Hitze, Schwüle, immer wieder kräftige Schauer: Diese Wetter-Kombi war für Schwimmbadfreunde freilich nichts. Ganz anders sieht das für den Forst aus, wie eine Expertin zu berichten weiß.
Was ist das nur für ein Sommer? Diese Frage ist berechtigt: Gerade hat noch die Sonne vom Himmel gelacht, dann prasselt wieder starker Regen auf die Erde. Zudem war es in den vergangen Tagen auch noch sehr schwül. Dieses Auf und Ab kam Sonnenanbetern und Schwimmbadfreunden freilich nicht zupass. Für den Wald aber war dieses Wetter „nicht nur ausgesprochen hilfreich, sondern geradezu optimal“, sagt Cordula Samuleit. Sie leitet das Forstamt im Esslinger Landratsamt. Mit ihren Mitarbeitenden kümmert sie sich um den kommunalen und privaten Wald im Landkreis und damit auch um jenen rund um Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt.
Der viele Regen der vergangenen Wochen „hat Entspannung im Wald gebracht“, erklärt Samuleit: „Die Wasservorräte im Boden konnten wieder aufgefüllt werden.“ Die Schauer seien kräftig genug gewesen, um durch das Blätterdach zu dringen und den Boden zu erreichen. In den Regenpausen konnte das Wasser dort einsickern, sei also nicht gleich wieder abgeflossen. Dass es so schwül war, sei für die Bäume an sich kein großes Problem gewesen, erklärt die Expertin. „Durch die hohe Luftfeuchtigkeit können sie aber weniger gut verdunsten und so weniger gut kühlen.“
Für die Tiere im Wald ist das Leben etwas einfacher geworden. „Kleine Tümpel haben sich wieder mit Wasser gefüllt“, sagt Samuleit. Damit gebe es wieder mehr Trinkwasserstellen. Die Waldbrandgefahr sei allerdings nicht vollständig gebannt. Es gelte nach wie vor ein Feuerverbot im Wald. „Feuer darf nur an ausgewiesenen Grillstellen entzündet werden“, betont sie. Rauchen im Wald sei weiterhin nicht gestattet. „Das Risiko ist die Nachlässigkeit“, sagt die Amtsleiterin. Und fügt an: „Eine Kippe weggeschnippt in einen vermeintlich feuchten Graben – und dann sind da doch noch trockene Blätter drin, die sich entzünden.“
Der Regen der vergangen Wochen ändert allerdings nichts an den Veränderungen, die der Klimawandel bringt. Darauf weist auch der BUND Baden-Württemberg in einer Pressemitteilung hin. „Die Wälder leiden seit Jahren unter den Folgen der Klimakrise. Trockenheit, Hitze und Stürme setzten den Bäumen zu und fördern Massenvermehrungen von Insekten wie dem Borkenkäfer“, heißt es in dem Schreiben. Der Anteil der gesunden Waldfläche in Baden-Württemberg liege auf einem Allzeittief von 17 Prozent. Auch in den Laubwäldern würden immer mehr Bäume absterben. Sogar die Eiche, die durch ihre in die Tiefe reichenden Wurzeln als trockenheitstolerant gilt, leide unter Wassermangel.
Der Klimawandel lässt zum einen die Temperaturen steigen. „Im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren gibt es jetzt pro Jahr neun bis zehn Monate, die im Durchschnitt zu warm, und zwei bis drei Monate die normal verlaufen sind “, berichtet die Forstamtsleiterin Cordula Samuleit. Sie sagt aber auch: „Wir haben in den letzten Jahren eine deutlich erhöhte Sonnenscheindauer gehabt.“ Und: „Der Baum arbeitet mit Licht.“ Das sei einer seiner wichtigsten Treibstoffe. Wenn die Bäume mehr arbeiteten, bräuchten sie auch mehr Wasser.
Auf diese Entwicklungen müsse die Forstbehörde reagieren, den Wald entsprechend umgestalten. Das fordert auch der BUND. „Wir brauchen Wälder mit möglichst vielen verschiedenen heimischen Laubbaumarten – etwa Buche, Eiche, Ahorn und Linde“, informieren die Naturschützer. Das Kreisforstamt setzt dies eigenem Bekunden nach bereits um: „Wir versuchen viele verschiedene Baumarten gemischt auf die Fläche zu bekommen“, erklärt die Amtsleiterin. Es würden mehr Eichen gepflanzt, weil diese die Wärme liebten. In den Wäldern des Kreises würden viele Buchen wachsen, Ahornarten würden zunehmend gepflanzt. Bisher seltene Arten des Weinbauklimas würden zumindest als einzelne Bäume eingebracht.
Auf den Fildern, die noch immer stark von der Landwirtschaft geprägt sind, sei derweil die Bodenqualität im Wald teils nicht gut. „Da gibt es Sandsteinlagen, wo das Wasser gar nicht richtig durchkommt“, erklärt Samuleit. Wasser könne dort nicht gut gespeichert werden. In den Wäldern von Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt wachsen deshalb viele alte Kiefern.
Die Bäume, die eigentlich aus dem Gebirge kommen, kämen mit Trockenheit gut klar, erklärt sie. Diese Baumart habe es aber eigentlich auch gerne kühl. Den Kiefern mache also die Kombination aus Trockenheit und Hitze stark zu schaffen. „Langfristig müssen wir auch dort auf Eiche, Ahornarten und seltene Baumarten umstellen.“ Wenngleich die Forstbehörde Wert darauf legt, dass zumindest einige Kiefern als immergrüne Bäume erhalten bleiben sollen.