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Villa in Sonnenberg: Schulden des Vaters bringen den Profi-Fußballer in Erklärungsnot.

Stuttgart - Eine prächtige Villa im Stadtteil Sonnenberg kommt womöglich unter den Hammer. Prominenter Bewohner: Kont Kuranyi. Noch prominenterer Eigentümer des Anwesens: dessen Sohn Kevin Kuranyi. Der Fußball-Star sieht sich Forderungen von mehr als 300 000 Euro ausgesetzt. Das Geld hatte sich sein Vater geborgt.

Manche Menschen wollen ab einer gewissen Bekanntheit im Privaten lieber unbehelligt bleiben. Kont Kuranyi ist in der Beziehung anders geschnitzt. Ein großes Schild an seinem Haus im Stadtteil Sonnenberg kündet für jeden sichtbar von dem prominenten Bewohner. Ob der schillernde, aber nicht immer erfolgreiche einstige Geschäftsmann dort bleiben kann, ist nach formaljuristischen Kriterien offen.

Am Amtsgericht Stuttgart läuft seit September 2011 ein Zwangsvollstreckungsverfahren. Im ungünstigsten Fall kommt dabei die Kuranyi-Villa unter den Hammer. Schuldner ist aber nicht Kont Kuranyi, sondern sein Sohn, der Profi-Fußballer Kevin Kuranyi, dem die Villa heute gehört. "Ich kann bestätigen, dass es ein solches Verfahren gibt", sagt eine Sprecherin des Amtsgerichts. Details darf sie nicht nennen.

Diesen Part hat dieser Tage ein Mitarbeiter der Gläubigerfirma im Doppelpass mit dem Boulevard übernommen. Gegenüber der "Bild"-Zeitung sparte der Mann nicht mit Einzelheiten darüber, wie sich ein Schuldenberg Kuranyis von inzwischen angeblich 360 000 Euro auftürmen konnte.

Die für Außenstehende skurril anmutende Geschichte beginnt im Jahr 2006. Besagtes Unternehmen aus der Immobilienbranche mit Sitz in Gingen an der Fils (Kreis Göppingen) leiht Kont Kuranyi 150000 Euro. Er habe Kuranyi das Geld für private Geschäfte in bar gegeben, so der Grundstücksmakler. Als Sicherheit sei der Eintrag einer entsprechenden Grundschuld im Grundbuch erfolgt. Zu dem Zeitpunkt gehört das Haus Kont Kuranyi. Der Gläubiger behauptet weiter, dass die 150 000 Euro nebst Zinsen spätestens nach sechs Monaten zurückbezahlt werden sollten.

Später kauft Kevin Kuranyi seinem Vater das Anwesen ab. Der Makler hat bis dahin sein Geld noch nicht erhalten. Also bleibt die Sicherheitsleistung im Grundbuch vermerkt, und der Mann versucht die Summe von Kevin Kuranyi zu bekommen. Der ist formal jetzt der Schuldner. Doch der Fußballer sei nie erreichbar gewesen, behauptet der Gläubiger. Mittlerweile belaufe sich die Summe samt Zinsen auf 360 000 Euro.

Aus dem Kreis der Berater von Kuranyi junior wird der Vorgang im Groben bestätigt. Der Fußballer selbst sagt: "Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen." Offenbar kannte der einstige Stürmer des VfB Stuttgart weder die Geschäftsbeziehung seines Vaters zum Gingener Grundstücksmakler noch die Details des Hauskaufs. Jene, die Kevin Kuranyis Geldangelegenheiten regeln, haben womöglich bei dem Geschäft auch nicht genau genug hingeschaut. Trotz des Vorgangs sei das Verhältnis zwischen Vater und Sohn Kuranyi ungetrübt. Der Kicker glaubt, Opfer eines Wichtigtuers geworden zu sein. "Eigentlich möchte ich darüber gar nicht viel sagen. Ich habe das Gefühl, da ist jemand, der meinen Namen nutzt, um sich zu profilieren." Es heißt, der Gläubiger habe Angebote für einen Vergleich abgelehnt.

Der Makler selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dessen Firma ist zwar im Handelsregister aufgeführt. Unter der Adresse findet sich allerdings lediglich die Telefonnummer einer Privatperson. Beim Versuch, dort anzurufen, wurde am anderen Ende der Leitung aufgelegt.

Die Sache wäre rasch aus der Welt, würden die Kuranyis die Schulden begleichen. "In der Regel geschieht das bei einem solchen Verfahrensstand", so die Sprecherin des Amtsgerichts. Mit einem Jahresgehalt von 5,7 Millionen Euro, die ihm sein derzeitiger Arbeitgeber Dynamo Moskau bezahlt, könnte das eine Überlegung wert sein.

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