Mit über 3000 Sonnenstunden im Jahr, verträumten Buchten, glasklarem Wasser und seiner mittelalterlichen Hauptstadt gilt Rhodos als Sehnsuchtsziel – für Urlauber wie Kreative.
Auch das noch! Der Wind hat tief Atem geholt über der Ägäis und sich ohne Vorwarnung gedreht. Plötzlich fegen heftige Böen vom Land her aufs offene Meer. Weiße Schaumkronen tanzen auf türkisfarbenem Wasser, einige schwappen ins offene Kajak. Jetzt heißt es alle Kraft zusammen nehmen, die Wellen im rechten Winkel schneiden und so gut es geht synchron paddeln. Bis zum Windschatten vor Steilküste von Rhodos sind es 200, vielleicht 250 Meter. Doch die haben es wirklich in sich.
Das Meer zeigt sich von seiner lieblichen Seite
Das hatte sich Marc Junior eigentlich anders vorgestellt. Entspannter. Irgendwie gemütlicher. Der Drittklässler sitzt zum ersten Mal in einem Seekajak und spürt die unbändige Kraft der Elemente hautnah. Ein bisschen Angst habe er schon gehabt, wird er später zugeben. Respekt vor den Naturgewalten sowieso. Obwohl hinter ihm im Boot sein expeditionserfahrener Vater saß und sie steuerbord vom Kajak eines erfahrenen Guides flankiert wurden. Wirklich gefährlich war die Situation nie, beide Männer hatten ihre Handys und genügend Wasser dabei, alle trugen Rettungswesten, und die Seekajaks gelten als unsinkbar.
Nach einer Viertelstunde kräftezehrenden Paddelns ist der Spuk plötzlich vorbei. So unverhofft die Sturmböen aufgetaucht waren, so plötzlich zogen sie dann einfach weiter Richtung türkisches Festland.
Im Nu zeigt sich das Meer wieder von seiner lieblichen Seite, und die zerklüftete Steilküste wirft markante Schatten im grellen Sonnenlicht. Fast senkrecht ragt die von Wind und Wetter modellierte kilometerlange Kalksteinwand aus dem kristallklaren Meer. Selbst bis zehn Meter unter Wasser sind die Felsformationen vom Kajak aus noch klar zu erkennen. Hin und wieder zieht eine Schule kleiner Riffbarsche vorbei, ab und zu sind ein paar Meerbrassen mit ihren markanten schwarzen Streifen zu erkennen.
Die Kajaks steuern auf eine kleine Höhle zu, die die Brandung seit Jahrtausenden Millimeter für Millimeter immer tiefer in den Kalk frisst. Es dauert einen Moment, bis sich die Augen an das Dämmerlicht gewöhnt haben. Schon sind grüne und blaue Schattierungen im Ocker der Wände zu erkennen. Die Fledermäuse an der Decke scheinen sich nicht im Geringsten von den Eindringlingen gestört zu fühlen, wohlwissend, dass sie für die Paddler unerreichbar bleiben. Unter Wasser ist der Stein fast vollständig mit Muschelbetten übersäht, und tellergroße Krabben patrouillieren auf der Suche nach etwas Fressbarem seitwärts über den Grund.
Kulisse für einen Kriegsfilmklassiker
Wieder im Tageslicht brauchen die Augen erneut einen Moment. Im ruhigen Fahrwasser erreichen die Kajaks den wohl spektakulärsten Abschnitt der gesamten Ostküste, die malerische Vagies-Bucht mit ihrem markanten Felsenbogen. Heute kennt man sie unter dem Namen Anthony-Quinn-Bay. Sie diente als Kulisse in dem Kriegsfilmklassiker „Die Kanonen von Navarone“ von 1961 mit Gregory Peck und Anthony Quinn, der sich, so die Überlieferung, unsterblich in die Bucht verliebt habe. In der britisch-amerikanischen Koproduktion soll ein alliiertes Geheimkommando im Zweiten Weltkrieg zwei gigantische Kanonen der deutschen Wehrmacht auf der fiktiven ägäischen Insel Navarone in die Luft sprengen. Tatsächlich war Rhodos von 1943 bis zum Kriegende von den Deutschen besetzt. Die SS löschte in dieser kurzen Zeitspanne das jüdische Leben fast vollständig aus.
Im Hier und Jetzt erfreut sich indes Marc Junior an der Schönheit der Natur. Und wenig später an einem Picknick vom Feinsten in der rotsandigen Kokkini Ammos Bucht, die nur über einen steilen Ziegenpfad oder vom Wasser aus zu erreichen ist. Heute gibt es Ciabatta und Pita-Fladen, dazu Feta-Käse in Olivenöl, schwarze Oliven, getrocknete Tomaten, zarte Sardinen, sonnengereifte Trauben und Melone, Gurkensticks und das Beste, eine extrem leckere Portion Tsatsiki. Die hat der Chefkoch vom Magic Life Club Plimmiri höchstpersönlich kredenzt. Eigentlich hat Konstantinos Tsaganas, 31, für derlei Spielereien keine Zeit, schließlich muss der Grieche mit seinem internationalen 70-köpfigen Team in der Hochsaison täglich rund 1000 hungrige Mäuler stopfen. Doch hin und wieder lässt es sich Konstantinos nicht nehmen, auch selbst den Kochlöffel zu schwingen. Sein Tsatsiki soll das beste auf ganz Rhodos sein, da sind sich alle Insulaner einig, die es mal probiert haben. Und im Club-Hotel geht Tag für Tag eine große Schüssel über die Theke. Die Rezeptur behält der sonst so eloquente Zwei-Meter-Mann für sich. Die habe er von seiner Mama und sie soll in der Familie bleiben.
Nach Sonnenuntergang verwandeln sich die Gassen und Plätze in eine einzige große Flaniermeile
Nach dem Nichts-geht-mehr-Lunch ist Zeit für eine geruhsame Siesta im warmen, rötlich schimmernden Sand. Schließlich ist man auf der Rhodos, wo rund 3000 Stunden im Jahr die Sonne scheint und diese Tradition noch immer hoch gehalten wird. Nur so kann man abends wieder richtig fit sein und sich lange nach Sonnenuntergang mit Familie und Freunden bei milden Temperaturen treffen. Könnte es dafür schönere Orte als die Terrassen der gemütlichen Tavernen unterm Sternenhimmel geben? Wohl kaum. Doch bevor sich Vater und Sohn mit traditioneller griechischer Küche verwöhnen lassen, gilt es den historischen Kern von Rhodos-Stadt zu erkunden. Der frühe Abend, wenn die tiefe Sonne die alten Gemäuer in ein warmes Licht taucht und die Temperatur langsam sinkt, ist die ideale Zeit, sich in dem Labyrinth der gepflasterten Gassen zu verlieren. Gewaltige Mauern umschließen die mittelalterliche Altstadt, die 1988 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde, zählt sie doch zu den besterhaltenen ihrer Art weltweit. Kein Wunder also, dass sich nach Sonnenuntergang die Gassen und Plätze in eine einzige große Flaniermeile verwandeln.
Die Magie der Insel ist natürlich auch Künstlern und Kreativen nicht verborgen geblieben. Seit Jahrzehnten ist Rhodos ein beliebter Drehort für TV-Produktionen, Werbespots, Musikvideos und aufwendige Kinoproduktionen. Im Ippotikon Restaurant in der Altstadt lächelt Aristotelis „Telly“ Savalas, alias Kojak, auf einem vergilbten Foto verschmitzt in den Gastraum. Marc Junior sagt der amerikanische Schauspieler mit griechischen Wurzeln nichts. Er glaubt aber, eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem Papa erkennen zu können. „Einsatz in Manhattan“ lief schließlich lange vor seiner Zeit. In der Komödie „Escape to Athena“ stand der charismatische Schauspieler – diesmal ohne seinen stilprägenden Lutscher – zusammen mit Roger Moore, alias James Bond, und der kürzlich verstorbenen Diva Claudia Cardinale, vor der Kamera. Zwar wurde der Film damals kein Kassenschlager, setzte aber der Sonneninsel Rhodos ein weiteres cineastisches Denkmal.
Info
Anreise
Ab Stuttgart nach Rhodos direkt mit Tuifly, www.tuifly.com .
Unterkunft
Der Club Plimmiri gilt bei Familien als beliebte Anlage auf Rhodos. Fünf Sterne, beste Strandlage im ruhigen Süden von Rhodos. Riesiges Sportangebot, größtenteils inklusive: Beachvolleyball, Tennis, Fußball, Biken, Bogenschießen, Segeln, Schnorcheln und Tauchen, diverse Fitnesskurse wie Aqua Cycling oder Zumba sowie Yoga und Aquapark mit Wasserrutschen, Schwimmschule und betreuter MyMo Club für Kids. Wellness sowie umfangreiches kulinarisches Angebot in fünf Restaurants; abends Entertainment. Sieben Nächte all inclusive mit Flug und Transfers ab 973 Euro, www.magiclife.com . Das Athineon Hotel liegt zentral in Rhodos Stadt mit Pool und Blick auf den Hafen. Freundlicher Service, gut ausgestattetes Deluxe Apartment mit Wohn- und Schlafzimmer, Küchenzeile und Balkon, 45 qm, 2 Personen ab 81 Euro, https://athineonhotel.gr . Aktivitäten
Auf Rhodos werden die unterschiedlichsten Exkursionen angeboten. Ob Stadtbesichtigung oder Tour zu traditionellen Dörfern, Katamaran-Törns oder Geländewagensafari. Beispiel: Rhodos bei Nacht: Bootsfahrt sowie geführter Spaziergang durch die Altstadt mit Abendessen inkl. Transfer für 82 Euro; Geführte Ganztags-Kajaktour entlang der beeindruckenden Ostküste inklusive Kajak, Ausrüstung, Lunch in idyllischer Bucht und Transfers für 98 Euro. Buchbar unter www.tuimusement.com .
Allgemeine Informationen
Discover Greece, www.discovergreece.com/de