche Ereignisse ihre Schatten voraus. Die Schafe sind alle trächtig. Im April werden die ersten Lämmer geboren.

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