Überzeugte Jury und Publikum gleichermaßen: Peter Fischer Foto: Lichtgut / Oliver Willikonsky

Chansonniers und Liedermacher sind gefragt, wenn jedes Jahr im Hotel Le Méridien der Troubadour gekürt wird. Beim diesjährigen Deutschen Songcontest setzte sich Peter Fischer durch, ein Musikkabarettist.

stuttgart - Von seinem Charme darf man sich nicht täuschen lassen: Peter Fischer kann auch sarkastisch sein, ironisch, frech und gewagt mit bitterbösen Gedanken zu Gesellschaft, Religion und Politik überraschen. Was haben Annegret, Jesus und die kleinen Sterne mit Jazz zu tun? Schmeckt die Ironie unserer Zeit am besten pur? Und ist ­C-Dur rassistisch? Doppeldeutige Fragen wie Fallstricke, eingeflochten in harmonische Melodien und dargeboten mit einer Stimme, die das Publikum zum Schmelzen bringt. Beim 13. Troubadour Song Contest im Hotel Le Méridien war es für die Jury daher keine Frage: Dem 29-jährigen Musikkabarettisten und Liedermacher aus München gebührt der Titel des Troubadours. Samt der Trophäe aus Bronze 5000 Euro Preisgeld.

Es ist nicht der erste Preis, der die Karriere dieses jungen Musikers und überragenden Bühnentalents mit Sicherheit befördern wird. Virtuos wechselt er am Klavier zu Klassik und Jazz, erzählt dabei Geschichten und liefert, immer mit Strahlelächeln, ­verbale Hämmer von einiger Brisanz. Seine Überraschung und Freude über den Erfolg teilte er dann freilich mit Veranstalter, Jury und vor allem dem Publikum im Bankettsaal Elysée ganz ohne Ironie und Sarkasmus: Er könne seine Gefühle jetzt nicht so gut ausdrücken, aber er sei sehr glücklich, suchte der Wortkünstler plötzlich nach Worten.

Stephan Sulke unterstützt den Troubadour seit Jahren

Verständlich, denn die Konkurrenz war nicht zu unterschätzen. „Wer ist Ihr Favorit?“ hieß die meist gestellte Frage an den Tischen. Mehr als 120 Bewerbungen waren für den Deutschen Song Contest eingegangen, den Bernd Schäfer-Surén, Direktor des Hotels Le Méridien, aus der Taufe gehoben hatte. Als ganz private und persönliche Initiative, um dem deutschen Chanson eine Bühne und Chance zu geben. Unterstützt von Profi-Paten wie anfangs Katja Ebstein („Theater, Theater“) und nun schon seit vielen Jahren Stephan Sulke („Uschi“), der versprach, noch nicht ans Aufhören zu denken. 18 Solisten und Duos stellten sich an zwei Abenden dem Wettbewerb, aus dem die zehnköpfige Jury , darunter auch Bettina Hartmann, Redakteurin bei Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung, vier Finalisten auswählte und noch einen Joker zog: Lennart Schilgen, der Platz drei (1000 Euro) errang.

Den zweiten Preis (2500 Euro) holte das Punk-Duo Astra van Nelle & der Lorbeerstorch, die in ihrer Gesellschaftskritik kein Blatt vor den Mund nehmen. Auf Platz vier behauptete sich Christin Henkel mit Geschichten aus ihrem Leben („Komm zurück nach Thüringen, mein Kind“) und ihrem Begleiter Juri Kannheiser. Den Förderpreis von 2000 Euro teilen sich die 20-jährige Milene und die 19-jährige Chiara Stella Renata.

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